Leser-Rezension zu „Die Leiden eines Amerikaners” von Siri Hustvedt
am 31.01.2009
Eric Davidsen, ein geschiedener Psychiater, lebt einsam in einer Stadtvilla in Brooklyn und pflegt seine Neurosen. Seine Schwester Inga, Witwe eines berühmten Schriftstellers, wird von einer seltsamen Frau verfolgt. Seine Nichte Sonia leidet noch immer unter dem, was sie am 11.September 2001 gesehen hat.
Miranda, eine schöne Westinderin, zieht in das Gartenappartment von Erics Haus. Aber warum bleibt sie so stolz und unnahbar, während ihre quirlige Tocher Eglantine Eric mit dem unwiderstehlichen Charme einer Fünfjährigen umwirbt? Und was hat es mit den schmutzig bekritzelten Fotos von Miranda auf sich, die Eric vor der Haustür findet und vor Scham in einer Schublade versteckt?
Ich hatte mir nach dem Roman "Was ich liebte" viel von "Die Leiden eines Amerikaners" versprochen. Aber ich bin enttäuscht worden.
Auf 408 Seiten findet eine andauernde Nabelschau Erics statt. Alles wird analysiert, nichts behält sein Geheimnis. So gut wie alles, was geschieht, bezieht er auf sich und verwendet es für die eigene Analyse. Das ist leider ziemlich langweilig. Ich habe den Eindruck, die anderen Figuren dienen nur dazu, Erics Selbstanalyse voranzutreiben. Dabei hätten Inga und ihre Ehe und auch Mirandas Beziehung zu dem Künstlervater ihrer Tochter mehr Aufmerksamkeit verdient. Es hätte der Geschichte vielleicht mehr Spannung und Tiefe verliehen. Und dann hätte sie wirklich den Titel "klassischer Familienroman" verdient.
Aber gut, das Buch heißt "die Leiden EINES Amerikaners" und die werden bis ins kleinste Detail erläutert.
Nur, ist das wirklich so spannend? Eric erlebt im Jahr 2004 eigentlich nichts, was nicht auch jeder andere Mensch in seinem Leben schon erlebt hat...
Irgendwie bin ich in meinem Urteil genauso unschlüssig wie das Buch in seiner Aussage. Hier paßt die klassische Deutschleistungskursfrage: "Was will uns die Autorin damit sagen?"

