Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Während eines Vortrags verwandelt sich die Autorin Siri Hustvedt für kurze Zeit in "die zitternde Frau": Ihr Körper bebt so stark, dass sie kaum aufrecht stehen kann, und es gelingt ihr auch nicht, ihre Gliedmaßen durch Willenskraft unter Kontrolle zu bringen.
Was ist der Grund für dieses Zittern? Wie kann es sein, dass ein Körper sich auf diese Weise "verselbständigt", obwohl der Betroffene geistig bei klarem Verstand bleibt? Wie lässt es sich erklären, dass die Autorin den Anfall nicht kommen spürt und emotional scheinbar unbeteiligt bleibt?
Da Siri Hustvedt sich schon vor diesem persönlichen Ereignis eingehend mit Psychiatrie und Hirnforschung beschäftigt hat, beschließt sie, ihre eigenen Erfahrungen zu diesem Thema in einem Buch zu verarbeiten. Schnell landet sie wieder bei ihrem Lieblingsthema, der Hysterie, erörtert von dort aus das Für und Wider in Frage kommender Diagnosen und verwebt das Alles mit einer eher philosophischen Betrachtung psychosomatischer Erkrankungen im Allgemeinen.
Was bedeutet es zum Beispiel für das "Ich", wenn ein Körperteil sich auf einmal der Kontrolle des Bewusstseins entzieht? Wie kann man überhaupt von einem Ich sprechen, wenn so vieles scheinbar unbewusst abläuft und wenn es sogar möglich ist, eigene Körperteile als fremd wahrzunehmen?
Und wie ist es mit Krankheit als Teil der Identität? Ist Hustvedt die "zitternde Frau", obwohl sie das Gefühl hatte, dass das Zittern mit ihr selbst eigentlich gar nichts zu tun hat? Wie kann sie diese Kluft zwischen geistigem/emotionalem Erleben ("das bin ich") und körperlichem Geschehen ("das passiert mit mir") für sich selbst überbrücken?
Das Ergebnis dieser Überlegungen ist dieses Buch, eine Mischung aus persönlicher Aufarbeitung und einem Überblick über die verschiedensten Erklärungsmodelle im Laufe der Geschichte. Ein interessantes Sachbuch, das auch autobiografische Informationen enthält und Hustvedts literarische Beschäftigung mit bestimmten Krankheitsbildern erklärt.
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