"Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen."
Inhalt:
Der Gerichtsmediziner David Hunter zieht nach dem Tod seiner Familie in das verschlafene Dörfchen Manham und ist dort als Allgemeinmediziner in der Praxis des alten Dr. Maitland tätig. Drei Jahre, nachdem er dort hingezogen ist, verschwindet zunächst die Autorin Sally Palmer und wird einige Tage später tot aufgefunden. Weitere Frauen fallen dem Serientäter zum Opfer, darunter auch Davids neue Freundin Jenny. Hauptkomissar Mackenzie erfährt von Davids Qualifikationen und kann ihn nach einigem zögern doch davon überzeugen, an der Lösung des Falls mitzuhelfen.
Handlung:
Zunächst ist nur bekannt, dass David als Arzt in Manham tätig ist, erst nach und nach erfährt man von seiner Vergangenheit. Deshalb war ich am Anfang skeptisch, wie ein Allgemeinmediziner einen Mordfall lösen soll. Nach und nach nahm die Geschichte ihren Lauf und David wurde mit in die Ermittlungen einbezogen, ab da begann es, richtig spannend zu werden. Ich hab immer wieder mitgerätselt, wer der Täter ist. Dies war durch die offensichtlich falschen Färten, die der Beckett gelegt hat, auch nicht so schwer. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen. Trotzdem schafft der Autor es, am Ende doch noch eine überraschung mit einzubauen, nachdem der Täter entlarvt ist. Er hat nämlich noch einen Komplizen. Zwar wird es da nochmal sehr spannend, leider wirkt es aber auch etwas dick aufgetragen. Schade.
Charaktere:
David war mir von Anfang an sympathisch. Es ist leicht, ihn zu mögen und seine Beweggründe nachzuvollziehen.
Jenny ist zwar zunächst etwas schüchtern, aber auch sie ist ein sehr liebenswerter Charakter. Im Laufe der Geschichte wiederholt sich ihre Vergangenheit, das hat mir nicht so gut gefallen. Unrealistisch fand ich auch ihre wage beschriebene Reaktion auf die Entführung und Gefangennahem. Keine bleibenden, psychischen Schäden? Tut mir leid, aber das kann ich nicht glauben.
Inspector Mackenzie war mir zwar am Anfang sehr unsympathisch, aber das legt sich später. Zu Beginn kam er mir etwas schlicht vor (so wie diese amerikanischen Dorf Sherrifs immer beschrieben werden.), aber es stellte sich dann doch heraus, dass er ein ganz guter Polizist ist.
Insgesamt hat mir Becketts Charaktergestaltung sehr gut gefallen.
Sprachliche Gestaltung:
Der erste Satz hat mir besonders gut gefallen (siehe oben) und er passt gut zum Titel. Becketts Sprache ist sehr präzise, aber detailliert. Dabei schafft er es, diesen Stil den ganzen Roman über durchzuhalten. Es ist flüssig und trotz der sehr speziellen Thematik doch gut verständlich.
Sprecher:
Gelesen ist das Horbch von Johannes Steck, der eine sehr angenehme Stimme hat. Er haucht durch die vielseitigkeit seiner Stimme den Figuren und der Geschichte leben ein und schafft es, die richtige Stimmung rüber zu bringen. Etwas störend fand ich aber, dass er Mackenzies Geschmatze mit seinen Bonbons miteingebracht hat. Fand ich etwas abstoßend.
Sehr spannender Triller mit tollen Charakteren. An einigen Stellen war es aber ein bisschen zu viel des Guten.