1. Fall Carina Kyreleis.
Carina Kyreleis, Rechtsmedizinerin und spezialisiert auf die Rekonstruktion von Gesichtern, kehrt nach zweijähriger Arbeit in Mexiko-Stadt, wo sie als Knochen- und Mumienexpertin tätig war, nach München zurück, an das Institut für Rechtsmedizin, wo sie ihre neue Stelle antritt.
Kaum in München angekommen, wird sie sofort mit einem grauenhaften Fall konfrontiert. Einer Frau wurde die Gesichtshaut abgezogen und kurz danach wird eine Leiche am Spielplatz gefunden, die kein Gesicht mehr hat und der außerdem eine Hand fehlt. Carinas Vater ist Hauptkommissar bei der Mordkommission und übernimmt diese Fälle, zu denen er Carina hinzuzieht.
Carina stößt bei ihren Recherchen auf Ähnlichkeiten zu einem früheren, längst abgeschlossenen Fall. Dadurch muss sich allerdings auch ihr Vater mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und sich ihr stellen. Zeitgleich erzählt der Mörder, ohne seine Identität zu verraten, immer wieder von seinen Opfern, dass er ihnen die Gesichtshaut abzieht, um sie für immer bei sich zu haben.
Im Prolog wird bereits kurz angerissen, wie Carina Kyreleis ein Gesicht rekonstruiert. Ein dreijähriges Mädchen, welches seit einem Jahr vermisst war, ist gefunden worden, sie hat sich im Kamin eines Abbruchhauses versteckt und ist an ihrem Schnuller erstickt. Nun hat Carina ihr wieder ein Gesicht gegeben, damit ihre Eltern sie identifizieren können.
Carina ist gerade in München angekommen und muss sich wieder mit ihrer etwas hektischen Familie auseinandersetzen. Der Vater, Hauptkommissar bei der Mordkommission, will immer für sie die Entscheidungen treffen und Carina kämpft dagegen an. Ihr Privatleben ist sehr durchwachsen und etwas unorganisiert, aber sie hat eine liebenswerte und sympathische Art. In einigen Situationen kommt sie mir allerdings sehr naiv und unbedarft vor, das habe ich bei ihrem Beruf eigentlich nicht erwartet.
Gleich am ersten Tag wird sie von ihrem Vater zu einem Einsatz mitgenommen, einer Frau wurde die Gesichtshaut abgezogen. Aber bei diesem grauenhaften Fall bleibt es nicht. Sie kann sich kaum an ihrem neuen Arbeitsplatz in der Rechtsmedizin eingewöhnen, da wird eine Leiche am Spielplatz gefunden. Sie hat kein Gesicht und es fehlt ihr eine Hand. Carinas Spezialität kommt zum Einsatz, sie rekonstruiert das Gesicht. Da dies ihre große Leidenschaft ist, habe ich eigentlich erwartet, dass ihre Arbeit etwas ausführlicher dargestellt wird, da es doch ein interessantes Gebiet ist. In Mexiko wurde sie sogar von ihren Kollegen „La urraca“ genannt, die Elster, der Totenvogel.
Zwischendurch werden immer wieder Abschnitte über den Mörder eingeschoben, der sich „Romeo“ nennt und den Leser an seinem wirren Leben teilhaben lässt. Er ist ganz versessen auf die Haut der Frauen, weil er sie dadurch für sich bewahren kann. Seine Figur gefällt mir besonders, da er sehr detailliert und lebhaft, aber auch etwas unheimlich, dargestellt wird.
Der zweite große Erzählstrang geht ins Jahr 1996 zurück und berichtet vom Leben der Rosa Salbeck. Sie war Chefsekretärin bei einem Staatssekretär im Innenministerium und hat für ihren Freund Dokumente kopiert, der für die Stasi spioniert hat. Hier wird auch ein realer Fall aus dem Jahr 1989 eingeflochten, der gut in die Handlung passt.
Anfangs konnte ich die beiden Handlungsstränge gar nicht miteinander in Verbindung bringen, erst als Carina bei ihren Ermittlungen Ähnlichkeiten zu einem alten Fall findet. Ab diesem Zeitpunkt war es für mich sehr spannend, da ich schon sehr neugierig auf die Zusammenhänge war. Stephanie Fey ist es wunderbar gelungen, die einzelnen Fäden miteinander zu verknüpfen und eine interessante Geschichte entstehen zu lassen. Obwohl ich der Meinung bin, dass es sich hier um keinen Thriller, sondern eher um einen sehr guten Krimi handelt, haben mich die Geschichte und der Schreibstil begeistert. Hervorgestochen sind auch die einzelnen Charaktere, die sehr ausführlich beschrieben werden, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Nicht zu vergessen, das sehr schöne Cover und der gut gewählte Titel, welche hervorragend zum Inhalt passen.