Leser-Rezension zu „Das größere Glück” von Richard Powers
am 4.09.2011
Mit "das größere Glück", im Original "Generosity", ist Richard Powers ein Buch gelungen, wie es nur wenige gibt. Ein Buch, dessen letzte 50 oder 70 Seiten ich atmelos und mitHerzklopfen vor lauter Angst vor dem Ende gelesen habe und dessen Ende mich ebenso aufgewühlt wie traurig zurückgelassen hat.
Das Buch hat ein schwieriges, kontroverses Thema: Genetik, Möglichkeiten, Gefahren und die Verantwortung der Forschung. Im Mittelpunkt stehen zwei sehr unterschiedliche Hauptfiguren: Einmal der regelrecht verzagte und resignierte Lektor und eher zufällige Lehrer eines Abendkurs am Colleges, einmal eine seine Schülerinnen, die eine besondere Disposition zum Glücklichsein zu haben scheint, die trotz ihres schweren bisherigen Schicksals und ihrer traurigen Familiengeschichte alle mit ihrer Zufriedenheit und guten Laune ansteckt. Russell ist sofort fasziniert von der jungen Frau und auch schnell besorgt, so dass er sich mit dem Thema des Glücks befasst und schließlich eine Lawine der Medienaufmerksamt lostritt, die ihn ebenso wie die Studentin unter sich zu begraben droht.
Richard Powers hat auch in seinen bisherigen Büchern immer einen wissenschaftlichen Blickwinkel auf seine Figuren eingenommen, aber während ich z.b. in "Schattenflucht" teilweise Probleme hatte, den Details zu folgen, ist "Das größere Glück" auch in den wissenschaftlichen Erläuterungen zum Thema Genetik jederzeit nachvollziehbar und verständlich. Zudem sind alle Charaktere sehr glaubwürdig geschildert, die gut 400 Seiten sind durchgängig fesselnd und Powers' Sprache einfach wunderbar. Er schafft Sätze, die man immer wieder lesen möchte und die dennoch nie von der Geschichte ablenken. Dadurch konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen und habe es an einem einzigen Tag ausgelesen, immer gespannt wie es weitergeht und schließlich fassungslos über das Ende, das erschreckend aber überaus passend ist, realistisch und doch ein bißchen fantastisch ist.
Damit ist "Das größere Glück" ein Buch, das so rundherum gelungen ist, dass 5 Sterne lange nicht ausreichen. Ein Buch, dass ich schier jedem empfehlen möchte, der sich ganz auf eine Geschichte einlassen kann und möchte.

