Rezension verfasst vor 1 Jahr
(10)
Hinter dem etwas ausgefallenen Titel verbirgt sich ein außermusikalisches Cross-over. So muss man diese disziplinübergreifende Darstellung wohl mit einem neudeutschen Ausdruck bezeichnen. Das Hauptanliegen des Buches ist es zwar, den Leser auf eine philosophische Reise mitzunehmen. Sie führt aber unvermeidlich ins (säuge)tierische und damit auch ins menschliche Gehirn und in weitere Felder, die mehr oder minder kundig durchackert werden müssen.
Precht lässt den Leser dabei Einblicke in viele Bereiche der Gedankenwelt und gleichzeitig in das Alltagsgeschehen gewinnen. Aktuelle medizinische, psychologische, soziologische und andere Fragen werden sachkundig - und möglicherweise Kontroversen herausfordernd - unter philosophischen Aspekten diskutiert. Von Abtreibung zum Vegetarier, von Aristoteles zu Wittgenstein, von Axonen zum Zellkern, zu allem hat Precht etwas zu sagen, wirklich etwas zu sagen.. Er betrachtet Gott und die Welt nicht nur von einseitigen Standpunkten aus, sondern als „Allrounder“. Dass er sich gelegentlich auf die Floskel zurückzieht, über das oder jenes lasse sich streiten, unterstreicht seine Kompetenz. Erstaunlich, wie ein Mann in seinen jungen Jahren ein derart umfangreiches Wissen zu vermitteln und derart abgeklärt zu argumentieren vermag.
Unvermeidlich wird man an der einen oder anderen Stelle die Stirn in Falten legen. Unvermeidlich bleiben Fragen offen. Den ersten Teil der Buchfrage, wer ich bin, möchte ich mir selbst beantworten, genauer gesagt so beantworten, wie es einer meiner Enkel ausgedrückt hat: Ein Mensch, der kein Tier sein wollte. Das ist wohl auch die Formel, auf die der Leser nach der Lektüre des Buches kommen darf.
0 Kommentare