Wer träumt nicht davon, einmal aus der hektik zu entschwinden, alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen? Für die frisch verwitwerte Mel kommt das Angebot als Krankenschwester und Hebammme zu arbeiten, in dem kleinen Nest Virgin River, gerade recht. Doch als sie ersteinmal mitten in der verwilderten Pampa ankommt und ihr neuer Arbeitgeber eigentlich auch nicht von ihr begeistert ist, möchte Mel eigentlich nur zurück - doch gerade da findet sich ein Baby auf der Treppe zu ihrem Arbeitsplatz.
Virgin River ist eine kleine Stadt, hier kennt jeder jeden. Beim Lesen habe ich auch oft an die Waltons gedacht, manchmal aber auch an diese Sendung aus Kanada im ZDF (Wilde Rosen?). Die Landschaft ist natürlich traumhaft schön, das zeigt sich auch immer wieder beim Lesen. Barman Joey, der Mel die Umgebung zeigt, ist ein recht kerniger Typ und passt genau in diese Stadtbild. Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist, dass vieles wirklich sehr real geschildert wird. Hier hat eben auch nicht jeder Geld "für den Doktor" und bezahlt dann mal eben mit dem, was noch so im Haus ist.
Vom Schreibstil erinnert mich das Buch sehr an den von Nora Roberts, ein wenig melodramatisch, oft romantisch und dennoch locker flockig zu lesen. Wer die Reise nach Virgin River antritt, sollte dies am Besten bei einem schönen Gläschen Wein im abendlichen Sonnenuntergang tun. Das Cover ist sehr schön gewählt, wenngleich mir die Cover des Originals noch ein wenig besser gefallen.
Mir gefällt bei dieser Serie, dass es eine kleine Stadt gibt, mitten im Nichts, voller Idylle oder eben auch nicht und dass immer wieder neue Figuren auftauchen. Etwas so, wie bei Kerstin Gier und ihrer Insektensiedlung, dabei hoffe ich aber, dass es nicht so endet wie bei Lara Adrian oder Suzanne Brockmann, bei der eine Person pro Buch abgehandelt wird, das wäre auch dauer sicherlich langweilig. Hier ist es mit Sicherheit die Landschaft die den Leser zum Kauf animieren wird.
Die Charaktere sind gut dargestellt und alle ein wenig anders, auch wenn es nach der gefühlten Mitte des Buches einen Wechsel der Schauplätze gibt, besonders wenn die beiden neuen Freundinnen auftauchen, die Mel weiterhin begleiten.
Neubeginn in Virgin River ist auf jeden Fall ein Buch, an dem ein mancher länger lesen wird, als nur mal eben an einem Nachmittag, dafür sind 433 Seiten dann manchmal doch mehr, als nur bummelige 200.
Ich kann an dieser Stelle sagen, ich freue mich auf ein Wiedersehen mit und in Virgin River.