Auf Sophie Kinsella bin ich vor einiger Zeit gestoßen, als ich von ihrem Roman Kennen wir uns nicht? so absolut begeistert war. Danach habe ich Sag's nicht weiter, Liebling gelesen, was mich schon weniger begeistert hat, aber immer noch durchaus unterhaltend war.
Mit meinem 3. Buch beginnt nun ein wenig Enttäuschung Überhand zu nehmen. Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch, doch leider wurden fast alle enttäuscht. So ist es für mich das bisher schwächste und nicht mehr sehr empfehlenswert.
Zum Inhalt: Samantha ist eine junge Startanwältin in London. Eigentlich steht sie kurz vor der begehrten Beförderung, doch dann macht sie einen dramatischen Fehler, durch welchen ihre Kanzlei gleich mal 50 Millionen Pfund verliert. Vollkommen panisch flieht Samantha aus dem Büro und setzt sich in den nächsten Zug, der sie mitten aufs Land bringt.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz kommt es dann zu einer folgenschweren Verwechslung: man hält Samantha für eine Haushälterin auf Jobsuche. Als sie dann sogar eingestellt wird, obwohl sie von Hausarbeit überhaupt keine Ahnung hat, will sie eigentlich gleich wieder gehen. Doch dann trifft sie auf einen jungen Gärtner und beschließt sich der Herausforderung anzunehmen, schließlich kann doch jeder kochen und putzen, oder etwas nicht?
Normalerweise fühle ich mich bei den Kinsella Büchern immer schnell "zu Hause". Sie hat einen sehr witzigen Schreibstil und versteht es die Figuren in ihren Romanen so zu beschreiben, dass man sich richtig in sie einfühlt und mit ihnen mitleiden kann.
Nun fängt dieses Buch schon sehr langsam an und braucht auch ziemlich lang, bis es spannender wird. Als Leser geht man mit Samantha durch die Zeit als Anwältin bis hin zum großen Fehler, bevor das Buch dann mal irgendwann auch nur etwas an Tempo aufnimmt. Die ersten Seiten war ich noch ganz motiviert, habe versucht Samatha zu verstehen und alles zu mögen. Aber schnell musste ich mich richtig zwingen weiterzulesen, denn der Anfang ist insgesamt ziemlich langweilig und ohne besonderen Witz geschrieben. Ich habe immer noch gehofft, aber so richtig Spannung mag einfach nicht aufkommen. Als sie dann als Haushälterin anfängt, wird es zwar teilweise besser, aber auch da schwebte bei mir immer noch das Wort Langeweile im Hinterkopf.
Problematisch war mit der Zeit dann vor allem auch Samantha als Person. Sie ist sehr naiv und legt oft ein Verhalten an den Tag, für das ich mich als Außenstehende geschämt habe. Sowohl bei der Arbeit, wie auch später im Umgang mit Nathaniel bringt sie sich immer in Schwierigkeiten und lässt auch gern mal einen unüberlegten Spruch los, bei dem ich dann vor Scham rot geworden bin. Dem stehe ich kritisch gegenüber, Probleme macht sich zwar jeder, aber sie hat es da für meinen Geschmack einfach zu sehr übertrieben.
Durch die ganzen peinlichen Situationen ist dann irgendwie auch der Witz der Geschichte etwas kaputt gegangen. Während ich sonst sehr oft ins schmunzeln bei diesen Büchern gerate, habe ich hier eher meine Stirn krausgezogen, wenn ich mich mal wieder fremdgeschämt habe.
Überrascht war ich nebenbei bemerkt auch, wie schnell Samantha dann plötzlich kochen konnte. Sie bekommt zwar etwas Nachhilfe, trotzdem hatte sie ja gar keine Vorkenntnisse, da war ich wirklich verwundert, wie einfach sie am Ende alle Wünsche von Trish erfüllen konnte, aber das nur nebenbei bemerkt.
Nun, das Ende war wie gewohnt schön und romantisch, wie man es von der Autorin aber ja auch nicht anders gewohnt ist. Da ich dort dann nochmal kurz schmunzeln konnte, schneidet das Buch etwas besser ab als von mir erst geplant war und bekommt nun immerhin noch 3 Sterne. Trotzdem stehe ich diesem Roman aber in jedem Fall ziemlich kritisch gegenüber.
Ich hätte dieses Buch wirklich nur zu gern gemocht, denn ich mag die Autorin und ihre vorherigen Bücher. Trotzdem kann ich nicht übersehen, dass ich von Samatha mehr als genervt war, der Story einiges an Spannung fehlte und ich ganz zum Schluss sogar Absätze nur noch überflogen habe.
Das Buch ist sicherlich toll für Frauen, die Geschichten über eine unselbstständige, naive und etwas schwerfällige Hauptfigur mögen. Ich mochte Samantha einfach nicht und darunter hat sicher der Rest der Story leiden müssen.
Es gibt bessere Bücher von Sophie Kinsella. Ich würde also grundsätzlich empfehlen lieber Kennen wir uns nicht? - meinen absoluten Favoriten von ihr - zu lesen, damit hatte ich auf jeden Fall wesentlich mehr Freude.