Leser-Rezension zu „Leichenblässe” von Simon Beckett
am 19.05.2011
"Leichenblässe" ist das erste Werk von Simon Beckett, das ich mir vorgenommen habe.
Dass es eigentlich der dritte Teil in einer Serie ist, habe ich erst später gemerkt, doch das fällt nur an einigen Stellen auf und tut dem Verständnis und dem Hörvergnügen keinen Abbruch.
Zum Inhalt:
Der forensische Anthropologe David Hunter besucht seinen alten Freund und Mentor Tom Lieberman an der Universität von Tennessee. David nutzt die Gelegenheit um sich die dort beheimatete Bodyfarm anzusehen - ein Gelände, auf dem Leichen in verschiedenen Verwesungsstadien zu Forschungszwecken untersucht werden. Schon bald wird Tom jedoch um Unterstützung bei einer Mordermittlung gebeten und mehr oder minder freiwillig sieht sich David bald als helfende Hand an seiner Seite. In einer Hütte wurde eine stark verweste und verstümmelte Leiche gefunden und David's Erscheinen am Tatort ist sowohl den Agenten des Tennessee Bureau of Inverstigation als auch dem anwesenden Pathologen ein Dorn im Auge. Die Umstände des Leichenfundes geben den Gerichtsmedizinern Rätsel auf: Todeszeitpunkt und -ursache sind nicht eindeutig und die Identifikation des Körpers führt zur Entdeckung, dass offenbar einige Leichen auf dem örtlichen Friedhof nicht in den Särgen liegen, in die sie eigentlich gehören würden. Als plötzlich ein Mitglied des Ermittlerteams verschwindet wird David und Tom klar, dass der Mörder ganz in ihrer Nähe ist und ein makaberes Spiel mit ihnen spielt - und wie es aussieht, könnte David der nächste auf der Liste sein.
Der Spannungsbogen des Thrillers entwickelt sich kontinuierlich und als Zuhörer kommt man kaum dazu, einmal durchzuatmen, bis das nächste überraschende Puzzlestück an seinen Platz fällt und man mit jedem neuen merkt, dass das Puzzle wesentlich größer ist als angenommen. Detailliert recherchiert und beschrieben überzeugt "Leichenblässe" und lässt den Zuhörer fast selbst Angst vor dem Mörder bekommen und die Hauptcharaktere wachsen einem schnell ans Herz. Besonders interessant sind die Abschnitte aus der Sicht des Mörders selbst, die Einblicke in seine Vorgeschichte geben.
Zur Lesung:
Johannes Steck liest und interpretiert Simon Beckett's Thriller sehr überzeugend. Seine ruhige Erzählstimme wechselt sich ab mit zu den Charakteren passenden Wiedergaben der Gespräche.
Die Hintergrundmusik ist anfangs etwas gewöhnungsbedüftig weil unerwartet, aber passt schließlich auf ihre Art doch gut zur Gesamtstimmung der Geschichte.
Meinung:
In meinen Augen ist "Leichenblässe" endlich mal wieder ein spannendes Hörbuch, dass sich - was die Spannung angeht - in eine Riege mit "Illuminati" von Dan Brown oder "Das Jesus Video" von Andreas Eschbach einreiht. Bis zum Schluss rät man gespannt mit, wer der Mörder ist und wird doch überrascht. Die romantische Seite in mir hätte sich noch ein bisschen mehr Zwischenmenschliches für David Hunter gewünscht doch nachdem ich mich ein bisschen über seine Erlebnisse in den beiden vorangegangenen Bänden der Serie informiert habe, sei ihm die kleine Pause verziehen. Dabei findet er ja die hübsche Profilerin ganz nett - immerhin. Aber wenn ich ein bisschen spoilern darf: es wäre wohl eh nichts draus geworden ;)
Fazit:
Sehr spannend und empfehlenswert! Fünf Sterne.

