Auf diesen Krimi bin ich vor allem wegen dem tollen Cover gestoßen. Der Klappentext versprach dann auch viel Spannung und so dachte ich, dass ich mal wieder ein richtig gutes Buch zum schmökern gefunden habe. Leider bin ich nach den 350 Seiten nicht so begeistert, wie die anderen Rezensenten hier vor mir.
Ich hatte Probleme mit dem Spannungsaufbau, vielen Nebencharakteren und konnte mich nicht richtig in die Geschichte einfinden.
Zum Inhalt: Vor einem Jahr sind Adam und Grace mit ihrer kleinen Tochter Millie in ein kleines Haus ins einsame North Yorkshire gezogen. Kurz darauf verschwand Adam, ohne eine Spur zurückzulassen.
Nun kehrt Grace mit ihrer Tochter zurück und versucht endlich zu erfahren, was damals wirklich passiert ist. Unter dem Vorwand das Haus umbauen zu wollen, zieht sie wieder ein. Sie stößt schnell auf einige Ungereimtheiten und seltsame Nachbarn, die sich weigern mit ihr über das Verschwinden von Adam zu reden. Dazu kommen schreckliche Träume und das Gefühl etwas wichtiges übersehen zu haben. Warum schweigen ihre Nachbarn, ist Adam wirklich nur abgehauen wie die Polizei es behauptet oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter?
Wer auch immer den Klappentext zu diesem Buch verfasst hat, sollte wirklich gelobt werden. Dort wird soviel versprochen, dass mich sofort vom Kauf dieses Buches überzeugt hat. Als ich dann aber die entsprechenden Stellen im Buch gelesen habe, war ich verwirrt, enttäuscht und irgendwie auch sauer, denn hier wird einem nicht das geboten, was man erwartet hat. Am seltsamsten fand ich im Nachhinein zum Beispiel den folgenden Satz:
"Während Schneestürme das Dorf von der Außenwelt abschneiden, wird Grace klar: Jemand versucht mit allen Mitteln, die Wahrheit vor ihr zu verbergen."
Nun schneit es wirklich im kleinen Dorf recht viel, allerdings bekommt man nie das Gefühl, sie sind von der Außenwelt abgeschnitten, schließlich verlässt Grace doch häufig genug für einen Spaziergang das Haus. Nur einen Nachmittag sind sie daheim, bis ihr bester Freund James draußen einen Weg freigeschaufelt hat. Genauso ist "mit allen Mitteln" eine total überspitzte Darstellung, denn soviel passiert da schließlich nicht. Ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern, dazu soll eine Rezension schließlich nicht da sein, aber jeder der dieses Buch gelesen hat, wird sicher erkennen können, dass da reichlich beschönigt und spannungsgeladener dargestellt wurde, als es letztlich ist.
Ein großes Problem war für mich der Spannungsaufbau im Buch. Insgesamt sind es 350 Seiten zu lesen und mindestens bis Seite 250 hat Grace noch gar nicht richtig begonnen nach Adam zu suchen. Natürlich kommen manchmal überraschende Dinge ans Licht, aber wenn dann nur zufällig beim aufräumen und eigentlich sind sie dann auch nicht so überraschend. Viel mehr klammert sich Grace da an die letzten Strohhalme und erzeugt höchstens Mitleid bei mir. Der Leser verbringt also die meiste Zeit mit Grace und ihren Besuchern, während sie das Haus aufräumen, zum Essen eingeladen sind und Weihnachten feiern. Es gibt auch viele kleine Handlungen, die für den Verlauf der Geschichte eigentlich nebensächlich sind.
Ich will damit nicht sagen, dass das dieser Teil des Buches komplett Langweilig war, ich habe diese Beschreibungen teilweise auch ganz gern gelesen (sonst würde ich schließlich auch nicht auf 3 Sterne kommen), aber wenn man aus dem Klappentext erwartet, dass Grace eine richtig spannende Suche nach ihrem Mann aufnimmt, die von irgendwem (vielleicht einem Mörder?) sabotiert wird, dann kann man sich über diese ganzen belanglosen Beschreibungen nur wundern.
Daneben bleiben leider auch die Charaktere sehr blass. Grace und ihren Nachbarn Ben lernt man ganz gut kennen, zu ihnen kann man auch Sympathie aufbauen. Der Rest allerdings ist enttäuschend. Kurz tauchen da beispielsweise andere Nachbarn auf, der beste Freund James oder der Polizist und auch Meredith mit ihren Töchtern (Claire nehme ich da raus) kam mir überhaupt nicht nah. Ich kam mir immer vor wie eine Unbeteiligte, die sich den Bericht von Grace durchliest, obwohl ich normalerweise sehr schnell in Bücher eintauche und mich voll mit den Charakteren identifiziere. Dieses mal fand bei mir neben der Sympathie für Grace und Ben (und vielleicht noch etwas Interesse für Claire und Grace' Schwester Annabel) gar nichts statt und das ist schade. Vielleicht hätte man dann lieber mehr Seiten anfügen sollen und dafür die Charaktere besser ausarbeiten können.
Die letzten 50 Seiten strotzen dann nur so vor Spannung. Alles was ich auf den vorherigen Seiten noch vermisst habe, wird hier wieder aufgeholt. Es gibt noch einige kleinere Überraschungen, allerdings hätte ich mir da auch noch etwas mehr Ideenreichtum gewünscht. Am Ende wird alles so einfach begründet, dass es fast etwas konstruiert gewirkt hat. Aber das Ende war zufriedenstellend und es bleiben immerhin keine Fragen offen, was ich bei Krimis immer sehr schätze.
Die Atmosphäre in dem Buch um das Moor herum ist durchgehend recht düster und hätte es mehr überraschende Wendungen und mehr spannende Suche nach Adam gegeben, dann hätte dieser Krimi auch durchaus was für mich sein können.
Leider war es für mich kein Krimi sondern viel mehr ein Roman, erzählt von Grace, in dem es leider viel zu viele unwichtige Details und zu schwache Nebencharaktere gab, die mir den Bezug zur Geschichte genommen haben.
Ich kam nicht richtig rein in dieses Buch, bereue aber auch nicht es einmal gelesen zu haben. Es war für einmaliges Lesen mal so zwischendurch vollkommen in Ordnung, denn auch der Schreibstil ist angenehm zum runterlesen. Erneut lesen würde ich es aber nicht.