Leser-Rezensionen zu „Das größere Glück” von Richard Powers
Rezension verfasst vor 4 Monaten (6)
Das Buch handelt über die Jagd nach dem Glück. Eine junge Frau, aus Algerien, geflüchtet vom Bürgerkrieg ist als Studentin in Amerika und nimmt an einem Schreibseminar teil. Komisch an der Frau ist, dass sie ohne Grund immer glücklich ist und das schöne in allem sieht. Ihr Seminarleiter findet ihre Ausstrahlung irgendwie merkwürdig und erwähnt vor einem Polizisten (nach dem unsere Algeriererin eine Vergewaltigung entgeht die ihr nichts auszumachen scheint) dass sie angeblich das Glücks-Gen hat. Leider geraten dann alle möglichen Leute darauf was wohl mit der jungen Frau sein könnte, gleichzeitig versuchen der Seminarleiter und die Psychologin die junge Frau zu schützen, was nicht recht gelingt. Der Geschäftsführer einer Biotech-Firma untersucht diese junge Frau und in der Tat, sie hat das Resultat der Genom-Analyse bestätigt, dass sie emotional stabil ist. Nach diversen hick-hack will die junge Frau ihre Eizellen verkaufen um ihren Bruder in Algerien zu helfe. Doch durch diesen Tohuwabohu bricht sie schließlich zusammen.
Also die Geschichte fand ich von der Idee ganz gut aber zu verworren. Teilweise wusste ich nicht mehr wo ich eigentlich bin, warum die Frau so ist. Es ist eigentlich vom wissenschaftlichen her sehr gut beschrieben aber doch zu abgehoben. Daher nur 3 Sterne…
Rezension verfasst vor 5 Monaten (7)
Mit "das größere Glück", im Original "Generosity", ist Richard Powers ein Buch gelungen, wie es nur wenige gibt. Ein Buch, dessen letzte 50 oder 70 Seiten ich atmelos und mitHerzklopfen vor lauter Angst vor dem Ende gelesen habe und dessen Ende mich ebenso aufgewühlt wie traurig zurückgelassen hat.
Das Buch hat ein schwieriges, kontroverses Thema: Genetik, Möglichkeiten, Gefahren und die Verantwortung der Forschung. Im Mittelpunkt stehen zwei sehr unterschiedliche Hauptfiguren: Einmal der regelrecht verzagte und resignierte Lektor und eher zufällige Lehrer eines Abendkurs am Colleges, einmal eine seine Schülerinnen, die eine besondere Disposition zum Glücklichsein zu haben scheint, die trotz ihres schweren bisherigen Schicksals und ihrer traurigen Familiengeschichte alle mit ihrer Zufriedenheit und guten Laune ansteckt. Russell ist sofort fasziniert von der jungen Frau und auch schnell besorgt, so dass er sich mit dem Thema des Glücks befasst und schließlich eine Lawine der Medienaufmerksamt lostritt, die ihn ebenso wie die Studentin unter sich zu begraben droht.
Richard Powers hat auch in seinen bisherigen Büchern immer einen wissenschaftlichen Blickwinkel auf seine Figuren eingenommen, aber während ich z.b. in "Schattenflucht" teilweise Probleme hatte, den Details zu folgen, ist "Das größere Glück" auch in den wissenschaftlichen Erläuterungen zum Thema Genetik jederzeit nachvollziehbar und verständlich. Zudem sind alle Charaktere sehr glaubwürdig geschildert, die gut 400 Seiten sind durchgängig fesselnd und Powers' Sprache einfach wunderbar. Er schafft Sätze, die man immer wieder lesen möchte und die dennoch nie von der Geschichte ablenken. Dadurch konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen und habe es an einem einzigen Tag ausgelesen, immer gespannt wie es weitergeht und schließlich fassungslos über das Ende, das erschreckend aber überaus passend ist, realistisch und doch ein bißchen fantastisch ist.
Damit ist "Das größere Glück" ein Buch, das so rundherum gelungen ist, dass 5 Sterne lange nicht ausreichen. Ein Buch, dass ich schier jedem empfehlen möchte, der sich ganz auf eine Geschichte einlassen kann und möchte.
Rezension verfasst vor 9 Monaten (8)
Wollte das Buch erst nicht lesen! Genetik...Bin nicht so der Wissenschaftler. "Klang der Zeit" und "Echo der Erinnerung" waren aber große Romane! Also doch: Angefangen und konnte nicht mehr aufhören. Powers erschafft Figuren die mich verfolgen, er diskutiert ethische Fragen, ohne einfache Antworten zu geben. Ein Buch das nachwirkt....
Rezension verfasst vor 2 Jahren (26)
C3-16f: Der Jackpot des Glücks
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Glück, ein äußerst vielschichtiger Begriff, dessen wahrgenommene Existenz entscheidend von den Augen seines Betrachters abhängig ist. "Wahres Glück besteht angeblich darin, aus dem eigenen Selbst herauszutreten; aber das allein reicht nicht, denn man muss draußen bleiben, und um dies zu schaffen, braucht man eine Aufgabe, die einen ganz in Anspruch nimmt." Diese klugen Worte schrieb der amerikanische Schriftsteller Henry James in seinem frühen Werk "Roderick Hudson". Nun tritt der amerikanische Schriftsteller Richard Powers aus dem eigenen Selbst heraus, um einen unverstellten Blick auf diesen fest verankerten Bestandteil im Leben der Menschheit zu werfen.
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Gerade in unserer heutigen Leistungsgesellschaft nimmt das subjektive Glücksstreben einen immer höheren Stellenwert für den Einzelnen ein. Als originäres individuelles Freiheitsrecht hat es sogar Eingang in das Gründungsdokument der ersten neuzeitlichen Demokratie, in die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, gefunden (Pursuit of Happiness). Dessen Förderung ist vielfältiger Gegenstand von Forschung und Beratung unter soziologischen, philosophischen, psychotherapeutischen und neurobiologischen Gesichtspunkten. So meinte man zum Beispiel nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms auch dem Glücksgen auf dem 17. Chromosom auf die Spur gekommen zu sein, das dort durch Beeinflussung des Serotonin- und Dopamintransports im Gehirn den Träger vor Stress und Depressionen schützt. Fortan, so die Schlagzeile, sei es ein Leichtes, allzeit gesunde und glückliche Menschen zu "erzeugen". Zwar konnte sich diese Behauptung nicht manifestieren, aber Powers, gelernter Physiker und Informatiker, verarbeitet diese wissenschaftlich Entdeckung in seinem jüngsten, äußerst komplexen Roman.
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Der Autor siedelt die Handlung in einer nicht näher definierten Zukunft in Chicago oder eher einem Parallel-Chicago an. "Dieses Chicago ist Chicagos Retortenbaby, genetisch verändert, um flexibler zu sein", erklärt er selbst in seinem Buch.
Im Mittelpunkt des über 400 Seiten starken Plots steht Thassadit Amzwar, eine junge Berberin aus Algerien und Studentin am Mesquakie College. Trotz tragischer persönlicher Schicksalsschläge ist sie eine durch und durch fröhliche, lebensbejahende junge Frau. "Zehn Jahre eines organisierten Blutbads haben ein Land von der Größe Westeuropas auf einen wandelnden Leichnam reduziert. Und Thassa ist aus diesem Land hervorgegangen, als wäre sie eine glückselige Mystikerin. (...) Ihre Heiterkeit gleicht einem Tanz. Dieses Etwas, das sie an sich hat, verschlägt ihm die Sprache. Glückliche Menschen müssen etwas kennen, das niemand anderer kennt. Irgendein Geheimnis des Lebendigseins, hart erarbeitet und rätselhaft, fast außer Reichweite." Durch ihre fast unheimliche Zufriedenheit und intensive Glücksausstrahlung fällt sie Russell Stone, ihrem Dozenten für kreatives Schreiben, auf. Fasziniert von ihrer Persönlichkeit, gleichzeitig jedoch beunruhigt von ihrem ansteckenden Frohsinns, tippt er auf eine Krankheit: Hyperthymie.
Stone zieht die am gleichen College beschäftigte Psychologin Candace Weld zu Rate. Dabei kommen sich beide näher. Gleichzeitig entwickeln beide zu Thassadit ein tief freundschaftliches, ja beinahe elterliches Verhältnis.
Doch das angeborene Stimmungshoch der Berberin dringt an die Öffentlichkeit und löst einen unglaublichen Medienhype aus. Sie wird in Talkshows herumgereicht und Forschungsgegenstand des Stargenetikers Dr. Thomas Kurton.
Langsam verwandelt sich das große Glück in ein zunehmendes Unglück.
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Erneut wartet Powers mit einem raffinierten, doppelbödigen Plot auf ("Wenn man zu wissen glaubt, was man sieht, sollte man noch einmal genauer hinschauen."), der auf mehreren Ebenen agiert und in den er verschieden stark kontrastierende Handlungsfäden einwebt. So offenbart die alles überspannende Rahmenhandlung das Aufzeigen des nicht immer einfachen Weges eines Schriftstellers von der Idee bis zur Fertigstellung seines Romans, sein ständiges Ringen, seine Zweifel, aber und vor allem auch die Einsamkeit , die über allem liegt. Powers gibt diesen Part einem namenlosen Ich-Erzähler, der vor allem zu Beginn und am Ende des Romans als Art Figurenerfinder eingesetzt wird. Im Mittelteil des Buches hält sich dieser fast gänzlich aus dem Geschehen heraus und kehrt nur gelegentlich als "Wirklichkeitsinformant" zurück
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Den größten Teil der Handlung nimmt die teilweise sehr konträre Dialogführung von Wissenschaft und Literatur ein. Powers stellt die beiden Lager gegenüber und versucht immer wieder die Frage zu beantworten, wessen Sichtweise die Wirklichkeit genauer erfasst. "Ja, da gibt es eine gewisse Feindseligkeit", meint er in einem Interview. "Aber ich war schon immer amüsiert und auch erstaunt darüber, dass Literatur und Wissenschaft als zwei derart voneinander getrennte Welten gesehen werden. Literatur untersucht, wer wir sind und wo wir sind. Aber ich kann mir niemanden vorstellen, der leugnet, dass auch Wissenschaften (...) an den Antworten auf diese Fragen beteiligt sind."
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Entstanden ist ein äußerst intellektuelles Buch, das mit einer detailversessenen und überbordenden Fülle fachspezifischer Kenntnisse aus dem Bereich der Genetik und Biotechnologie aufwartet. Kurze, beinahe wie aus einem Blog gerissene Satzsequenzen wechseln sich mit längeren, beschreibenden Abschnitten ab. Die Sprache ist geschliffen und kraftvoll, jedoch relativ kühl und distanziert. Aber gerade dadurch wird die scharfsinnige Sezierung des Gesellschaftszustandes verstärkt. Denn, so Powers in seinem Roman, "wir glauben aufgrund unserer Beschaffenheit, dass uns die Dinge, die wir haben wollen, glücklich machen werden. Aber wir sind auch so beschaffen, dass das Glück der Wunscherfüllung nur von sehr kurzer Dauer ist. Sobald wir haben, sehnen wir uns nach dem Glück des Wünschens zurück." Doch "Glück ist keine Belohnung für Tugend: Das Glück ist die Tugend.", lässt und die Erzählerstimme aus diesem klugen Roman wissen.
Rezension verfasst vor 2 Jahren (14)
Ein enttäuschendes Geschenk
Man raschelt daran und rüttelt und horcht und im Prinzip, ist es, solang es da ungelesen oder angefangen auf dem Nachtisch liegt ein bisschen so, als würde man den ganzen Mittag des Heiligen Abends vor seinen Geschenken sitzen ohne sie aufmachen zu dürfen. Denn wer Powers kennt, der weiß: Das Entscheidende verbirgt sich am Schluss, unter all dem bunten Papier.
Und so ist es auch bei "Das größere Glück".
Wir lernen zuerst einmal Russel Stone kennen, einen ängstlichen, geknickten Zeitgenossen, um nicht zu sagen ein gebranntes Kind seiner Zeit. Anfang dreißig, fühlt er sich schon viel älter. Man merkt, dass er nicht mehr wirklich viel vom Leben erwartet und auch nicht richtig daran glaubt, als in seinem Unterricht für freies Schreiben auf einmal Thassa auftaucht, das Glück auf zwei Beinen. Sie geht anders, redet anders und lacht anders als der unglücklichere Teil der Welt, also eigentlich der ganze Rest und versetzt jeden, der ihr ein wenig Aufmerksamkeit schenkt in einen eigenartigen Zustand der sanften Euphorie. Doch während ihre Mitstudenten und Russell ihre Freunde werden und sie als ein Geschenk betrachten, geben sich andere nicht damit zufrieden. Eine Ereigniskette sorgt dafür, dass Thassa erst von der Wissenschaft und dann vom Fernsehen entdeckt wird und schließlich von der gnadenlosesten und vielfältigsten Instanz überhaupt: Der Öffentlichkeit. Innerhalb kürzester Zeit wird sie zur Zielscheibe verschiedenster menschlicher Emotionen und Entartungen und langsam beginnt ihr Fundament zu bröckeln und man begreift, dass auch die glücklichsten Menschen Dinge brauchen, die kein Gen ihnen mitgeben kann.
Richard Powers ist einer der besten Erzähler der Gegenwart, das hat er mit seinem "Klang der Zeit" damals bewiesen. Doch um immer der beste zu sein, muss man auch Konstanz zeigen und leider, leider unterbricht er die hier ein wenig. Ich denke, dass er schon wesentlich besser war. Die Figuren im Roman wirken auf mich weniger lebendig und sind mir weniger greifbar, der Plot an sich weit weniger packend. Ich habe mich vor allem die ersten zwei Kapitel (das Buch hat 5) gefragt, worauf Powers denn überhaupt hinauswill und was er zu konstruieren versucht, denn genau so wirkt der Roman einfach einen Tacken zu stark: Konstruiert. Für mich ist vor allem die Protagonistin Thassa überhaupt keine glaubwürdige Figur, und das nicht etwa, weil sie dauerhaft glücklich ist, sondern weil die tatsächlichen Auftritte, die sie im Buch hat, keine rechte Person ergeben. Erst zum Schluss wird sie mir - absurderweise durch einen versuchten Selbstmord- ein wenig lebendiger, man erfährt etwas davon, was in ihr vorgeht und nicht wie sie nach außen hin wirkt.
Ein ganz klein wenig für Mangelndes im Buch entschädigt natürlich das Power'sche Ende. Glück, menschliche Beschaffenheit, Wissenschaft und das Schreiben sind die roten Fäden, die er, wie es auch im Buch heißt, am Ende nicht zusammenführt, sondern vielmehr die Knoten in ihnen löst, die die Geschichte hineingesponnen hat.
Ganz recht, weiß ich immer noch nicht, wo dieses Buch einzuordnen ist, aber 5 Sterne hat es nicht ganz verdient.
Rezension verfasst vor 2 Jahren (29)
Eine literarische Sternstunde
Der Titel von Richard Powers neuem Roman, „Das größere Glück“, ist symptomatisch für den Zustand des Lesers bei der Lektüre dieses Buches.
Ein bewusst aktiver allwissender Erzähler beginnt die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der am Weg zu seiner ersten Unterrichtsstunde an einem College in Chicago ist. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass der Erzähler dieses Romans eine ganz besondere Funktion hat, die weit über das Erzählen per se hinausgeht.
In Russell Stones Klasse findet sich auch die junge Berberin Thassadit Amzwar ein, die sehr bald Dank ihrer Ausstrahlung von ihren Kameraden nur mehr Miss Generosity genannt wird. Ihre sonnige und strahlende Persönlichkeit scheint trotz ihrer harten Vergangenheit im Algerienkrieg und dem Verlust ihrer Eltern keine Traurigkeit zu kennen. Nicht nur das ist auffallend, sondern auch der Umstand, dass jeder, der mit Thassadit Amzwar in Berührung kommt von ihrer Stimmung angesteckt wird.
Russell Stone beginnt sich um seine ungewöhnliche Studentin Sorgen zu machen und konsultiert eine psychologische Beraterin, Candance Weld. Eine erste auf Vermutungen und Beobachtungen basierende Diagnose scheint in Richtung Hyperthymie zu deuten. Während sich zwischen Stone und Weld langsam eine Beziehung anbahnt, wird Thassadit Amzwar nach einem Durchsickern der Information über die vermeintliche Diagnose zum Objekt der medialen und wissenschaftlichen Begierde.
Richard Powers führt zu diesem Zweck den Wissenschaftler Thomas Kurton ein, der sich mit der Idee beschäftigt, in Zukunft die Gene der Kinder manipulieren zu können, um unangenehme Seiten rechtzeitig entsorgen zu können. Sein Ziel, eine glückliche Menschheit ohne genetische Defekte. Sein Weg ist schmierig und mit allen Mitteln.
Eine weitere Protagonistin, die mit Verlauf des Romans immer größere Wichtigkeit erhält, ist Tonia Schiff, quasi Amerikas heißestes Eisen in der wissenschaftlichen Fernsehbranche.
Thassadit Amzwar ist nun die Gejagte, die eigentlich nur ihr Leben zurückhaben möchte. In einem Akt der Verzweiflung, erlaubt sie ein Aufeinandertreffen mit Thomas Kurton in Oonas Talkshow, „der wichtigsten Talkshow Amerikas“. Durch den durch Manipulation erreichten Zustand des Publikums wird ihr Auftritt zu einer Art Skandal.
Mehr möchte ich über die Handlung nicht verraten, da ich sonst zu viel von dem verraten würde, was der Leser auf seinem Weg selbst entdecken muss.
Beeindruckend ist die von Richard Powers geschaffene literarische Welt, die eine ganz eigenartige Verbindung von Wissenschaft und Fiktion als Ausgangspunkt hat. Eine sehr intellektuelle Art der Fiktion, die, wenn man sich daran gewöhnt, subtil berührt.
Was in „Das größere Glück“ aber das Tüpfelchen auf dem „i“ ist, ist die Erzählstruktur. „Das größere Glück“ ist nämlich auch ein Roman über das Schreiben. Immer wieder greift der Erzähler, der nicht unbedingt der Autor ist, ein, verschiebt die zeitliche Wahrnehmung und Abfolge, stellt einen Protagonisten in Manier einer Spielfigur zur Seite und verstärkt so auch das fast surreal albtraumhafte Gefühl der permanenten Manipulation. Dieser Erzähler vermittelt auch von Zeit zu Zeit da Gefühl, selbst nicht zu wissen, was eigentlich jetzt passieren wird, bzw. in welche Richtung er die Geschichte weiterentwickeln wird. Ob passiv oder aktive Teilnahme; Richard Powers lässt da immer wieder einen schönen Spielraum frei. Davon abgesehen erzählt der Roman eine zärtlich leidenschaftliche Liebesgeschichte und führt in einer rasant spannenden Koda auf ein so unerwartetes Ende zu, dass man das Buch sprachlos zuklappt.
Auch wenn dieses Ende vielleicht ein sehr bewusster gesetzter literarischer Zaubertrick ist, so ist das doch der Punkt, der diesem grandiosen Roman die letzte Stufe zur literarischen Sternstunde öffnet. „Das größere Glück“ ist ein in jeder Hinsicht riesiges Glück für den Leser, eines der absolut besten Bücher der letzten Jahre.






