Rezension verfasst vor 9 Monaten
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Geschichte der Philosophie? Ja, auch. Eine Zusammenstellung neuester Erkenntnisse der Hirnforschung? Ja, auch. Darlegung grundlegender ethischer und moralischer Fragen? Ja, auch.
Die Reihe könnte man noch um einige Punkte fortsetzen. Wer von einem Buch allerdings unterhalten werden will, ist bei dem Buch falsch. Es ist ein Buch zum Mit-Denken, Nach-Denken, Durch-Denken.
Der Autor hat sein Buch in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil verknüpft er grundlegende Erkenntnisse der Philosophie mit neuesten Ergebnissen der Hirnforschung, aber auch mit Wissen aus Psychologie und Psychoanalyse. Dabei skizziert er kurz den Lebensweg einiger Wissenschaftler wie zum Beispiel Nietzsche und Freud, geht auf deren wissenschaftliche Ergebnisse und Erkenntnisse ein und beleuchtet sie unter dem Blickwinkel neuester Forschungen. In diesem Teil stehen das Gehirn und seine Funktion im Mittelpunkt. Es geht um Gefühle, Gedächtnis und Sprache, um die Frage nach dem „ich“.
Dieser Teil des Buches hat mir am besten gefallen. Mit leichter Hand gelingt es dem Autor, mir als Leser die schwierige Thematik nahezubringen und verständlich zu machen. Die Beschreibung des Lebenslaufs der Wissenschaftler ist keine trockene Abhandlung. Der Autor zeigt an passenden stellen einen leichten Anflug von Humor.
Im zweiten Teil wird unser Handeln beleuchtet. Es geht u. a. um Fragen der Abtreibung, um PID oder um Sterbehilfe. Bei einigen Themen bin ich mit dem Autor nicht ganz konform gegangen. Sehr betroffen hat mich aber die Frage gemacht: Dürfen wir Tiere essen? Der Autor hat zum Einstieg in das Thema ein Gleichnis verwendet, was keinen kalt lassen dürfte.
Ich könnte auch sagen: Er hat uns einen Spiegel vor das Gesicht gehalten.
Im dritten Teil geht es um unsere Hoffnungen. Letztendlich mündet dieser in der Frage nach dem Sinn des Lebens. Dabei greift er auch gesellschaftliche und soziale Fragen auf. Er deutet an, dass wir häufig die falschen Prioritäten setzen. So beschreibt er den „normalen“ Bürger unserer Wohlstandsgesellschaft mit den Worten: „… sie kaufen Dinge, die sie nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen, mit Geld, das sie nicht haben…“ Auch hier arbeitet er wieder mit einem zutreffenden Gleichnis. Und ich gebe dem Autor Recht. Es gehört in unserer Gesellschaft zum guten Ton, sich den Lebensstandard auf Kredit zu leisten.
R. D. Precht stellt aber die Frage, ob das glücklich macht und verneint sie.
Das Buch macht stellenweise durch seine Direktheit betroffen. Es hat mich zum Nachdenken gebracht und ist ein Buch, welches nachwirkt. Ich muss fairerweise erwähnen, dass ich in einigen angesprochenen Fachgebieten über entsprechendes Grundwissen verfüge. Das machte das Mitdenken leichter. Wer sich noch nie mit Psychologie, Neurobiologie oder Philosophie befasst hat, für den ist das Buch nicht einfach zu verstehen.
Man sollte das Buch nicht nur lesen wollen, weil es lange auf Bestsellerlisten stand. Das kann schief gehen. Es ist keine leichte Kost. Es berührt Grundfragen unseres Seins, auf die man sich einlassen muss.
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