Um kaum einen anderen Kriminalroman ist in den letzten Jahren wohl ein so großer Hype gemacht worden, wie um "Die Chemie des Todes" von Simon Beckett.
Große Beachtung hat das Buch wohl allein schon durch das wirklich gelungene Cover gefunden, wenngleich dieses, ebenso wie die Lobeshymnen anderer Autoren auf dem Klappentext, letztendlich mehr versprechen als der Inhalt am Ende wirklich halten kann, denn das Buch ist entgegen der Erwartungen vieler kein blutrünstiger, ekliger Thriller, sondern liest sich vielmehr wie der klassische britische Krimi.
Beckett baut eher ruhig und langsam die Spannung auf und nimmt sich viel Zeit, um die einzelnen Figuren, insbesondere den Ich-Erzähler, den forensischen Anthropologen David Hunter, sehr überzeugend und ohne die üblichen Klischees zu strapazieren, auszuarbeiten. Der kriminalistische Handlungsstrang beginnt erst um einiges später. Das dann im Verlauf des Buches kaum forensische Arbeit anfällt und diese nicht zur Lösung des Falls beiträgt, wird manch einer bemängeln, hat mich persönlich allerdings weniger gestört, da es Beckett nur dort einbringt, wo es die Story auch wirklich vorantreibt.
Diese liest sich flüssig und durchaus spannend, krankt aber an einigen sehr offensichtlichen Hinweisen, welche es besonders für Vielleser des Genres einfach machen, die Identität des Mörders zu entschlüsseln. Hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen. Trotz dieser eindeutigen Fingerzeige bleibt der Plot aber unterhaltsam, was in erster Linie daran liegt, dass Becketts Manham, der Handlungsort des Buches, mithilfe der verschrobenen Bewohner toll in Szene gesetzt wird und der Leser die Stimmung im Dorf beinahe selbst mitfühlen kann. Das sich diese beklemmende, köchelnde Atmosphäre am Ende so sehr erhitzt, dass zu einer Art Hexenjagd aufgerufen wird, wirkt vor dem Hintergrund der heutigen Zeit jedoch etwas unglaubwürdig.
Insgesamt ist "Die Chemie des Todes" ein guter, streckenweise packender Kriminalroman, der, besonders aufgrund des interessanten Hauptprotagonisten, durchaus Lust auf mehr macht, die Vorschußlorbeeren größtenteils aber nicht verdient hat.