Hasenjagten enden zumeist auf zwei verschiedene Arten: Entweder wird der Hase erschossen und anschließend über einem Feuer gebraten, oder aber der Jäger trifft daneben und muss ohne Beute nach Hause gehen.
Bei Alice jedoch, passiert etwas vollkommen anderes.
Als sie gerade in eine Art Schockstarre über die Vielzahl an Wörtern in dem Buch ihrer Schwester zu verfallen droht, fällt ihr Blick auf ein kleines weißes Kaninchen, dass mit einer Uhr in der Hand und laut über sein „Zuspätkommen“ klagend, an ihr vorbei hetzt und in einem Kaninchenbau verschwindet. Da ihre Schwester sowieso nur lesend im Garten sitzt und Alice nichts weiter zu tun hat, folgt sie dem Hasen, doch anstatt immer tiefer ins Erdreich vorzudringen, fällt Alice in ein tiefes Loch und befindet sich plötzlich in einem prunkvollen Gang.
Sie ahnt noch nicht, dass dies ihr wohl bisher größtes, wie auch verworrenstes Abenteuer werden wird – ihre Reise ins Wunderland.
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Jeder kennt die Geschichte von Lewis Carrol über „Alice im Wunderland“, und genau diese diente dem Manga als Vorlage. War ich jedoch von der letzten Buchadaption zu „Grimms Märchen“ noch hellauf begeistert, so kann ich mit der von „Alice im Wunderland“ überhaupt nichts anfangen.
Das einzig schöne an diesem Buch war für mich die liebevoll gestaltet Aufmachung des Mangas als gebundenes Buch und die Zeichnung der Figur Alice, die je nach Schauplatz eine andere Identität und damit auch ein anderes Aussehen angenommen hat – obwohl ihre Gefühlsausbrüche wiederrum an manchen Stellen ein wenig zurückhaltender hätten dargestellt werden können.
Ansonsten war ich regelrecht enttäuscht. Die restlichen Bilder sind deutlich weniger hingebungsvoll gezeichnet und zumeist auch ziemlich einfach gehalten, was vor allem die Umgebung oder den Hintergrund im Allgemeinen anbelangt.
Auch die Ausdrucksweise der Figuren war meines Erachtens nach viel zu modern, von Anglizismen überlastet und wirkte teilweise zu gewollt an die heutige Jugendsprache angepasst. Dadurch wurde das Aufkommen einer verträumten, magischen Atmosphäre vollkommen zunichte gemacht, welche anders sicherlich hätte entstehen können, weist so ein „Wunderland“ immerhin das nötige Potenzial auf. Insbesondere von der „Grinsekatze“ hatte ich mir nochmal mehr versprochen, diese mir gruseliger, vielleicht auch hinterlistiger und wenigstens in irgendeiner Weise für die Geschichte relevant vorgestellt, doch leider schafft diese es nicht, sich aus ihrem überflüssig erscheinenden Umfeld abzuheben.
Ebenso fand ich es äußerst schade, dass hier die gesamte Geschichte ins Lächerliche gezogen wurde. Der Manga sollte den Leser wohl zum Lachen bringen, doch das schaffte er bei mir kein einziges Mal. Der Plot war nichtssagend und fad, da sich ein Spannungsbogen nicht einmal ansatzweise andeutet. Die meisten Charaktere empfand ich einfach nur als nervig, in ihrem Handeln nicht nachvollziehbar (nicht einmal, wenn man sich im Rahmen einer fiktionalen Traumwelt bewegt) und meistens war ich nur froh, dass sie nach wenigen Seiten gleich wieder verschwanden.
„Das ist ja total idiotisch.“, sagt Alice, als sie sich gerade in einem „Prozess“ der Königin befindet, und so leid es mir tut, da muss ich ihr vollkommen recht geben.
Wenigstens zum Schluss hat sich die Protagonistin ein wenig von ihrer „idiotisch“ anmutenden Gesellschaft abheben können, sodass man als Leser doch etwas Sympathie für sie empfinden konnte. Aber berühren, tut sie einen dennoch nicht.
Schade. Es war eine wundervolle Idee, eine Adaption zu Carrols Kinderbuch „Alice im Wunderland“ machen zu wollen, doch das Potenzial dahinter wurde hier überhaupt nicht ausgeschöpft – ich möchte fast sogar sagen, komplett ignoriert.
Wirklich eine Enttäuschung.