Vorglühen - Nachglühen - Verglühen
“Those where the best days of my life” singt Brian Adams in seinem Hit “Summer of ‘69”. Und meint damit den Sommer in der er vom Jungen zum Mann wird. Den Schritt ins erwachsene Leben. Von diesem Zeitabschnitt erzählt auch das Buch “Der Sommer deines Lebens” von Ruth Gilligan. Wenn man der Autorin Glauben schenkt, dann haben irische Jugendliche nur Saufen und Sex im Sinn. Ein bisschen wenig um den Sommer des Lebens mit Sinn zu füllen!
Alex und Chloe leben als Kinder reicher Eltern im Dubliner Süden. Beide machen in diesem Jahr ihren Abschluss an der Schule und wollen im Herbst beginnen zu studieren. Vor ihnen liegt ein vielversprechender Sommer. Ohne Schule und Prüfungsstress. Doch bevor das große Vergnügen richtig beginnt, ereignet sich bereits die erste Katastrophe. Am Abend nach den letzten Prüfungen macht Alex mit seinem Freund Barry einen drauf. Beide fahren stark betrunken mit dem Auto nach Hause. Beide landen im Krankenhaus, aber nur Alex wacht am nächsten Morgen wieder auf. Chloe, Alex gleichaltrige Schwester, hat dagegen ganz andere Sorgen. Vom vielen Lernen im sitzen hat sie einige Kilo zu viel auf den Hüften findet sie. Und beginnt mit eiserner Disziplin abzunehmen. Doch es ist nicht allein Gewicht, das sie verliert. Freunde und Familie beginnen sich schon bald zu sorgen und werden von ihr gnadenlos belogen.
Dieser verheißungsvolle Plot erweist sich schon bald als lauwarme Sommerbrise. Leicht aber nicht wirklich erfrischend. Gilligans Figuren sind zu eindimensional, zu oberflächlich um wirklich interessant zu sein. Alex ist ein fauler, selbstverliebter Nichtsnutz, der nur Party, saufen und Mädchen flachlegen im Sinn hat. Das sein bester Freund Barry nach dem Unfall im Koma liegt, bereitet ihm nicht wirklich Sorgen. Der wird schon wieder aufwachen, er schläft ja nur. Die Autorin versucht zwar der Figur Tiefe zu geben. Aber einer Person hin und wieder einen vernünftigen Gedanken anzudichten reicht eben nicht, um eine Gestalt interessant zu machen.
Dasselbe gilt für Chloe. Das Abrutschen in die Essstörung ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Es gibt keinen erkennbaren Grund, weshalb die Jugendliche sich selbst so hassen sollte. Im Gegenteil. Durch Ihr liebevolles und intaktes Umfeld wird sie eigentlich täglich in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Auch hier mangelt es an Tiefe und Hintergrund, aus dem man den Schritt in die Bulimie verstehen könnte. Ehrlich gesagt wäre es glaubwürdiger, wenn die Autorin ihr ein Alkoholproblem beschert hätte.
Überhaupt der Alkohol. Seit den Büchern von Frank McCourt und einigen Filmen wie den “Commitments” oder “The Snapper” bin ich ja bereit zu glauben, dass “der Ire” an sich eine gewisse Affinität zum Alkohol hat. Aber das sämtliche Abschlussschüler eines Jahrganges nichts anderes als hirnlose Säufer sind, das geht mir dann doch zu weit. Seitenweise wird der Leser mit der detaillierten Beschreibung von Trinkgelagen und den darauf folgenden unappetitlichen Körperreaktionen gequält. Einfallslose Dialoge und sprachliche Mittelmäßigkeit komplettieren das enttäuschende Bild. Das verbale Mittelmaß mag der Jugend der Autorin oder einer ideenlosen Übersetzung geschuldet sein. Der kurze Satz: “Oh, okay” kommt jedenfalls zu häufig. Nebst anderen nichtssagenden Aussagen wie: “Sie brauchte ihn so sehr”, “Ich brauche dich so sehr”, “Er brauchte sie so sehr”.
Eines braucht man garantiert nicht. Eine plumpe und phantasielose Lektüre wie diese.