Der Inhalt:
Man kann sagen- Das Buch fängt mit dem Ende an. Denn schon im ersten Kapitel erzählt der Rob, dass er gerade an dem Buch "Love is a mixtape" schreibt, und dabei an seine verstorbene Frau Renée (um die sich das Buch dreht) denkt.
Renée, eine Punkgöre, bei der Robs Chancen damals eigentlich bei Null lagen. Er war ein langweiliger, zurückhaltender Typ, der sich die ganze Zeit mit Musik beschäftigte und wenig Freunde hatte. Renée dagegen war beliebt, laut und aufgeschlossen. Trotzdem verliebten sich die beiden ineinander, gingen zusammen auf Konzerte, hörten Nächte lang Mixtapes und verliebten sich zusammen im Musikstücke.
Die beiden heirateten sehr früh, was Rob anfangs gar nicht gefiel, denn er hatte Angst. Angst als Ehemann zu versagen. Angst es Renée nicht in allem recht machen zu können und Angst ihr kein schönes Leben bieten zu können. Er lebte die ganze Zeit mit dieser Angst, und doch hatte er mit Renée die schönste Zeit seines Lebens. Sie zogen zusammen in eine kleine, schäbige Wohnung, kauften sich einen Hund und fuhren tagelang mit ihrem Auto durch die Gegend. Nichts spannendes passiert und doch ist es für sie die wunderbarste Zeit der Welt.
Ihr ganzes Leben dreht sich dabei um die Musik. Beide haben schlecht bezahlte Jobs, die sie hassen, doch sie verdienen sich nebenbei ein wenig Geld mit Musikkritiken.
Sie sind immerwieder auf der Suche nach neuer Musik und stöbern ständig in irgendwelchen Plattenläden herum. Sie erfreun sich selbst daran den schlechtesten Song der Welt auf einer Platte gefunden zu haben, die Hauptsache ist sie finden etwas neues.
Alles scheint perfekt zu sein. Die beiden haben eine- nicht ganz normale Beziehung, sind aber superglücklich und ergänzen sich perfekt. Man wird wirklich neidisch.
Doch dann kommt der Schock des ersten Kapitels, den man vor lauter Liebe zu Renée fast vergessen hat. Sie stirbt. Und das geht unglaublich schnell!
Renée näht gern. Sie näht alle ihre Kleider selbst und im ganzen Haus liegen Stoffe herum. Als sie gerade beim nähen sitzt und Rob ihr das Abendessen bringen will fällt sie einfach um. Rob alamiert den Notarzt, der sie sofort in den Krankenwagen befördert. Danach kommt die Ärztin und sagt ihm, dass sie erst näheres weiss, wenn die Autopsie gemacht wurde. Genau zu dem Zeitpunkt erfuhr Rob also, dass seine Frau gestorben war. Sie hatte eine Lungenembolie und war laut Arzt sofort tot. Niemand konnte es Vorahnen und selbst sie hatte vorher keine Beschwerden.
So viele Plätze, an die Rob jetzt- nach Renée's Tod nicht mehr gehen kann, weil es Stammplätze von ihnen waren. So viele Songs, die er sich nie wieder wird anhören können und vor allem so viele neue Songs, die Renée geliebt hätte. Sein Leben besteht nurnoch aus Trauer. Er hält es in der Wohnung kaum noch aus, weil ihn alles an die gemeinsame Zeit erinnert und nichts scheint mehr zu funktionieren.
Er beschliesst nach Jahren des Unglücks nach New York zu ziehen und neu anzufangen. Renée wird er zwar nie vergessen können- und das auch nicht wollen, aber mit jedem Schritt an die gemeinsame Zeit erinnert werden kann das ganze auch nicht besser machen.
Leseprobe:
Pavement waren kein bisschen so, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Sie waren ein Haufen scharfer Jungs, und sie wussten es. Sobald sie die Bühne betraten, konnte man buchstäblich hören, wie alle Mädchen im Publikum gleichzeitig ihren Eisprung bekamen. Sie standen zu fünft oder sechst dort oben, einige droschen auf ihre Gitarren ein, andere klatschten bloß in die Hände und sangen mit. Sie starrten nicht auf den Boden. Sie waren gekommen, um Lärm zu machen und Spaß zu haben. Sie hatten Verzerrer, Feedback und unironisch schöne Sha-la-la-Melodien. Der Bassist sah genauso aus wie Renées Freund aus der Highschool. Stephen Malkmus beugte sich über das Mikrofon, runzelte die Stirn und sang Texte wie: »I only really want you for your rock and roll.« Oder: »When I fuck you once it`s never enough/ When I fuck you two times it`s always too much.« Die Songs waren entweder schnell oder traurig, weil alle Songs entweder schnell oder traurig sein sollten. Manche der schnellen Songs waren auch traurig.
Hinterher taumelten wir in absolutem Schweigen zum Parkplatz. Als wir in den Wagen stiegen, erhob Renée traurig die Stimme: »Ich glaube nicht, dass die Feelies je wieder gut genug sein werden.«
Unser Freund Joe schickte uns ein Tape aus New York, die Kopie einer Kopie des Pavement-Albums Slanted and Enchanted. Renée und ich entschieden, dass dies unser absolutes All-Time-Lieblingstape war. Die Gitarren waren pures jungenhaftes Leiden und Beben. Die Texte waren witzig schlechte Lyrik, gesungen durch ein Drive-In-Burger-World-Mikro. Die Melodien atmeten Surfer-Gelassenheit vor einem Hintergrund aus Bandrauschen und rätselhaftem Verstärker-Fiepen. Dies war offensichtlich die großartigste Band überhaupt. Und sie hatten nicht vor zwanzig, zehn oder fünf Jahren gelebt. Sie passierten jetzt. Sie gehörten uns.
Fazit:
Ein super Buch! Der Vergleich mit High Fidelity von Nick Hornby passt perfekt und ist kein Stück zu hoch gegriffen. Nach wenigen Seiten verliebt man sich sofort in Renée und träumt davon, einen so unglaublich tollen Mann wie Rob gefunden zu haben. Zwischen den beiden stimmt einfach alles. Ihr Leben ist trotz Geldnöten und kleiner, alter Wohnung perfekt, denn sie haben sich und sie haben die Liebe zur Musik.
Eine Geschichte, die in ihrer Tragik nur vom Leben selbst geschrieben werden konnte. Man hat das Gefühl Renée persönlich gekannt zu haben. Die Gefühle von Rob sind in jedem Wort und jedem seiner Gedanken zu 100% nachvollziehbar. Man leidet fast mit ihm. Die Tatsache, dass Renée so plötzlich und ohne jede Vorahnung gestorben ist lässt einen hierbei nochmal richtig schlucken. So schnell kann es gehen...
Selbst wenn man wenig Ahnung von Musik- bzw von dieser Art von Musik hat wird man das Buch lieben. Oft dachte ich es wäre zu viel Insiderwissen. Viele der Songs, die er mit Lebensabschnitten oder Situationen verbunden hat kannte ich nicht, doch das ist alles nebensächlich und stört nur in diesem einen Moment, denn die Geschichte um die es eigentlich geht ist so herzzerreißend, so schön und am Ende doch so voller Schmerz, dass die Songauswahl dabei keine Rolle spielt.