Nachdem ich erst vor kurzem Der Seelenbrecher von diesem Autor gelesen habe, und dort mit durchgehender Spannung und gut gezeichneten Charakteren überzeugt wurde, fiel mir nun "Das Kind" in die Hände.
Knappe 400 Seiten später ist meine Euphorie nun aber stark gebremst, denn wirklich überzeugen kann mich dieser "Psychothriller" nun echt nicht.
Zum Inhalt: Robert Stern ist Anwalt und bekommt einen neuen Mandanten, Simon - 10 Jahre, totkrank und fest davon überzeugt in seinem letzten Leben ein brutaler Mörder gewesen zu sein. Widerwillig fährt Stern mit Simon zum angeblichen Tatort von vor 15 Jahren und sieht sich plötzlich menschlichen Überresten gegenüber. Robert Stern hat noch keine Ahnung, dass Simons Erinnerungen ihn und sein Privatleben bald mehr betreffen werden, als er sich hätte vorstellen können.
In diesem Buch hat mir vor allem so etwas wie ein roter Faden gefehlt, der die nötige Spannung erzeugt. Die Charaktere wurde dem Leser nie wirklich nah gebracht, sodass ich mich leider so gar nicht mit einem von ihnen identifizieren konnte. Am Besten dabei fand ich noch Simon, aber der Anwalt und die Krankenschwester konnten mich leider so gar nicht überzeugen.
Größtenteils sind die Charaktere immer irgendwo unterwegs, bzw. auf der Flucht. Es kommt so häufig zu Ortswechseln und unterschiedlichen Sichtweisen. Genau dort ging mir irgendwie die Spannung verloren. Zwischendurch gab es solche "Stillstände", dass ich das Buch immer wieder weggelegt habe. Ich muss aber auch sagen, dass es manchmal richtige Spannungsschübe gab, die mich dann wieder ans Buch gefesselt haben. Diese waren aber zu selten, von Fitzek bin ich sonst einfach besseres gewohnt!
Ein wesentliches Thema dieses Romans ist Kindesmissbrauch. Normalerweise meide ich solche Bücher, bei diesem wusste ich allerdings nicht, dass diese Thematik eine doch so große Rolle spielen würde und so war ich etwas überrumpelt. Die Beschreibungen sind brutal, pervers und absolut an der Geschmacksgrenze. Da es sich hier aber nun mal um einen Psychothriller handelt, kann man Herrn Fitzek dadraus keinen Strick drehen. Ich möchte an dieser Stelle auch nur warnen, dass Leute mit etwas zarterer Seele, was diese Themen betrifft, sich mit dem Buch sicher nicht sehr glücklich machen werden.
Am schlimmsten fand ich, dass zum Schluss vom Buch Fragen offen bleiben. Ich habe das Buch also mit mehreren Fragezeichen beendet und frage mich jetzt, was das soll. Natürlich wird das Meiste aufgeklärt, aber eben nicht alles und der Leser darf sich jetzt den Rest denken, da für die paar offenen Fragezeichen jawohl keine Fortsetzung irgendwann erscheinen wird. Das stellt mich nicht zufrieden, da das Buch für mich einfach nicht richtig abgeschlossen ist.
Letztlich bin ich nun unzufrieden. Als Fitzek Fan nehme ich auch dieses Buch mit, und immerhin hat es mich für eine gewisse Zeit auch durchaus unterhalten. Wenn man aber ehrlich ist, wird einem nichts fehlen, wenn man dieses Buch nicht gelesen hat.
Für Fitzek Fans in Ordnung um die Zeit zum nächsten Hammerbuch zu überbrücken. Für Fitzek Einsteiger verweise ich auf jeden Fall auf die anderen Bücher, denn die sind um einiges besser und zeigen sein richtiges Talent als Autor.
Vermeidet den Fehlgriff - leiht es euch nur in der Bücherei aus, das reicht vollkommen!