Leser-Rezension zu „Was ich liebte” von Siri Hustvedt

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Verfasst von blaugraufrau
am 2.05.2011
 

"Was ich liebte" beginnt als Beziehungsroman im New Yorker Intellektuellen- und Künstler-Milieu der siebziger Jahre. Der nicht mehr ganz junge Kunsthistoriker Leo, der seit kurzem mit der Literaturwissenschaftlerin Erika verheiratet ist, lernt durch Zufall den Maler Bill und seine Frau kennen, und die zwei Paare freunden sich an. Schon zu Beginn ziehen sich Bills Kunstwerke wie ein roter Faden durch das Buch und spiegeln Themen wieder, die die Protagonisten (und vermutlich auch die Autorin) beruflich oder privat beschäftigen. Persönliche Konflikte vermischen sich mit gesellschaftlichen und kulturellen Fragestellungen; mal geht es um die Geschichte der weiblichen Hysterie, dann wieder um Essstörungen und Märchenmotive. Die Beschreibung der Kunstwerke nimmt bei Siri Hustvedt wie immer einen großen Raum ein - sie erscheinen einem als ebenso lebendig wie ihre menschlichen Figuren.
Nach dem ersten Drittel begibt der Roman sich dann allmählich auf anderes Terrain. Nach wie vor steht die enge Freundschaft der beiden männlichen Protagonisten und ihrer jeweiligen Frauen im Vordergrund, doch durch eine schicksalshafte Wendung wird die Beschaulichkeit ihrer intellektuellen Runde jäh zerstört. Was dann folgt, ist aus meiner Sicht ein unglaublich subtiler und cleverer Psychothriller, der auf dem bisher Geschilderten aufbaut, dessen Plot aber absolut unvorhersehbar ist. Es ist daher schwierig, Hustvedts Buch einzuordnen. Ich würde es am ehesten als Charakterstudie und Familienroman mit Thrillerelementen bezeichnen, noch dazu angereichert mit den üblichen Verweisen auf Kunst und Geisteswissenschaften. Wen solche Themen nicht unendlich langweilen, der dürfte hier genau das richtige Buch gefunden haben, denn Hustvedts sprachliche und inhaltliche Kompetenz ist schwer zu toppen. Man hat auch das Gefühl, dass ihr ihre Figuren am Herzen liegen und dass sie über das schreibt, was sie selbst beschäftigt und bewegt. Dadurch wirken ihre Bücher weder einseitig melodramatisch noch staubtrocken-verkopft, sondern authentisch und tiefsinnig.
Alles in allem mal wieder ein echter Volltreffer und ein Buch, dem man mit seiner Rezension nur schwer gerecht werden kann. Im Nachhinein ist mir "The Blindfold" fast noch lieber, da es im Gegensatz zu "Was ich liebte" noch sehr roh und unkonstruiert und dadurch irgendwie persönlicher wirkt. Aber beide Romane stehen im Moment ganz weit oben in meinen Top Ten und werden sicher irgendwann nochmal gelesen werden.

 

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Was ich liebte Was ich liebte
Siri Hustvedt

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Was ich liebte
von Siri Hustvedt

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