Leser-Rezension zu „Der Augensammler” von Sebastian Fitzek

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Daniliesing Daniliesing
Verfasst von Daniliesing
am 1.09.2010
 

Gleich zu Anfang dieser Rezension möchte ich eine Warnung aussprechen: Bitte beginnt dieses Buch nur, wenn ihr genügend Zeit und Ruhe habt, es gleich am Stück zu verschlingen! Und das sage ich, die eigentlich kaum Thriller liest und der, wenn sie es doch mal tut, die Bücher meist gar nicht zusagen. Sebastian Fitzek hat mich mit "Der Augensammler" sozusagen bekehrt. Es war mein erstes und mit Sicherheit nicht mein letztes Buch von ihm.

An diesem Buch ist nicht nur die Story aufregend, sondern auch der Buchaufbau: Es beginnt mit dem Epilog und der letzten Seite, liest man weiter, so nehmen also Seitenzahlen und Kapitelnummern stetig ab. Den tieferen Sinn dieses Aufbaus erfährt man selbstverständlich im Buch, verraten, weshalb das so ist, möchte ich hier aber der Spannung halber nicht. Zudem wird aus den Sichtweisen der wichtigsten Protagonisten erzählt, wodurch der Leser ganz tief in das Verwirrspiel von Herrn Fitzek um den wahren Mörder hineingezogen wird, denn bei keiner der Figuren ist man sich wirklich sicher, ob sie bei klarem Verstand ist.

Die Hauptperson überhaupt ist aber Alexander Zorbach, der seine Arbeit im Polizeidienst aufgab, nachdem er eine Frau erschoss, die sich und ein entführtes Baby von einer Brücke stürzen wollte. Nach diesem Vorfall fühlt er sich schuldig und benötigt auch jahrelange psychiatrische Hilfe. Mittlerweile arbeitet er als Redakteur einer Zeitung, die sich momentan mit einer ungeheuerlichen Mordserie beschäftigt. Und Zorbach ist direkt dran am Thema; er hört z.B. den Polizeifunk ab, um immer als erster am Tatort zu sein.

Gesucht ist ein Mann, der schon bald die Bezeichung "Augensammler" bekommt, was auf seinen Taten beruht. Diese laufen nämlich alle nach dem gleichen Schema ab: Der Augensammler tötet die Mutter eines Kindes, entführt das Kind, drückt der Leiche der Mutter eine Stoppuhr in die Hand, die zeigt wie lange das Kind noch zu leben hat und findet der Vater (oder die Polizei) das Kind in dieser Zeit nicht, schneidet der Augensammler ihm nach dem Tod das linke Auge heraus. Immer bleiben etwa 45 Stunden, um das vermisste Kind zu befreien.

Soweit, so grauenerregend… dummerweise gerät Zorbach immer mehr ins Blickfeld der Ermittler, da er sich durch sein ständiges Auftauchen an den Tatorten, den Verlust seiner Brieftasche an einem solchen und weitere, sich häufende Details, verdächtig macht. Doch ist Zorbach, der gebrochene Mann, engagierte Zeitungsredakteur und nicht gerade beste Vater für seinen Sohn Julian, wirklich der Täter?

Ich sage dazu nur so viel: Das ganze Buch über habe ich mich mit meinen eigenen geistigen Ermittlungen und Verdächtigungen hin und her geschlagen, verwirren lassen und ständig meine Meinung geändert. Noch nie ist es mir passiert, dass ich so sehr im Dunkeln getappt bin, so oft meine Meinung geändert habe und vor allem so sehr mitgefiebert habe! Wie der Mörder im Buch, spielt Sebastian Fitzek mit dem Leser ein herausragendes Versteckspiel. Und ich habe ganz klar mitgespielt!

Selbst wenn ich dachte: "Jetzt ist aber alles klar, das ist die Auflösung!", hatte ich mich getäuscht! Besonders am Ende des Buches erwartet alle Leser eine Überraschung – mittlerweile habe ich glücklicherweise herausgefunden, dass es voraussichtlich im September 2011 eine Fortsetzung des Buches mit dem Titel "Der Augenjäger" geben wird. Da haben all die anderen Leser und ich aber Glück gehabt!

Was mich ebenfalls sehr angesprochen hat, ist die Aufmachung des Buches. Besonders das Material des Schutzumschlages ist mal etwas ganz anderes. So richtig kann ich es gar nicht beschreiben – es fühlt sich glatter an, als die Buchumschläge sonst, fast schon wie eine Mischung aus Papier und Kunststoff. Ich kann also aus tiefstem Herzen sagen: Dieses Buch ist in jeglicher Hinsicht etwas ganz Besonderes!

Ansprechend fand ich ebenfalls, dass das Buch zwar sicherlich von sehr brutalen Geschehen erzählt, aber nicht die ganze Zeit über ekelerregend blutig oder grauenhaft ist. Großen Wert hat der Autor nämlich auf die privaten Ermittlungen Zorbachs gelegt, der sich zusammen mit einer blinden, ihm unbekannten Frau, immer mehr in die ganze Sache hineinmanövriert. Hierzu empfand ich es als besonders interessant und informativ, in der Danksagung am Ende des Buches, zu lesen, wie ausführlich sich Sebastian Fitzek mit der Lebens- und Gefühlswelt von blinden Menschen auseinander gesetzt hat, damit die Figur der Alina derart real rüberkommt.

"Der Augensammler" ist ein aufwühlender, atemberaubend spannender und unbedingt empfehlenswerter Thriller!

 

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Sebastian Fitzek

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