Leser-Rezension zu „Und täglich grüßt die Erinnerung” von Sabine Brandl
am 7.06.2010
Zwei Frauen, die sich nach 15 Jahren auf einem Klassentreffen wiedersehen ... Lisa, eine eher stille, nachdenkliche Person ist nach wie vor verliebt in die feurige und temperamentvolle Carmen. Lisa ist inzwischen verheiratet und hat zwei Kinder, sie versucht den Kontakt zu Carmen zu meiden, da sie um ihre Famillienidylle fürchtet. Doch das gelingt nicht so, wie Lisa sich das vorstellt. Carmen sucht nach Gründen für Lisas widersprüchliches Verhalten und Lisas eigener Mann, der sich verdächtig begeistert von Carmen zeigt, vereinbart weitere Treffen mit ihr und lädt sie zum Kaffee ein.
Es kommt zu einigen kuriosen Situationen, die mal amüsant, mal dramatisch sind. Lisa ist eifersüchtig auf ihren Mann, auf Carmens beste Freundin und verstrickt sich immer mehr in Verdächtigungen und ihren eigenen Lügen, zugleich ist sie über beide Ohren verliebt und zergeht vor Sehnsucht.
Die Autorin versteht es, die Grenze zum Schmalz und Kitsch immr rechtzeitig zu erkennen und hier einen Stop einzulegen. Sie scheint zum Teil eine Freude daran zu haben mit diesen Grenzen zu spielen. Gerade durch den Humor und die Bodenständigkeit, erdet sie die Personen und die gesamte Handlung und bleibt immer glaubwürdig. Es ist nicht in dem Sinn ein "Lesbenroman" - es ist ein Roman für alle Frauen, die das Gefühl kennen, im Leben hin-und hergerissen zu sein und zwischen Vernunft und Herz entscheiden zu sollen. Liebevoll zeichnet die Autoren die Figuren, sogar (oder gerade dort) wenn/wo sie sich recht idiotisch benehmen. Und deswegen liebt man die beiden Heldinnen, da man sich in ihnen selbst wiederekennt und darüber Schmunzeln kann.
Ein Buch für Frauen also, die spannende Liebesromane mögen, die unter die Haut gehen, es ist ein Buch das am Rand des Kitsches spazierengeht und im richtigen Moment augenzwinkernd wieder umkehrt um sich zu erden.
Und das Ende ist ein Hammer.

