Die Liebe der Charlotte Gray
von
Sebastian Faulks
ISBN 9783570003374, Fester Einband,
erschienen bei Bertelsmann, München
Die Liebe der Charlotte Gray von Sebastian Faulks - Inhaltsangabe
In seinem Roman <I>Birdsong</I> von 1997 hat sich Sebastian Faulks als ein hervorragender Anatom von Männern -- und, was gleichermaßen wichtig ist, von Frauen -- im Krieg erwiesen. Seine Darstellung des Stellungskampfes während des Ersten Weltkrieges war geradezu schmerzhaft lebendig -- das Äquivalent von Wilfred Owen in Prosaform, ohne dessen anhaltenden Idealismus. In <I>Die Liebe der Charlotte Gray</I> richtet der Autor seinen Blick auf den nächsten globalen Konflikt. Dieses Mal schreiben wir das Jahr 1942, als "England verdunkelt und voller Angst erfüllt war".<p> Die 25-jährige Heldin ist gerade von Edinburgh nach London gereist, um ihren Beitrag zu den Kriegsanstrengungen zu leisten. In kurzer Folge verliebt sie sich in einen britischen Piloten, betrauert sein Verschwinden und seinen offensichtlichen Tod in Frankreich und folgt ihm über den Ärmelkanal, um die im Entstehen begriffene französische Résistance zu unterstützen.<P> So wie es aussieht, sind dies die Zutaten eines historischen Fließbandproduktes. Aber Faulks ist ein so begnadeter Geschichtenerzähler, daß wir die abgedroschene Natur des Rohmaterials selten bemerken. Statt dessen wird sich jeder Leser -- mit der möglichen Ausnahme des unsensibelsten -- von Charlottes nicht einfach nur geopolitischen, sondern auch amourösen Kummer angezogen fühlen: "Das allerletzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war irgendeine unkontrollierte Romanze. Sie wollte sich nützlich machen, sie wollte ein seriöses Leben führen -- nicht schluchzend auf ihrem Bett liegend einer körperlosen Sehnsucht nachtrauern. Noch weniger wollte sie sie verkörpert wissen, mit all den Komplikationen und Ängsten, die damit verbunden wären." (Hinweis: Charlotte gehört zu der äußerst seltenen Gattung der jüngfräulichen Heldinnen -- zumindest bis Seite 61) Darüberhinaus ist das Wachrufen des besetzten Frankreich ein Triumph des schmutzigen, schwarzweißen Realismus. Hier werden die kleinen Triumphe der Personen um Charlotte meisterhaft den Tragödien des "Guten Krieges" gegenübergestellt -- wie er nur halbwegs zutreffend genannt wurde. <I>--William Davies</I>
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