Leser-Rezension zu „Der Amokläufer” von Stefan Zweig

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (14)

Hallogen Hallogen
Verfasst von Hallogen
am 3.01.2010
 

Erscheint mir stellenweise etwas überzogen und wird recht drastisch in der Beschreibung eines Todes, aber psychologisch (wie so viele Novellen von Zweig) trotzdem überzeugend, gerade weil er sich in einer – zumindest so empfundenen – isolierten Position befindet, und die krasse Reaktion so erklärlich wird. Auch der Stolz der Frau ist für mich voll nachvollziehbar. Meisterlich zudem die Verknüpfung der Binnen- mit der Rahmenhandlung, welche mich mit ihren Elementen der Schauergeschichte an Poe und Maupassant erinnert. Das sind ja nicht eben die schlechtesten Vorbilder, und so ist diese wendungsreiche Erzählung nur zu empfehlen.


Auch die anderen Erzählungen spielen teils auf ähnlich hohem Niveau. So ist „Das Kreuz“ eine enorm brutale und schockierende Episode aus der französischen Besatzungszeit in Spanien, die wohl gerade durch die Exzesse deren Sinnlosigkeit zeigen soll, oder „Episode am Genfer See“ eine Schilderung eines dort aufgefischten russischen Soldaten, dessen Schicksal beispielhaft für Millionen andere steht. Einzig „Ein Verbummelter“ hat mir nicht ganz so sehr gefallen, ist aber mit gutem Willen glaubwürdig. Zweigs Figuren resignieren relativ häufig. So etwas hintereinander mehrfach zu lesen, ist nicht eben leicht zu verkraften. Gerade die Antikriegsnovellen bestechen aber durch ihre Konzentration auf einen Menschen.

 

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Der Amokläufer Der Amokläufer
Stefan Zweig

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

selbstmord, 1922, klassiker, kolonialismus, emotionen

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Der Amokläufer
von Stefan Zweig

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