England 1943, Waterford. Lewis Aldridges Vater, Gilbert, ein Mann alter Schule kehrt aus dem Krieg zurück. Ein gezeichneter Mann, nicht jedoch ein gebrochener. Er ist am Leben geblieben und er hat trotz der Grausamkeit des Krieges seinen Stolz behalten - zudem hat er seine Familie. Lewis ist knapp zehn Jahre alt, er hat seinen Vater bislang nicht kennenlernen können. Für ihn ist er ein Fremder der sein strenges Regiment in der Familie über alle Maßen fortführt und sich verhält, als wäre er nie fort gewesen.
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Lewis Aldridge ist zehn Jahre alt und bricht mit seiner geliebten Mutter zu einem Picknick am Fluss auf.
Lewis kam aus dem Wasser, rubbelte sich mit dem Handtuch ab und setzte sich neben sie. „Kalt?“ „Es geht.“ „Hast du es?“ „Was?“ „Das Ruder.“ „Nein. Es steckt im Boden fest.“ Sie schenkte sich den letzten Rest Wein ein, während Lewis sich auf den Rücken legte und in den weißen Himmel starrte..
..“Also gut“ sagte sie. „Also gut was?“ „Das verflixte Ruder. Ich hole es.“ „Das schaffst du nie. Du bist nur ein Mädchen.“ „Ich wette fünfzig Pfund.“ „Zweihunderfünfzig, dass du es nicht schaffst.“ „Und ob ich es schaffe, Lewis Aldridge, und ob ich es schaffe.“ Aufgeregt lachend zog sie ihr Kleid aus und watete im Unterrock ins Wasser. Sie schrie ein bisschen, obwohl sie die Kälte gar nicht wirklich schlimm fand. Eine Libelle schwirrte an ihr vorbei. „Das schaffst du nie“ rief Lewis und lachte sie wegen ihrer nassen Haare aus. „Und ob“ rief sie zurück und tauchte. Er sah die dünne cremefarbene Seide auf ihrem Rücken und den Saum ihres Unterrocks und ihre weißen Füße, die kurz aus dem Wasser auftauchten und Wellen schlugen…
„Du hast recht. Es steckt im Schlamm fest“ rief sie. Sie tauchte wieder. Lewis wartete. Das Lächeln auf seinem Gesicht ließ allmählich nach. Eine innere Uhr sagte ihm, dass seine Mutter jetzt wieder auftauchen müsste. Sie tat es nicht, aber das Wasser bewegte sich.
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In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg aufwachsend, steht es einem Jungen nicht gut, wenn er sich nicht konform der Norm verhält. Durch den Tod seiner Mutter gezeichnet, frisst er seine Trauer und Verzweiflung in sich hinein. Lewis ist anders. Die Menschen haben Angst vor ihm. Fünf Monate nach dem Tod seiner Mutter heiratet sein Vater erneut.
Lewis ist ein stiller Junge. Seine Probleme klärt er am liebsten mit sich selbst. Seine Stiefmutter schenkt ihm zum Kennenlernen und als nachträgliches Geschenk anlässlich seines Geburtstags eine wunderschöne Box mit glasierten Mandeln. Süßigkeiten sind selten in dieser schweren Zeit
„Es ist ein Mädchengeschenk.“
Lewis muss danke sagen und sich als braver Junge in sein Zimmer zurückziehen.
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Niemand ahnt, wie es in seinem Inneren aussieht, als Außenstehender erkennt man nicht das Leid und die ununterbrochenen Versuche, seinen Vater nie zu enttäuschen, sich sein Vertrauen zu verdienen, ein guter Sohn zu sein. Mit dem Tod der Mutter ist etwas, ist ein Teil von ihm zerbrochen. Zu Hause wird das Gespräch über die Mutter gemieden, seine Schulkameraden gehen ihm aus dem Weg, sie können mit dem Tod seiner Mutter nicht umgehen und wissen nichts zu tun. Seine Trauer, die er nie bewältigen kann, ein stummer Schrei nach Hilfe, bleibt ungehört. Eine Flucht vor sich selbst, eine Flucht in die Selbstverstümmelung und den Alkohol beginnt, Lewis flüchtet vor der vorgegaukelten und ihm von seinem Vater und seiner neuen Frau gespielten „trauten-Heim-Kulisse“ nach London, wo er in einem Nachtclub die Bekanntschaft mit Janie macht und sich in eine unmögliche Liebe mit ungleichen Vorzeichen stürzt.
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Nach einem neuerlichen Ausbruch aus seiner Gefühlswelt, der sich niederschlägt in einer für die Dorfbewohner ungeheuerlichen Tat wird er für zwei Jahre ins Gefängnis gesperrt.
Lewis hofft nach seiner Rückkehr auf einen neuen Anfang, doch Misstrauen und Missgunst der Gemeinschaft der Alteingesessenen, die unter einer verlogenen Oberfläche ihrem Heile-Welt-Lebensstil frönen, wird ihm zuteil, allen guten Vorsätzen zum Trotz lässt man ihm nie wirklich den Hauch einer Chance.
Der Schikane und den Widerlichkeiten der sogenannten Freunde des Vaters ausgesetzt flüchtet Lewis sich erneut in den Alkohol und seine nur ihm selbst zugängliche Traumwelt.
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Tamsin Carmichael, die wunderschöne Tochter des Nachbarn, Dicky Carmichael, der dem Vater nach dessen Rückkehr aus dem Krieg eine gut bezahlte und angesehene Stellung in seiner Firma verschaffte, stellt sich offen hinter Lewis und betört ihn, nicht jedoch ohne eigennützige Absichten – Absichten, die Lewis der inzwischen knapp 19 Jahre alt ist, in seiner ihm typischen Naivität und mit dem Glauben an das Gute, der ihm nie abhanden gekommen ist, nicht zu durchschauen vermag. Tamsins arroganter selbstherrlicher Vater legt Lewis Knüppel in den Weg wo er nur kann, stellt ihn öffentlich und im Beisein seines Vaters Gilbert bloß.
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Kit, die jüngere Schwester von Tamsin, ein jungenhaftes Mädchen, welches Lewis schon in früher Kindheit zum Lächeln gebracht und seine Beschützerinstinkte geweckt hatte, ist inzwischen zu einer jungen Frau gereift; Kit sucht die Nähe von Lewis, der mit dem ihm hier erstmals in seinem Leben nach dem Verlust seiner Mutter entgegengebrachten Vertrauen nur schwerlich umgehen und seine erwachenden Gefühle für Kit nicht kommunizieren und einordnen kann - es kommt es zu einer für Lewis unverwindbaren Entdeckung. Kits Liebe zur Musik und zu Lewis, ihre Offenheit, ihre störrische Art die gepaart ist mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit sowie ihre Empathie sind es schließlich, die der Geschichte eine neue Variante geben und dem Leser am Ende die Hoffnung, dass alle Liebe im Leben letztendlich nicht umsonst ist.
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Eine wundervolle Geschichte, die durch Intimität und Intensität besticht und in der erzählerischen Dichte und Charakterdarstellung ihrer Handelnden Ihresgleichen sucht. Ein Hoch auf das Gefühl und die Liebe. Zerbrechlich, verkannt und unglaublich groß.