Mit "Das Geld war schmutzig" liegt beim Zsolnay-Verlag nun auch der letzte Parker-Roman aus der Feder des am Silvestertag 2008 an einem Herzinfakt verstorbenen Schriftstellers Donald E. Westlake vor. Unter dem Pseudonym Richard Stark verfasst, hat die Reihe um den eisenharten Berufskriminellen das Genre des Krimi-Noir seit dessen ersten Auftritt im Jahre 1962 stark und maßgeblich beeinflusst. Kein Wunder also, dass Westlake in seiner langjährigen Karriere gleich dreimal den renommierten Edgar Award entgegen nehmen durfte, die größte Auszeichnung in der Welt der Kriminalliteratur.
Vom deutschen Buchmarkt waren seine Werke jedoch trotz dieser hohen Weihen lange verschwunden, bis man bei Zsolnay mit "Fragen Sie den Papagei", dem mittlerweile 23. Band der Reihe, ein Comeback in Angriff genommen hat, das man durchaus als erfolgreich bezeichnen darf. Das Buch wurde sogleich mit dem Deutschen Krimipreis für den besten internationalen Titel gekürt, wenngleich die Wahl des veröffentlichten Titels im Nachhinein wohl ein wenig vorschnell erfolgt ist, handelt es sich bei ihm doch um den mittleren Teil einer Trilogie innerhalb der Serie. (1. "Keiner rennt für immer", 2. "Fragen Sie den Papagei", 3. "Das Geld war schmutzig") Alle drei folgen einem zentralen Handlungsstrang, dem Überfall auf einen Banktransport, sind aber in sich selbst abgeschlossen. Das dass Lektürevergnügen dennoch ein größeres ist, wenn man mit dem ersten Band anfängt, musste ich gleich zu Beginn dieses Buches erfahren. Obwohl "Das Geld war schmutzig" zeitlich direkt nach "Fragen Sie den Papagei" ansetzt, nimmt das Werk in hohem Maße Bezug auf den Beginn der Trilogie, was eine gewisse Verwirrung bei mir zur Folge hatte. Diese währte jedoch nur kurz, denn Stark hat, nach dem Vorbild der klassischen Samstagnachmittagserien, erneut eine knappe, aber packende Handlung auf Papier gebracht. Diese sei hier schnell angerissen:
Viel, sehr viel Geld hat Parker bei seinem letzten Überfall zurücklassen müssen, weil ihm die Polizei auf den Fersen war. Nun will er es holen. Als Touristen getarnt, die den herbstlichen Laubwald Neuenglands bewundern, logieren er und seine Freundin Claire in der Nähe der verlassenen Kirche, wo die Millionen versteckt sind. Aber in der Zwischenzeit ist Dalesia, einer von Parkers Komplizen, geschnappt worden und dann ausgebrochen, weshalb es in der Gegend von Polizisten wimmelt. Ein Phantombild Parkers hängt überall aus, und eine Kopfgeldjägerin möchte sich ihrerseits eine Prämie verdienen. Es bleibt Parker nichts anderes übrig, als sich ihrer Dienste zu bedienen. Keine schlechte Wahl, erweist sie sich als fast ebenso kaltblütig und gerissen wie er...
"Es ist der letzte Parker". Dieser Satz ging mir gleich mehrmals während der Lektüre dieses Buches durch den Kopf, das sich stilistisch kaum von den ersten Bänden aus den 60er Jahren zu unterscheiden scheint (Wer "Payback" gelesen oder gesehen hat, versteht was ich meine). Stark ist sich selbst treu geblieben und hat mit all seiner Routine eine gelungene Gaunergeschichte auf Papier gebracht, die aus unvorhersehbaren Wendungen ihre Spannung bezieht und trotz mehrerer Handlungsfäden gut zu überblicken ist. Immer wieder tauchen neue Hürden vor Parker auf, der diese geschickt zu umgehen versteht und Polizei sowie rivalisierenden Verbrechern stets aufs Neue ein Schnippchen schlägt. Seine Stärke ist die Improvisation, für die ihn der Leser bewundert und aufgrund derer man auch letztendlich hofft, er möge mit seinem Coup Erfolg haben. Sympathie dagegen kann man für diesen kalten, berechnenden Mensch nicht empfinden, denn er ist kein Held, will auch keiner sein. ("Bringen Sie niemanden um, wenn Sie nicht müssen"; "Ich glaube, ich muss")
Auf große Innenbetrachtungen der Figuren verzichtet Stark auch diesmal gänzlich. Sie wären in dieser Geschichte auch gänzlich überflüssig, lebt sie doch vom Minimalismus der Sprache, der den Leser zum Beobachter verdammt. Es ist halt ein Krimi-Noir reinsten Wassers, der mit knapper, kraftvoller und doch nie übermäßig brutaler Sprache zu fesseln weiß und uns am Schluss ohne wirkliche Lösung zurücklässt. Ein offenes Ende und wohl gerade deswegen ein passender Abgang für Parker.
Insgesamt ist "Das Geld war schmutzig" ein kurzweiliges Stück Literatur, das dank schnörkelloser, lakonisch-trockener Sprache gefällt und allen Freunden dieses Genres bedenkenlos ans Herz gelegt werden kann. Ein stilvolles Ende einer großartigen Reihe.