Leser-Rezension zu „Die besten zehn Sekunden meines Lebens” von Roger Schmelzer
am 29.08.2010
Schon die Leseprobe zu diesem Buch hat mich überzeugt, nachdem ich mir - von der Inhaltsangabe ausgehend - nicht viel erhofft habe. Roger Schmelzer erzählt die lebensnahe Geschichte eines sechzehnjährigen, übergewichtigen Schülers, der sich durch den Schulalltag rettet, indem er Witze über sich selbst erzählt, bevor andere es tun können. Als sein Freund ihm anbietet, mit ihm Sport zu treiben, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Chris: Er könnte dünn sein, gelenkig und bei allen gut ankommen - klasse. Aber natürlich ist Sport der Albtraum des Übergewichtigen, weshalb Chris das Angebot ausschlägt. Zu dumm, dass kurz darauf ein Mädchen in seine Klasse kommt, von dem er sich mehr als angezogen fühlt. Hätte er das Angebot seines Freundes vielleicht doch lieber annehmen sollen? Von diesen Situationen wird es noch einige für Chris geben und jedesmal ärgert er sich, fragt sich: "Was hätte ich besser machen können?"
Und nun überlege mal einmal, jemand würde wirklich diese Chance bekommen - was würde er anders machen und würde er es letztendlich schaffen, sein Leben wieder genauso zu verkorksen?
Zuviel will ich an dieser Stelle nicht verraten, außer, dass "Die 10 besten Sekunden" ein originelles Buch ist, das zu überraschen weiß. DIe Handlung geht nämlich irgendwann nicht mehr so weiter, wie man normalerweise vermuten würde.
Viele der beschriebenen Situationen finde ich sehr komisch und die Art, wie der Autor sie beschreibt, ist wirklich lustig. Er schafft es, immer wieder Witze in seine Erzählung einzubauen, das Buch aber trotzdem nicht albern werden zu lassen. Die Erzählungen aus dem Schulalltag erinnerten mich teilweise ein wenig an meine eigene Schulzeit, was mir besonders gefällt, denn so kann man das Beschriebene vielleicht noch besser nachvollziehen.
Durch Schmelzers einfachen, gut lesbaren Schreibstil konnte ich das Buch in einem Rutsch durchlesen und der gute Humor trug dazu bei, dass ich auch gar nicht mit dem Lesen aufhören wollte. Ein wirklich angenehm anderes Buch, das eine Geschichte wie aus dem richtigen Leben erzählt und dabei ziemlich gut unterhält. Ich fand kein einziges Kapitel dieses Buches langweilig, sondern habe Seite für Seite mit Chris mitgefiebert.
Wer ein lebensnahes Buch mit ein wenig Gesellschaftskritik ("Wie sollte ich mein Leben leben, um hinterher nicht unzufrieden zu sein?"), wie Humor und einer großen Überraschung zur Mitte hin sucht, kann ruhig zu "Die zehn besten Sekunden meines Lebens greifen". Vor allem der humoristische Teil ist sehr gut gelungen, die Geschcihte dennoch nicht so oberflächlich. Ich fand es klasse.

