Rezension verfasst vor 6 Monaten
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<Lichterloh> erzählt die Geschichte der kleinen Hester. Hester lebt mit ihren Eltern in einem abgelegenen Haus in der Cotton Road Eins. Die religionsfanatischen Eltern isolieren ihre Tochter von der Außenwelt. Bisher durfte sie nie einen Schritt vor die Tür setzen. Dabei lockt das Draußen doch so sehr. Und ihr Freund Baum vermisst sie. Wenigstens hat sie im Haus Katze, Löffel und Axt zum Freund, welche ihr Ratschläge geben und Geschichten erzählen.
Doch irgendwann setzt sich Hester über die hausinternen Verbote hinweg und geht nach draußen. Denn Knauf hat nach ihr gerufen. Auch findet sie Gefallen am malen. Sie macht anhand dessen ihre Welt greifbar. Irgendwann bricht das Mädchen aus dem familiären Gefüge aus und darf die Schule besuchen. Hier findet sie, trotz ihrer sprachlichen Defizite, eine sehr gute Freundin. Mary. Die Eltern, welche von Anfang an gegen den Schulbesuch waren, setzen alles daran die alten Verhältnisse wieder herzustellen. Und so bleibt Hester wieder nur das Klammern an ihre alten Freunde, das Malen und die Kinderbibel.
Das Mädchen erfährt weder Liebe, noch Geborgenheit. Was für andere das warme Nest ist, ist für Hester einfach nur ein Gefängnis. Die Eltern schlagen sie, schreien sie an und titulieren sie als Missgeburt. Der Vater vergeht sich an dem Mädchen. Egal was sie angeht, sie scheint es falsch zu machen. Allein die Großmutter scheint so etwas wie Zuneigung zu verspüren, doch ist diese mit den Leiden des Alters beschäftigt, als wirklich wahrzunehmen, was in dem Elternhaus ihrer Enkelin vor sich geht.
Hester braucht mehrere Anläufe, um endlich ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Hierbei durchläuft sie auch die Station in einer Anstalt, wo sie die junge Frau Norma K. kennenlernt. Norma ist vom Teufel besessen und allein in Hesters Nähe hat sie keine Angst mehr. Denn auch wenn sie kein Segen war, so scheint sie die Gabe besitzen das Böse zu sehen. Die Frauen werden Freundinnen. Eine Schnur verbindet sie. Gemeinsam lösen sie die Fesseln ihrer Peiniger. Hesters Freiheitsschlag wird kommen...
Meiner Meinung nach hat der 'Fahrenheit Verlag' ein Gespür für gute Literatur. Wie mit <Lichterloh> von Sofie Laguna einmal mehr bewiesen ist. Die Geschichte von Hester erschüttert und berührt zugleich. Man ist nicht nur Gast in ihrer Welt, sondern wird ein Teil dessen. Die wunderbare Sprache der Autorin macht dies möglich. Denn empfindet man schnell Abscheu gegenüber der Mutter, kristallisiert sich hintergründig heraus, dass auch sie einst nur ein Opfer war. Und wenn jemandem nicht geholfen wird, wie soll man es besser machen? Und obwohl man als Leser hilflos mit ansehen muss, wie Hester gequält wird, lächelt man mit ihr, wenn sie in ihre eigene Welt abdriftet und sich alles in Wohlgefallen auflöst.
Weiter die Intensität und Sprachgewalt dieses Buches zu beschreiben würde nur in einem dilletantischen - wenn auch gut gemeinten - Versuch enden. Daher mein Rat: unbedingt selbst lesen.
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