[...] Wäre das dann ich oder eine Kopie von mir? Und wenn es eine Kopie war, machte mich das dann auch zu einer Kopie einer anderen realeren Lia? War sie tot? Hatte der Mann recht, wenn er behauptete, ich wäre nur eine Maschine,der man eingeredet hatte, sie wäre ein Mensch? Doch wenn man mich hereingelegt hatte, wie konnte ich dann eine Maschine sein? Wie könnte ein Ding, das weder dachte noch eine Seele oder ein Bewusstsein hatte, an eine Lüge glauben, an irgendetwas glauben, warum sollte es überhaupt an ewas glauben wollen? [...]
Inhalt:
Lia Kahn hat alles was ein Mädchen will. Sie hat einen Freund, ist reich, beliebt und gibt den Ton bei ihrer Clique an. Bis sie einen Unfall hat, der eigentlich ihrer Schwester Zo hätte passieren sollen. Nach dem Unfall ist nichts mehr wie es war. Lia stirbt und wird danach wieder zum Leben erweckt, aber in einem toten Körper, einer Maschine und sie hat alles verloren, was ihr früher alles bedeutete und muss mit diesem neuen „Leben“ durch die Welt schreiten und einiges einstecken…
Meine Meinung:
Dieses Buch hat es in sich. Es ist eine dystopische Geschichte, aber in einer ganz anderen Form. Die Geschichte lässt uns in die Zukunft eintauchen, in dem es selbstfahrende Autos gibt, ein Network wo man all seine Erlebnisse speichert und auslebt, Kleidung die elektronisch ist und es gibt natürlich auch eine Einteilung der Menschen in arm und reich, dies wird in dem Buch mit einem „Bonus“ beschrieben. Die reichen haben einen hohen Bonus und die armen einen sehr geringen. Aber wir haben hier keine Widerstandsgeschichte, kein Ausbrechen aus der Gesellschaft erleben, sondern eine ganz andere Form die ethische Fragen aufwirft, nämlich den Ausweg aus dem Tod. Einen neuen Körper zu erhalten und für ewig zu leben. Eine Maschine zu werden.
Lias Vater hat Lia ein neues Leben gegeben, in einem perfekten Körper, einer Maschine. Lia kann damit zu Anfang absolut nicht umgehen und ihre Familie auch nicht. Die ersten Seiten werfen einen direkt in die „Gefühlswelt“ von Lia, wie sie in diesem Körper anfängt zu erwachen und wie sie Schritt für Schritt alles erlernen muss. Es ist ein wahnsinnig spannendes Thema. Die Menschen in dieser Zukunft können sozusagen Gott spielen, einen neuen Körper erschaffen und einem das ewigliche Leben sichern. Ist Lia nur eine Kopie ihrer selbst oder denkt sie wirklich oder wurde sie einfach nur programmiert zu denken?
Ich finde es sehr gelungen wie Frau Wassermann diesen inneren Konflikt von Lia beschreibt. Nicht nur dieser Konflikt ist wirklich gut durchdacht, auch gibt es noch die „Erleuchteten“ die diese Form des „Lebens“ als eine Art Gotteslästerung ansehen und Lia nur als kalte, programmierte Maschine ohne Seele sehen. Es entstehen in dem ganzen Buch sehr interessante Dialoge die den Zwiespalt der ganzen Situation abdecken. Dieses Buch isteine große Diskussion über das Leben. Es regt zum nachdenken über solche große ethische Fragen an. Es hat mich einfach sehr fasziniert.
Die Charaktere in diesem Buch haben mir sehr gefallen. Lia ist eine sehr authentische Person, die man besser kennenlernt und mit ihr eine gewisse Entwicklung durchlebt. Die Eltern allerdings bleiben leider etwas flach, aber sie spielen auch eher eine kleinere Rolle in diesem Buch.
Die Schwester Zo habe ich anfangs gehasst, aber man erfährt gegen Ende ihre Beweggründe und das hat mich mit ihr versöhnt. Auden ist ein sehr interessanter Charakter, den ich lieb gewonnen habe und Jude könnte in den Folgebänden sicher eine tragende Rolle bekommen.
Dann muss ich noch etwas zu dem Cover sagen. Ich finde es unheimlich hübsch und es passt sogar ein wenig zu dem Buch, wenn man in dem ersten Kapitel gelesen hat.
Eine absolut faszinierende Geschichte über ein Mädchen, dass tot ist und doch lebt. Die vieles verliert und doch weitermacht. Eine Geschichte voller ethischer Fragen und unheimlich tollen Gedanken und Dialogen die einfach zum Nachdenken animieren. Ich möchte definitiv mehr davon!