Leser-Rezension zu „Brief einer Unbekannten” von Stefan Zweig
am 2.01.2010
Eine überdurchschnittlich gute Novelle, zeigt sie doch, dass manche Liebe schlicht zwecklos ist, weil derjenige dem man sie schenkt, diese nicht wert ist. Kann ein Mensch diese tragische Lebensbeichte ohne Mitgefühl lesen? Ich glaube nicht. Aber, bei aller psychologischen Stärke, insbesondere was die Gefühlswelt der (noch jungen) Frau angeht, die den Adressaten immer wieder vor ihren eigenen Anklagen in Schutz nimmt, die Schuld bei sich sucht: Kann ein Mensch so verblendet übersehen, dass er es mit einem Egomanen zu tun hat, dem ein Gegenstand wichtiger ist, als ein Mensch? Zudem ist das Spiel mit der 'Schicksalszahl' drei für meinen Geschmack etwas übertrieben worden, auch deshalb nicht die volle Punktzahl. Dennoch absolut empfehlenswert.

