Leser-Rezension zu „Das Haus der kalten Herzen” von Sarah Singleton
am 22.08.2011
„Mercy schnappte nach Luft, obwohl sie genau wusste, dass sie es hier mit einem Geist zu tun hatte. Die anderen Geister hatte sie schon so oft gesehen. Sie waren ihr vertraut, sie bemerkte sie ebenso wenig wie die alten Gemälde an der Wand.“ (Seite 10)
Inhalt: Mercy und ihre kleine Schwester Charity leben in dem herrschaftlichen Haus „Century“, das von einem ewig währenden Winter umgeben zu sein scheint. Mercy kann Geister sehen und entdeckt eines Tages eine Frau unter dem Eis eines Teiches. Mit dieser Entdeckung beginnt eine ganze Reihe abenteuerliche Ereignisse, denn schon bald ergründet Mercy das furchtbare Geheimnis hinter „Century“: die Mädchen sind gefangen in einem ganz bestimmten Tag, der sich immer wieder aufs neue wiederholt, und das schon seit über hundert Jahren…
Zum Buch: Dieser Roman mag kurz sein, beinhaltet aber eine ganze Menge Story, was man auf den ersten Blick ins Buch gar nicht erwarten mag. Der Leser begegnet hier Themen wie Geister, Magie, Unsterblichkeit, Familienzwist und einer Hauptfigur, die sich irgendwie und ganz selbstverständlich in die Vergangenheit begeben kann. Wie das nun funktioniert, wird nicht ganz klar, die Hauptsache scheint zu sein, eine fantasievolle, scheinbar komplizierte und abenteuerreiche Geschichte zu stricken, die nicht immer ganz nachvollziehbar ist.
Die Geschichte wird viel zu schnell zum heillosen Durcheinander. Sie braucht alle Aufmerksamkeit, die sie nur kriegen kann, damit der Leser dort halbwegs durchblickt, aber da kommt schon das nächste Problem: für mich waren viele Szenen langweilig und uninteressant. Die Mischung hat dem Buch gar nicht gut getan, denn im Nachhinein habe ich das Gefühl, nur wirklich wenig verstanden und überhaupt mitbekommen zu haben, obwohl die Idee dahinter sicher gar nicht mal so schwer zu verstehen ist. Aber vieles war einfach zu träge erzählt, dass ich zeitweise ein wenig teilnahmslos gelesen habe.
Zu den Figuren habe ich auch kaum Zugang gefunden. Irgendwie waren sie mir alle schnurzegal. Mercy war ja ganz lieb und Charity irgendwie niedlich, aber sonst? Ich hatte das Gefühl, als hätte die Autorin vergessen, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Ja, da hat jemandem mehr an einer wirren Story gelegen, die im Nachhinein, wie bereits erwähnt, leider kein bisschen glänzen und schon gar nicht die faden Figuren wettmachen konnte.
Ich will die Geschichte nicht ganz schlecht reden, denn einige Szenen haben mir durchaus gefallen und der Anfang ist auch recht lesenswert. Außerdem ist „Das Haus der kalten Herzen“ sehr schön geschrieben. Auch wenn die meisten Sätzen eher knapp ausfielen, konnte ich mich schnell mit den gegebenen Erklärungen und Ausführungen anfreunden. Einige Sätze waren wirklich schön. So… blumig und irgendwie auch poethisch.
Ich hatte das Buch schon einmal begonnen und dann abgebrochen. Nun habe ich das Buch ganz gelesen und denke, dass es bei diesem einem Mal bleiben wird.
Meiner Meinung nach mangelte es bei dem Buch auch deutlich an Spannung.
Für den einen vielleicht ganz interessant und unterhaltsam, für mich trifft dies aber leider nicht zu.

