Dieses Buch verdient gleich auf mehreren Ebenen die Höchstpunktzahl: einmal für seine Gestaltung, und einmal für seinen Inhalt. Und beides miteinander kombiniert, macht diese kleine bibliophile Kostbarkeit zu einem wahren Schmuckstück im Bücherregal, und wohl auch zu einem wunderbaren Geschenk für Bücherwürmer!
Nur kurz zum Äußeren. Schon der erste Eindruck hat mich umgehauen! ein sehr robuster, abwischbarer Hardcover-Einband, ein deutlich größeres Format als das übliche Taschenbuch, eher wie eine Kladde oder Schulheft; dazu das glänzende und beschichtete papier, wie in einem Kunst- oder bildband (was es ja teilweise auch ist); die liebevoll und zahlreich ausgesuchten Illustrationen; und der breite und lesefreundliche Rand, gepaart mit einem wirklich erfreulichen Schriftsatz. Das Ganze kann nur als Kunstwerk bezeichnet werden, man nimmt es schon allein als Gegenstand gerne in die Hand. es ist ideal zum Blättern, Stöbern, Schmökern, und Lustvoll-Zeit-vergehen-Lassen!
Auch der Inhalt ist nicht zu verachten. Auf vier Abschnitte verteilt, macht uns der Autor mit seinen durchaus ungewöhnlichen Thesen vertraut, die immer neu und erfrischend sind, aber immer auch nachvollziehbar erklärt und gut belegt. Der Autor verwendet prominente Beispiele aus der Literatur und Zeitgeschichte, und somit ergibt sich ein durchdachtes Gesamtbild.
die Abschnitte lauten: 1) Aufbruch in den Wald, 2) Der gefährliche Augenblick, 3) eine etwas andere Geschichte des lesens, und 4) Warum Lesen glücklich macht. somit leitet der Autor den Leser gekonnt zu seiner eigentlichen Kernthese im vierten Abschnitt hin. Und man lässt sich von ihm gerne an die hand nehmen!
Abschnitt 1) beleuchtet die Tatsache, inwieweit Lesen Rückzug bedeutet, sowohl aus individueller als auch gesellschaftlicher Hinsicht. Abschnitt 2) beschreibt, was es für einen Menschen überhaupt bedeutet, lesen zu lernen, wie er sich dabei fühlt, und welche auswirkungen dies auf ihn hat. Abschnitt 3) geht zunächst von der technischen Entwicklung aus, beschreibt, warum das Buch als medium immer noch eine Zukunft hat, und geht dann dazu über, eine sehr persönliche these des Autors darzustellen: wir lesen so gerne, weil das in uns an die längst verschütteten eigenschaften von Jägern und Sammlern appelliert!
in Abschnitt 4) schließlich kommen wir zur kernaussage des Buches. Der Autor betont hier, dass er weder patenrezepte bieten könne noch wolle. Dennoch beeindrucken seine bunt angeordneten einsichten und Aphorismen. Lesen macht glücklich, weil es sowohl aussteigern als auch Entwicklungswilligen viele Perspektiven eröffnet. Es macht glücklich, weil es uns zeigt, wie überhaupt ein glückendes Leben aussehen könnte - und wenn auch nur anhand abschreckender Beispiele aus der Literatur.
Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich auf manche Gedankengänge allein nie gekommen wäre, und die Lektüre daher immer sehr erfrischend fand! Allein in Abschnitt 3) sind die Parallelen zu bereits bekannten Büchern auf diesem Feld doch sehr deutlich, nämlich einerseits zu Gabriel Zaid und zu Alberto manguel. Aber diese Quellen gibt der Autor auch ausdrücklich an, und immerhin entsteht in der Gesamtschau dann doch ein eigenes Werk.
Ich würde dieses Buch allen denen empfehlen, die sich über ihre eigene Lesesucht klarer werden wollen, oder die einen Buchsüchtigen in der Familie haben, den sie endlich verstehen möchten!