Rezension zu "Wimpern aus Gras" von Ruth Johanna Benrath

Neuer Beitrag

The iron butterfly

Vor 1 Jahr

(16)

"Wimpern aus Gras" von Ruth Johanna Benrath...erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven die Geschichte der zwanzigjährigen Anna, die sich immer mehr in sich zurückzieht und schließlich den Freitod sucht.
Zum einen erzählt Renate, genannt Rena, Annas beste Freundin. Rena und Anna waren seit ihrer Kindheit befreundet, aber seit den Studienzeiten haben sie sich immer mehr aus den Augen verloren, letzte Kontaktversuche per Weihnachtspost von Seiten Rena wurden barsch zurückgewiesen. Im Grunde war die Freundschaft im Alltag versickert.
Dann ist da der 39-jährige Reiko, Annas amerikanischer Ehemann und frischberufener Professor in der Krebsforschung. Anna und Reiko lernten sich rund ein Jahr vor Annas Tod auf der italienischen Insel Ponza kennen. Ihre Zuneigung entflammte nach einem romantischen Abend am Strand und für Reiko war spontan klar, dass Anna die Lücke an seiner Seite schließen sollte. Die Lücke, die der Tod seiner Frau Amy entstehen ließ. Nach einem weiteren Treffen in Deutschland bittet Reiko die schüchterne Anna um ihre Hand und sieht in Gedanken bereits das gemeinsame Baby im Garten auf einer Decke strampeln.
Annas Blickrichtung wird mittels Tagebucheinträgen und diversen Erinnerungsfragmenten erzählt. Ihre Kindheit unter der schützenden Hand der gläubigen "Granny", die zerrüttete Ehe ihrer Eltern, ein Bruder, der kaum in Erscheinung zu treten scheint. Anna wirkt extrem introvertiert und stark verunsichert durch alles Leben um sie herum. Der frühe Tod der Großmutter trägt dazu wesentlich bei. Jugendliche Späße, wie ein oben-ohne Sonnenbad von Rena verschüchtern Anna sichtlich.
Ohne Erfahrung und jegliche eigene Sehnsüchte, Anna ist noch ungeküsste Jungfrau, scheint sie sich dem erfahrenen Mann Reiko anzuvertrauen, ganz in der Hoffnung alles richtig zu machen. Aber alles kommt anders als geplant...
Benrath hat sich ein für mich absolut interessantes Thema ausgesucht, konnte mich aber schlussendlich mit ihrer Umsetzung nicht wirklich überzeugen. Ihr Erzählstil, der blitzlichtartig die Perspektiven wechselt, lag mir von Anfang an nicht besonders. Genausowenig habe ich echten Zugang zu den Protagonisten gefunden. Rena wirkt nicht wirklich ergriffen vom Tod ihrer "besten Freundin", ihre Aufarbeitung scheint aufgesetzt bemüht. Reiko, der als Professor über eine dementsprechende Bildung verfügen sollte, kommt bei mir nur hormonverblendet und extrem amerikanisert an. Als Mediziner sollte er frühzeitige Warnsignale einer tiefen Depressivität erkennen und fachkundigen Rat suchen. Hier steckt für mich keine Logik in Benraths Geschichte. Anna selbst ist ein kindlich unbeholfener Charakter, der mir zwar leid tat, jedoch für ein intensives Thema, wie Depression und religiöse Psychose reichlich eindimensional und statisch bleibt. Bei allen Dreien fehlen mir die emotionalen Ebenen. Schade, ich hatte mir wirklich mehr erhofft!

Autor: Ruth Johanna Benrath
Buch: Wimpern aus Gras
Neuer Beitrag