Shirley Jackson war eine amerikanische Schriftstellerin von Horror- und Schauergeschichten, die sich mit ihrer Kurzgeschichte "The Lottery" (sehr lesenswert!) einen Namen gemacht hat. Mit "Spuk in Hill House" schrieb sie eine Gruselgeschichte, die zweimal verfilmt wurde: "Bis das Blut gefriert", eine stark an das Buch angelehnte Verfilmung aus den 60zigern Jahren und "Das Geisterschloss" aus dem Jahr 1999, ein Remake mit Liam Neeson und Catherine Zeta-Jones.
Dr. Montague, ein Wissenschaftler mit Interesse an Okkultem möchte die "psychischen Phänomene", wie er die übernatürlichen Phänomene nennt, in dem Hill House untersuchen. Dazu lädt er Personen ein, die mit solchen Phänomenen schon in Berührungen gekommen sind, um die Erscheinungen zu untersuchen und die Ergebnisse in einem Buch niederschreiben, das er dann veröffentlichen möchte.
Während ich das Buch las, hatte ich ärgerlicherweise die Stimmung und die Bilder der beiden Verfilmungen ständig präsent, sodass sich mir keine von den Filmen unabhängige Stimmungen und Eindrücke der Personen und des Hauses aufbauen konnte. Dies spricht dann natürlich für den Film. Denn "Bis das Blut gefriert" hat mich damals, vor ca. 20 Jahren, mit seiner sehr dichten und klaustrophobischen Atmosphäre und mit seinen unheimlichen Momenten sehr beeindruckt.
Der Roman "Spuk in Hill House" beinhaltet gewiss eine sehr straff aufgebaute Geschichte mit einigen fantastischen Elementen, die es möglich gemacht hätten, eine unheimliche Stimmung entstehen zu lassen und in tiefere Bereiche des menschlichen Daseins vorzudringen. Aus meiner Sicht jedoch haben die Skepsis des Wissenschaftlers und die ständigen Witze der anderen Personen gegenüber den außernatürlichen Phänomenen dies verhindert. Gerade durch die Witzeleien über die Erscheinungen fand eine Entwertung dieser statt.
Die Geschichte endet dementsprechend auch sehr bezeichnend. Denn die Abschlussszene zeigt deutlich, dass das Übernatürliche neben der wissenschaftlichen, messbaren Welt besteht, ohne dies näher zu erläutern. Es fehlten aus meiner Sicht gänzlich Erläuterungen zur kritischen Haltung des Wissenschaftlers gegenüber dem Übernatürlichen, das im Buch ja eine gewichtige Präsenz bekommen hat.
Dies mag Absicht der Autorin gewesen sein, um beispielsweise zu zeigen, dass beides nebeneinander bestehen kann und keiner näheren Erklärung bedarf. Allerdings zeigen die Handlungen und die Verhaltensweisen der Personen, dass sie sich nicht auf die übernatürlichen Phänomene einlassen oder diese zumindest verstehen wollen. Es findet keine wirkliche Annäherung der beiden Welten des Übernatürlichen und des Kritisch-Rationalen statt. Wie hätten sich folglich die Leser auf das Unheimliche einlassen, das Unheimliche spüren können, wenn es die Autorin beziehungsweise die Charaktere des Buches dies nicht konnten?
Davon abgesehen konnte mich der Roman mit seiner straffen Erzählweise und den überraschenden und gruseligen Momenten, die durchaus vorhanden sind, sehr spannend und gut unterhalten. Bezüglich des Unheimlichen kann es gut sein, dass ich durch den grandiosen Film "Bis das Blut gefriert" eine so hohe Erwartungshaltung hatte, dass eine Enttäuschung bezüglich des Buches nur umso wahrscheinlicher machte. Zudem besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass ich mich derzeitig gar nicht auf einen Schauerroman einlassen konnte. Letztendlich möchte ich dies auch an dieser Stelle offen lassen und hoffe, dass andere Leser von "Spuk in Hill House" die meine Rezension als unpassend und zu kritisch sehen, dies bei den Kommentaren äußern.