Leser-Rezension zu „Mängelexemplar” von Sarah Kuttner
am 11.08.2010
Karo ist ein anstrengender Mensch. Launisch, aggressiv, ein wenig überdreht, aber vorallendingen ist sie traurig. Denn als sie ihren Job und auch ihre Beziehung verliert, wird schnell klar, dass die sonst so schlagfertige Protagonistin der Sache nicht gewachsen ist. Mit einer Therapie versucht sie sich klarzumachen, das sie unter Umständen doch kein Mängelexemplar ist.
Und das ist auch gleichzeitig der Titel des Debütromans von Sarah Kuttner: Mängelexemplar. Nach ihren ersten Kolumnensammlungen hat sich Kuttner doch, nach langem Sträuben, an ihrem ersten Roman versucht. Und das ist auch gelungen. Das Buch ist typisch ihre Art, gerade heraus. Man kann sie förmlich zwischen den Zeilen hören.
Über neue Wortschöpfungen und Metaphern en masse hangelt sich Sarah Kuttner durch ein erlebtes Jahr ihrer Hauptdarstellerin und begleitet sie von tiefst depressiv, durch die Therapie, bishin zu einem Neuanfang. Gewagt komisch, dafür aber ehrlich führt sie die Leser an das Thema Depression und Therapie heran.
Lebensnah, voller Gefühl und für viele wohl nachvollziehbar, schreibt sie über die seelischen Tiefpunkte und die Gedankengänge Karos. Durch direkte Gedankeneinschübe, meist sarkastisch und ironisch, erfährt der Leser mehr als das ganze Umfeld von der Protagonistin.
Wer Sarah Kuttner eh schon mag, wird das Buch mögen. Und wer jetzt nicht auf die literarische Erleuchtung hofft und lieber gut unterhalten werden will, sollte sich Sarah Kuttners Mängelexemplar ruhig zu Gemüte führen, denn so viele Mängel hat das Buch gar nicht.
(c) erschienen in der westfalenpost - april 2010

