Bereits in Die letzte Offenbarung begegnete der Leser dem etwas linkischen Restaurator Amadeo Fanelli, der damals ohne es zu wollen zwischen die internen Fronten des Vatikans geriet.
Doch dieses Abenteuer ist ausgestanden und während seine Freundin Rebecca Steinmann nun im Dienste des vatikanischen Geheimdienstes steht, lebt Amadeo wieder ein ruhiges Leben in der officina die Tomasi, zu deren Geschäftsführer er aufgestiegen ist.
So ruhig das Leben zumindest sein kann, wenn auf der gesamten Welt eine Grippe wütet gegen die es kein Mittel zu geben scheint.
In einigen Gegenden hat sich die Krankheit so drastisch ausgebreitet, dass das normale Leben vollkommen zum Stillstand gekommen ist.
Doch all das betrifft Amadeo in Rom nicht, zumindest solange, bis ihn ein Brief seines alten Mentors Professor Helmbrecht erreicht. Der Umschlag enthält einen Text und Anweisungen, unterzeichnet von Albert Einstein. Helmbrecht selbst schreibt nur drei Worte: Lesen! Lösen! Herbringen!
Amadeo begreift zunächst nicht, was der kryptische Text über den Turmbau zu Babel bedeuten soll, doch schnell liegt die Antwort auf der Hand: Die grassierende Grippe ist die Seuche von Babylon und der Text ein Rätsel, weitergereicht als kurzweiliges Spiel zwischen den größten Gelehrten ihrer Zeit, aber auch gleichzeitig ein Wegweiser zum Heilmittel gegen die Plage.
Auch das zweite Abenteuer von Amadeo Fanelli und Rebecca Steinmann beginnt eher geruhsam und friedlich, nur um erneut in einer Hetzjagd gegen die Zeit quer über den Globus zu enden.
Rother versteht es, den Leser an die Hand zu nehmen und ihn doch gleichzeitig völlig im Dunkeln tappen zu lassen.
Das Jahrtausende alte Rätsel, um das Rother seine Geschichte gesponnen hat, beginnt so scheinbar harmlos und albern als Scherz alternder und gelangweilter Gelehrter und wächst sich zu einem roten Faden der größten Geister der Geschichte aus, der vielleicht ein wenig unlogisch erscheint, aber bei näherer Betrachtung doch nachvollziehbar ist.
Gelungen und voller Spannung hetzt Rother seine eigenwilligen Charaktere durch die Weltgeschichte (im doppelten Sinne) ohne ihnen oder dem Leser auch nur einen Moment der Ruhe zu gönnen. Dabei sorgt gerade der reichlich schrullige Professor Helmbrecht auch in den unmöglichsten Momenten für ein wenig comic relief, nur beispielhaft seien hier zwei Zitate genannt:
Zitat 1: „Guck ich toten Babyloniern in die Köpfe?“, schnauzte der Professor. „Ist kein schöner Anblick, glauben Sie mir. Mein Freund Walewski hat mal einen mitgebracht.“
Zitat 2: Schon hatte Rebecca ihr Handy am Ohr. „Professor?“
„Nein, ich bin vom Mitteldeutschen Rundfunk. Wenn Sie sich mit 'Ich höre Onkel Arnos Schlagerparade' gemeldet hätten, hätten Sie einen Besuch im Funkhaus gewonnen, Kännchen Kaffee gratis. – Natürlich bin ich's. Wen hätten Sie erwartet?“
Dieser Roman rund um Amadeo Fanelli ist noch besser als der erste. Atmosphärisch dichter, die Figuren ausgefeilter und die Geschichte viel größer.
Dieses Mal geht es nicht um ein (seien wir ehrlich) belangloses Detail aus dem Leben eines Mannes, der bereits seit 2000 Jahren tot ist, sondern um das Überleben der Menschheit. Doch was so pathetisch klingt, bringt Rother fast ganz ohne Pathos zu Papier. Vielmehr ist das gesamte Buch von Angst durchdrungen, dem Gefühl, das der beschriebenen Situation am angemessensten ist.
Einzig die ständige Betonung von Fanellis Jugend ist mir etwas sauer aufgestoßen. Der Gute ist ein gestandener Mann von Mitte 30, sicherlich nicht alt, aber auch nicht mehr so unglaublich jung, dass dies ständig betont werden müsste.
Definitiv ein Buch, dass fesselt und einige Stunden großes Lesevergnügen bereitet.