Einleitung:
Neulich war ich mal wieder in der örtlichen Bücherei, um ein paar Bücher abzugeben.
Dabei schaute ich mir die Aufsteller mit den Neuerscheinungen genauer an.
Oft finde ich dort Bücher, auf die ich schon im Buchhandel aufmerksam geworden bin.
Dieses Mal sprach mit das Cover des Thrillers „Obsession“ von Simon Becket an, weil es einen hohen Wiedererkennungswert hat.
Unter dem Namen des Autors steht in blutroten Buchstaben „Obsession“.
Nach einer kurzen Lektüre des Infotextes auf der Rückseite des Buches lieh ich mir das Buch aus und machte es mir daheim damit in der Badewanne gemütlich.
Der Autor:
Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.
Als Journalist hatte er Einblick in die Polizeiarbeit,dieses Wissen verarbeitet er in seinen Romanen.
Seine Thriller "Die Chemie des Todes" (rororo 24197) und "Kalte Asche" (rororo 24195) standen monatelang auf Platz 1 der Taschenbuch-Bestsellerliste.
Für diese Bücher hat er auf der „Body Farm“ in Tenessee recherchiert.
Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.
Bei so einer Biografie war ich natürlich sehr gespannt auf das Buch von Simon Beckett.
Es ist bisher das erste Buch, welches ich von ihm lese.
Es wird aber sicherlich nicht das Letzte sein.
Warum erfahrt ihr in meinem Bericht.
Fakten zum Buch:
Das englischsprachige Original mit dem Titel „Owning Jacob“ erschien bereits im Jahre 1998.
Das vorliegende Taschenbuch erschien im April 2009 in der Zweitauflage beim Rowohlt Taschenbuch Verlag.
Andree Hesse hat es ins Deutsche übersetzt
Es umfasst 416 Seiten und ist im Buchhandel für 9,95 Euro zu haben.
Der Verlag über das Buch:
Ein Kind, das schweigt.
Ein Geheimnis, das tötet.
Als seine Frau unvermutet stirbt, ist Ben am Boden zerstört.
Allein Jacob, Sarahs autistischer Sohn, spendet ihm Trost.
Doch während Ben die gemeinsame Wohnung aufräumt, macht er eine ungeheuerliche Entdeckung:
Jacob war gar nicht Sarahs leibliches Kind.
Offenbar hatte sie den Jungen entführt, als der noch ein Baby war.
Fassungslos engagiert Ben einen Privatdetektiv, der Jacobs leiblichen Vater schnell ermittelt.
Keiner ahnt, dass damit eine Lawine tödlicher Obsessionen ins Rollen gebracht wird.
Die Story und meine Meinung dazu:
Das Buch trägt den Titel "Obsession" zu Recht, da sich das zwanghafte Beschäftigen mit jemandem oder etwas bei vielen Charakteren des Buches wie ein roter Faden hindurchzieht.
Der Modefotograf Ben erlebt den schlimmsten Tag seines Lebens:
Sein gemütliches Familienleben mit seiner Frau Sarah und deren autistischen Sohn Jacob findet ein jähes Ende, als Sarah unerwartet an einem Aneurysma stirbt.
Während der Witwer außer sich vor Trauer und Wut Trost bei der Weinflasche sucht und gleichzeitig krampfhaft darum bemüht ist, den Alltag so gewöhnlich wie möglich für Jacob zu gestalten, macht er eine folgenschwere Entdeckung.
Als er sich doch recht abrupt von den Kleidungsstücken seiner Frau trennt, findet er eine Metallkassette mit alten Zeitungsartikeln.
Alle betreffen die Entführung eines Babys und Ben will sie schon wegwerfen, als er sich das Geburtsdatum des Kindes genauer ansieht.
Alles deutet darauf hin, dass Sarah Jacob vor Jahren entführt hat.
Eigentlich sollte Ben das melden, doch er beschließt, erstmal auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.
Bevor das passiert lernen wir Ben und sein Umfeld besser kennen und erfahren, wie er und Sarah sich kennen und lieben gelernt haben.
Nun kommen nach und nach neue Charaktere ins Blickfeld, zum Beispiel Keith, Bens bester Freund.
Keith ist Anwalt und Agent in der Musikbranche und empfiehlt Ben einen Privatdetektiv.
Dieser entspricht genau dem Klischee des schmierigen kleinen Privatdetektivs und ich als Leserin frage mich, warum Ben ausgerechnet diesen engagiert.
Es kommt wie es kommen muss, Ben fliegt auf, der leibliche Vater und er begegnen sich nicht gerade zufällig und die Sache eskaliert immer mehr.
Es folgt ein Ziehen und Zerren um das Kind, welches durch seine Krankheit leider nicht in der Lage ist, sich verbal mit zu teilen.
Obwohl Ben nicht der leibliche Vater Jacobs ist, setzt er alles daran, diesen bei sich zu haben und scheitert zuerst.
Er wird fahrig, vernachlässigt seine Arbeit und seine Freunde und wird immer unzuverlässiger.
In seiner Not beginnt er das Haus von John Cole und dessen Frau Sandra auszuspionieren, um Beweise dafür zu sammeln, dass Jacob nicht bei ihnen leben sollte.
Aus der anfänglichen Beobachtung wird eine Obsession und Ben wird zum perversen Spanner, der Coles Frau bei ihren außerehelichen Aktivitäten ebenso wie beim Schlafen, Umziehen etc. beobachtet.
Eines Tage wird er entdeckt und bringt so eine unglückliche Lawine nach der anderen ins Rollen.
Menschen sterben, andere werden verletzt und immer ist Ben der Auslöser.
Jeder Charakter im Buch hat seine eigenen Obsessionen.
Keiths Frau Tessa ist besessen davon, die Fassade der glücklichen Familie aufrecht zu erhalten.
Keith verfällt seiner neuen Liebe, was ihn fast das Leben kostet.
Die Gier des Privatdetektivs Mr.Quilley nach Geld erweist sich als ebenso verhängnisvoll und ganz besonders Ben und Cole verhalten sich derart zwanghaft, dass ein Psychiater seine Freude an den beiden hätte.
Die Spannung steigt und in einem finalen Auftakt entscheidet sich, bei wem Jacob in Zukunft bleiben wird.
Der Weg zu dieser Entscheidung ist wirr, blutig und Ben bleiben als einzige Stütze Jacobs Großeltern, die Jacob noch nie zu Gesicht bekamen, da Cole es einfach nicht zuließ.
Mein Fazit:
Dem Autor ist mit diesem Buch ein atmosphärisch dichtes Portrait einer ungewöhnlichen Situation und facettenreicher Charaktere gelungen.
Ich war sofort mitten in der Handlung und verfolgte jede Wendung mit Interesse.
Simon Becketts Schreibstil und die genaue Beschreibung von Bens Handlungen, Gedanken und Gefühlen, führen unweigerlich dazu, dass ich mich in diesen hineinversetze und die Geschehnisse im Buch aus dessen Perspektive wahrnehme.
So kam es, dass ich mit Mr. Quilley wenig Mitleid hatte und gegenüber Sarahs offensichtlich in diese verliebte Freundin wenige Sympathien hegte.
Am Interessantesten fand ich die Charaktere von Ben und von John Cole.
Bei Ben faszinierte mich seine Art, mit seiner Trauer und seiner Hilflosigkeit umzugehen und gerade noch davon zu kommen.
John Cole hatte auf mich eher eine abstoßende Wirkung.
Ein gebrochener, verwirrter Mann, der seine Mitmenschen wie Gegenstände behandelt, die ihm gehören.
Am Schlimmsten fand ich die Stelle, als er seinen eigenen Hund kaltblütig erschoss.
Insgesamt fesselte mich das Buch vom Anfang bis zum Ende und ich muss sagen, ich war sehr zufrieden, als ich es aus der Hand legte.
Der einzige Minuspunkt den ich finden kann ist, dass die Story durchaus noch ausbaufähig gewesen wäre.
Der Autor hätte noch mehr auf den Autismus von Jacob/Steven eingehen können und auch auf John Coles seltsame Weltsicht eines unsichtbaren, undurchschaubaren Systems, welches er sich zum Lebensinhalt gemacht hatte.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Alchemilla