Rezension verfasst vor 2 Jahren
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"In der Misosuppe" klang mir beim Lesen immer wieder wie ein Synonym für "da sitzt aber einer ganz mächtig in der Scheiße" im Ohr.
Und Kenji, soviel wird bald schon klar, sitzt ganz mächtig in der Scheiße.
Kenjji, zwanzig Jahre alt, führt seine Kunden durch die Rotlichtbezirke Tokios. Es gehört zu seinem Job als "Dolmetscher" die Wünsche seiner Kunden in Einklang mit den Konditionen der Anbieter zu bringen. Dies tut er ohne jede spürbare Emotion, die Schicksale der, zum Teil sehr jungen, Mädchen berühren ihn nicht wirklich. Ihm geht es einzig darum den jeweils günstigsten Preis, die besten Bedingungen für seine Klientel zu erreichen.
Dann wird er von Frank für die nächsten drei Nächte gebucht. Was sich zunächst als ein ganz normaler Job zu entwickeln scheint, wird von Stunde zu Stunde für Kenjii immer undurchsichtiger. Er tut alles dafür Franks geäußerte Wünsche zu erfüllen, seltsam nur, das Frank nicht wirklich an deren Umsetzung interessiert ist. Außerdem registriert Kenjii, zunächst gewohnt teilnahmslos, dass Franks Geschichten vielfach schlicht erlogen, an den Haaren herbeigezogen sein müssen oder sich im Laufe eines Abends offensichtlich sogar widersprechen.
Nur ein scheinbarer Tick Franks, sein hin und wieder zu einer Fratze erstarrendes Gesicht, beunruhigt ihn ein wenig.
Endlich schrillen erste Alarmglocken bei Kenji, als nach der ersten Nacht, plötzlich Menschen ermordet aufgefunden werden, denen er und Frank in der Nacht zuvor begegnet sind.
Kann es sein das.....?
Eine furiose, irrwitzige Zeit mit Frank steht Kenji und dem Leser unmittelbar bevor.
"In der Misosuppe" von Ryu Murakami ist ein schillernder, sehr japanischer Roman aus der Welt der Rotlichtbezirke Tokios.
Der Leser dreht sich im Kreis und sieht die bunten Lichter und Reklamen in den Straßen vorüberziehen, er hört das Geschrei der Anreißer für Peepshows, Massagesalons und Bars in seinen Ohren dröhnen. Fremd tönendes Stimmengewirr, die Gerüche der Garküchen.... schnell wird klar, ohne Guide bist du hier wahrscheinlich wirklich verloren.
Murakami zeigt auch die dunklen Seiten auf, überlässt es aber dem Leser, ob er sich davon berühren lassen will oder ob er auch schon routiniert weg schaut wie Kenji.
Und wie Kenji zweifelt man beim lesen wirklich daran, ob das, was da geschieht und geschildert wird, tatsächlich gerade so passieren kann oder ob alles doch nur ein böser Albtraum ist.
Viel Zeit bleibt aber nicht zum Nachdenken, schonungslos treibt Murakami seinen Roman Seite für Seite in immer schnellerem Schritt voran, der Leser wird in eine immer fantastischere, absurdere letztlich aber auch immer brutalere Geschichte hineingezogen, die bis zur letzten Seite spannend bleibt.
Übrigens: Eine Misosuppe schmeckt einfach phantastisch.
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