A180 Blutiges Erwachen von Roger Smith Kategorie. Allgemein
Blutiges Erwachen
von Roger Smith, Jürgen Bürger (Übers.), Peter Torberg (Übers.)
ISBN 9783608502060, Fester Einband, 360 Seiten, aus der Reihe 1., Aufl., Krimi & Thriller, erschienen am 01.02.2010 bei Tropen
Schlachteplatte! Es ist angerichtet! Kommt, kommt alle, es ist reichlich da für alle!
Blut und Gedärm, Vergewaltigung, Prostitution, Drogen, Korruption, Bestechung, Messer, Kanonen, Mord und Tod, Geschlitze was das Zeug hält und die Klinge hergibt.
Wenn dein Herzschlag sich beschleunigt und die Seiten nicht schnell genug gelesen sind, dein Puls sich überschlägt, du den Geruch von Fliegen über Kadavern, von Sperma, geronnenem Blut und chemischem Drogengemisch förmlich witterst, die Drecksbrühe wabert, wenn dich der Ekel packt, wenn gekotzt, gefickt, vergewaltigt wird und Körper ausgeweidet werden, wenn du nur angewidert den Kopf schütteln möchtest, dann bist du mittendrin im Blutigen Erwachen. Die Gangs der Flats, die 28er und die 26er, die bepisste Polizei, die die "Straßenreinigung", den Krieg der Gangs sich selbst überlässt. Wenn sich in Krankenhäusern, in den Vorgärten, den Parks und den Tik-Häusern die herabgekommensten Kreaturen winselnd in ihren Ausscheidungen suhlen, dann ist das das Leben in den Cape Flats von Kapstadt, wie es Roger Smith eindringlich schildert. Der Leser ist fasziniert vom widerlichen Geschehen und möchte sich abwenden, kann nicht fassen, was da geschrieben steht. Kann nicht glauben, dass es solche Wesen gibt, die sich im Suff oder von Chemiedrogen zugedröhnt den niedrigsten Auswucherungen des Menschseins hingeben, skrupellos, das Hirn weggekifft.. Das Leben ist ein riesiger Haufen Scheiße. Dort.
Und als Ziel? Blut, Kampf, Überleben. Überleben im Nichts, man selbst als Nichts, vielleicht in Pollsmore. Im Knast, lebenslang.
Piper, Disco de Lilly, Billy Barbie Afrika, Joe und Roxy Roxanne Palmer, Manson mit seiner heißen Tochter, der picklige Maggott, sein Sohn Robbie, Barbara Andrews, Smiley und Teeth, die Hure Olga, die eigentlich Tatjana heißt, die Obdachlose. Und egal welchen Namen sie tragen, die Protagonisten des Romans, am Ende bleibt nur Blut, klebriges Blut und die Fliegen, die sich in der heißen Sonne am Tafelberg über menschliche Überreste hermachen.
Ein großes Buch. Erschütternd, klar, Ekel erregend, widerlich. Es ist eine Kunst, diese Gefühle so zu verpacken, dass der Leser dennoch die Spannung spürt und das Verlangen hat, dicht dran zu sein, zu verstehen, dahinter zu kommen, was die Handelnden antreibt. Sei es der Drogen-Irrsinn, seien es die Bandenkriege, seien es korrupte Bullen oder die pubertierende junge Dame, die geil ist auf die Aufmerksamkeit, die sie sich von ihrem ersten Fick mit einem angesehenen Dreckskerl verspricht.
Er ist nah dran, der Roger Smith. Gewisse Schamgrenzen überschreitet er und wenn die Galle gespien wird, hat man große Lust, ganz schnell die Füße weg zu ziehen, damit man nicht selbst besudelt wird.
Selten habe ich mich in einem Buch so unwohl gefühlt, zwischen all dem Abschaum der Menschlichkeit. Es ist da, das Gefühl, es wird transportiert, direkt serviert, vorgesetzt, hingerotzt. Man muss sich beim Lesen eines Buches nicht immer und unbedingt gut fühlen. Das ist bei diesem Thema auch nicht möglich. Die Umsetzung zählt und die ist exzellent.
Ein direkter Thriller, hart und kompromisslos, gezielt, gekonnt. Klasse - allem Ekel und Kopfschütteln zum Trotz.