Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Meine Einstiegsdroge ins Genre Science Fiction
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Die russische Seele der Zukunft verehrt Juri Alexejewitsch Gagarin, wird vom selbstgebrannten Wodka angetrieben, wohnt in Datschas, brettert in alten Shigulis über marode Straßen, träumt immer noch von einer klassenlosen Gesellschaft und kämpft in der Galaxis um einen verbesserten Stand. Verkörpert wird sie im Roman Sternenspiel von Pjotr Chrumow, der als Kosmonaut mit Überlichtgeschwindigkeit durchs All rauscht. Die Milchstraße wird von einer interstellaren Organisation geleitet, die aus neun starken Rassen besteht und die den unterlegenen Rassen die jeweilig passende Rolle zuweist. Die Menschen gehören in die Kategorie der schwachen Rasse.
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„Wir besetzten jene seltsame Nische, die in der galaktischen Hierarchie der Rassen noch frei war. Wir stellten die Teeklipper des Weltalls“.
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Diese Aufgabe wird ihnen zuteil, da sie die Einzigen sind, die den Sprung durch Raum und Zeit in Überlichtgeschwindigkeit körperlich verkraften und die entsprechende Technik hierfür entwickelt haben. Pjotr pendelt zwischen Milchstraße und Erde und transportiert allerlei unsinniges Zeug im Auftrag der Außerirdischen. Sein ruhiges Kosmonautendasein nimmt ein schnelles Ende, als er einen blinden Passagier, Karl den Zähler, mit auf die Erde bringt. Karl, schaut aus wie ein Gürteltier, beherrscht mit seinen Artgenossen die Fähigkeit des kollektiven Nachdenkens, ist ein Rechengenie und der inoffizielle Vertreter einer Gruppe von Unzufriedenen. Seine Mission ist, drei schwächere Rassen zusammenzubringen, um den Kampf für einen verbesserten Status in der Galaxis herbeizuführen. Wenn sich diese Mission erfüllen soll, muss eine neue Kraft gefunden werden, die den neun kräftigen Rassen ebenbürtig ist und für ein neues Gleichgewicht der Kräfte sorgt.
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Pjotr lässt sich auf diese aberwitzige Idee ein und mit Hilfe der Zähler, der Alari und der Cualcua landet er auf dem Planeten „Die Heimat“, dessen monolithische Gesellschaft stark an den utopischen Kommunismus erinnert.
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„Ich war in die Welt der Geometer gelangt, eine Welt, die wie das Paradies aussah. So vertraut, dass sie mir wie meine eigene vorkam. Wie oft war sie durch die menschlichen Träume gegeistert, diese Welt der guten Menschen und der gerechten Erscheinungen, diese Welt ohne Angst und Erniedrigung und der Weg, den sie gegangen war, schien ebenfalls richtig und überzeugend zu sein. Erziehung, Ausbildung, Effizienz. Gerechtigkeit. Liebe. Nur den Respekt, den hatte man stets vergessen.“
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Die Heimat und die Geometer stellen sich schnell als für die Mission ungegeeignet heraus. Die Geschichte hat kein richtiges Ende und der Leser würde mit einer nicht ganz zufriedenstellenden Ungewissheit entlassen, wüsste er nicht, dass die Fortsetzung der Abenteuer des Pjotr Chrumow bereits erschienen ist.
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„Sternenspiel“ war zunächst der Versuch des Einstiegs in ein bislang von mir konsequent verweigertes Genre, der sich völlig unerwartet und schnell zur Einstiegsdroge entwickelt hat. Ich habe absolut keinen Vergleich zu anderen SF Werken, bin aber von dem hier gelesenen zweifellos euphorisiert. Meine Voreingenommenheiten über SF Romane, die auf zu viel Wissenschaft, zu viel Technik und zu viel Kampfszenen basierten, hat Sergej Lukianenko in intergalaktischer Geschwindigkeit zerstört. Gelesen habe ich einen phantastischen Roman und das im wahrsten Sinne des Wortes, der einen erkennbaren Gegenwartsbezug hat, dessen technischen Schilderungen ich folgen konnte, der herzerfrischende Alien-Charaktere in sich trägt und der vor allen Dingen so wunderbar witzig, sarkastisch und russisch ist.
Meinen herzlichen Dank für diesen Tipp, lieber Babscha, Dir widme ich diese Rezi.
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