Es ist schwierig eine Gesamt-Rezension über insgesamt einen Kurzroman und zwölf Kurzgeschichten zu schreiben. Irgendwie hat jede Geschichte ihren eigenen Stil, den man nicht insgesamt zusammenfassend kann. "Furien" war übrigens das erste Buch, welches ich von Richard Laymon gelesen habe und ich bin mir sicher: es war nicht das letzte. Ich hatte zuvor schon viel von ihm bzw. seinen Büchern gehört und das sie echte Schocker sein können. Dieser Aussage kann ich voll und ganz zustimmen und wer ein Problem mit einer gewissen Härte, Blut und Gedärmen hat, sollte lieber die Finger von Richard Laymon lassen. Auch wenn ich gestehen muss, dass man sich da wirklich was entgehen lässt. Ich hatte jedenfalls ein unglaublich aufregendes Leserlebnis, was ich so schnell nicht mehr vergessen werde!
Unholde
Dies ist jener einzelne Kurzroman in "Furien". Eine junge Frau trifft auf ihren ehemaligen Vergewaltiger, der wieder auf freien Fuß ist. Dass das nicht gerader eine nette Vorstellung ist, könnt ihr euch ja mit Sicherheit denken. Ich habe die gesamte Geschichte über mit dem Opfer mitgefühlt. Es ist unglaublich, was die junge Frau (Ich hab den Namen leider nicht mehr im Kopf...) alles durchmachen muss. Und auch weitere Mädchen geraten ins Visier des Vergewaltigers. "Unholde" war eine Achterbahnfahrt zwischen Ekel und Angst.
Der Katzenwurf
Ich wollte mich aufgrund des Titels weigern, die Geschichte zu lesen. Ich hatte nämlich eine Vorahnung, wie diese Geschichte ausgehen könnte und das hätte ich nicht ertragen. Zum Glück habe ich sie doch gelesen. Dummerweise reagiere ich nun sehr reizbar auf Menschen, die von sich selbst in der dritten Person reden. Aber die Geschichte konnte ich mit einem Lächeln und dem Gedanken "Geschieht dir recht. blöde Kuh!" beenden.
Die Blutspur
Ziemlich eklig und ziemlich blutig. Ich habe mit dem Protagonisten mitgezittert und hätte fast aufgeschrien, als er der Blutspur bis ins Ziel gefolgt ist. Das Ende fande ich dann doch etwas seltsam.
Der Anhalter in der Wüste
Ein Mann fährt per Anhalter durch die Wüste. Eine hübsche Frau mittleren Alters nimmt ihn mit und will unbedingt Kakteen, was ja schließlich verboten ist, ausgraben. Man weiß, einer von beiden hat Dreck am Stecken und so ist es auch. Der Mord passiert mit einer derben Gleichgültigkeit. Dafür scheint Laymon ein Händchen zu haben und irgendwie brachte mich die Aufklärung eines weiteres Mordes dermaßen zum Schmunzeln. Frei nach dem Motto "Ich hab´s geahnt".
Die Maske
Laymon hätte die Geschichte, meiner Meinung nach, nicht auflösen dürfen. Ich hatte mir als Leser selbst meine Gedanken zu der Frau gemacht, die unter der Maske steckt und den horrorfilmliebenden Lehrer zu begeistert. Eines nachts trifft er nämlich auf die vermummte Frau und wird von einer Faszination ergriffen, die ihn auf die Suche nach ihr gehen lässt und er will unbedingt ihr Geheimnis lüften.
Vorkoster
Wahrscheinlich die amüsanteste Geschichte in "Furien". Ein Privatdetektiv ermittelt, wer die verschrobene alte Dame vergiften will. Leider ist er etwas ungeschickt. Findet aber letztend den Täter. Ich hab mich auf dem Boden gekringelt vor Lachen!
Die Jagd
"Die Jagd" war ziemlich harter Tobak und ziemlich eigen. Aber auch spannend, da ich bei Laymon einfach keinen roten Faden gefunden habe und ich so nicht erahnen konnte, wie es denn weiter geht. Das Ende kam ziemlich überraschend. Eine hübsche Studentin wird von einem Serienkiller entführt. Er gibt ihr ein bisschen Zeit um einen Vorsprung zu bekommen und will dann Jagd auf sie machen.
Einschnitte
Ich glaube, "Einschnitte" ist weniger eklig, dafür beängstigend. Manche Menschen haben vielleicht Gelüste...
In der Wildnis
Man stelle sich an dieser Stelle bitte einmal Nelsons "HA HA" (Simpsons) vor. Das passt perfekt. Ich kann leider keine Kurzbeschreibung geben, sonst wüsstet ihr bereits, was in dieser Geschichte passiert. Genial! Auf die Idee muss man erstmal kommen ;)
Ungebetene Gäste & Die Auserwählten
Das Buch liegt eider 500km weit weg und ich habe grad keine Möglichkeit nachzusehen, um was es in diesen beiden Geschichten ging. Es ist auch schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen haben. Bitte verzeiht mir :(
Joyce
Meine tote Frau, meine neue Frau und ich... Alle unter einem Dach. Der frisch gebackene Ehemann kann sich von seiner bereits verstorbenen Frau Joyce nicht trennen und hat sie konservieren lassen. Joyce soll auch von der neuen Frau als vollwertiges Mitglied der Familie akzeptiert werden. Soweit geht das auch in Ordnung, aber beim Baden... Na da will der Funke nicht so ganz überspringen.
"Joyce" ist eine sehr bizarre Geschichte und auf eine ganz besondere Art ziemlich widerwärtig. So muss es sein!
Ein ruhiges, stilles Örtchen
Meiner Meinung nach die schwächste Geschichte. Ein kleiner übergewichtiger Junge will unbedingt neue Freunde finden und meint sie in zwei etwas älteren Jungen gefunden zu haben. Doch die wollen mit ihm nichts zu tun haben und unterstellen den Jungen an einem ruhigen, stillen Örtchen einer ziemlich harten Mutprobe. Hat mir gar nicht gefallen, mag auch eventuell an dem Ende liegen, was ich einfach nur seltsam fand.
Fazit: Defintiv nichts für schwache Nerven und Mägen. Bei "Furien" läuft einem der kalte Schweiß den Rücken herunter und jedes noch so kleine Geräusch ließ mich zusammenzucken. Richard Laymon versteht es, seine Leser in den Bann zu gehen und überschreitet mehr als eine Grenze des puren Ekels, aber bevor er die letzte Grenze überschreitet, macht er einen Schritt zurück. Einfach genial!