Leser-Rezension zu „Schlafes Bruder” von Robert Schneider
am 30.08.2010
"Wer schläft, liebt nicht", zu dieser Ansicht gelangt Johannes Elias Alder im Alter von 22 Jahren und beginnt von nun an, nicht mehr zu schlafen, um zu beweisen, wie sehr er liebt..
Ein Buch, das zutiefst bewegt - das Leben des musisch hochbegabten Elias Alder, dessen Genie weder erkannt noch in irgendeiner Weise gefördert wird. Liebe und Fürsorge kennt er nicht. Elias war schon immer anders, und als er im Alter von fünf Jahren "das Universum tönen" hört und ein unglaubliches Hörerlebnis hat, verändert sich sein Körper, er reift frühzeitig, seine Augen verändern ihre Farbe, seine Stimme wird dunkler und er erhält Zugang zu Tönen und Geräuschen, von denen er bisher nichts geahnt hatte. Er wird zum Außenseiter, niemand möchte mit ihm zu tun haben, außer Peter, sein Cousin, und Elsbeth, seine Cousine. Elsbeth, deren Herzschlag er bereits vernommen hat, bevor sie das Licht der Welt erblickte und mit der ihn ein unsichtbares Band verbindet. Er entbrennt in tiefer Liebe zu ihr...
Elias ist immer auf der Suche nach akustischen Feinheiten, die Musik, die Orgel der Kirche und natürlich Elsbeth bestimmen sein Leben.
Doch Gott ist noch lange nicht fertig mit ihm und so stellen sich dem Wunderknaben jede Menge Hindernisse in den Weg, die es zu umgehen gilt. Elias hat es wahrlich nicht leicht und gespannt verfolgte ich seinen Weg durch sein kurzes Leben.
Die Sprache dieses Romans ist für heutige Zeiten ungewöhnlich, jedoch genau passend zu dieser Geschichte. Der Leser wird direkt angesprochen, ein Erzähler ist "Vermittler" der Lebensgeschichte von Johannes Elias Alder und die Darstellung der für mich wichtigsten Ereignisse - das Hörwunder und das Orgelfest - zogen mich zum Ort des Geschehens, liess mich die Orgel hören, ich nahm teil an der Faszination der Musik von Elias und an seinen Qualen, die er aufgrund seines besonderen Genies erdulden musste. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

