Leser-Rezension zu „Die letzte Flut” von Stephen Baxter

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Babscha Babscha
Verfasst von Babscha
am 12.06.2011
 

Alles beginnt etwa im Jahr 2016. Während Politiker und Wissenschaftler in wachsender Nervosität nach einem Grund für den langsamen, aber stetigen Anstieg der Meeresspiegel suchen, der den tiefer liegenden Staaten bereits dauerhaft nasse Füße beschert und die Deichanlagen ersten Belastungstests aussetzt, werden im politisch instabilen Spanien vier verschleppte Personen, zwei Frauen und zwei Männer, nach fünf Jahren Geiselhaft im Handstreich eines privaten Elitekommandos aus der Hand von Untergrundrebellen befreit. Sie wird der Mittelpunkt des Buches werden, diese kleine angloamerikanische Gemeinschaft aus Forschern, Klimatologen und AirForce-Mitarbeitern, die sich noch im Verlies das gegenseitige Versprechen gibt, immer füreinander da sein zu wollen. Wie sehr dies in der Folge noch auf die Probe gestellt werden wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand, genau so wenig, wie sehr sich einige von ihnen mit Haut und Haaren und allen Konsequenzen ihrem Retter, einem eigenwilligen, visionären Milliardär verschreiben werden. Und die Flut kommt nicht zum Stillstand. Nach Ansteigen der Meeresspiegel um 100-200 Meter sind bereits große Teile des kontinentalen Festlandes unter Wasser gesetzt und riesige Verluste an Menschenleben zu beklagen. Erste weltweite Fluchten der Bevölkerungen in höher gelegene Regionen mit regionalen Kriegen werden ausgelöst. Da entdeckt eine amerikanische Forscherin den schier unglaublichen Grund für die Apokalypse biblischen Ausmaßes: Die Erde selbst ist der Auslöser, mit den unerschöpflich aus tiefen unterirdischen Gesteinsschichten gesandten Wassermassen will sich diese quasi von den Menschen befreien. Zunächst will ihr niemand glauben, das endlose weitere Ansteigen des Wassers stellt die Menschheit jedoch zu guter Letzt vor eine Aufgabe, der sie nicht gewachsen sein wird.

Nein, die sorgfältige Ausarbeitung von Charakteren ist nicht die Stärke und offensichtlich auch diesmal nicht die Ambition des Autors. Für ihn dienen Menschen immer nur dazu, als Vehikel seine Geschichte zu tragen, sie zu vernetzen und voran zu treiben. Gerade durch die für ihn typische klare, analytisch-kalte Art der Berichterstattung erzeugt er beim Leser dennoch Beklemmung und Entsetzen, die ihresgleichen suchen. Aber vielleicht ist dies die einzig mögliche Art und Weise, sich einer derartigen Geschichte über die Vernichtung der Menschheit angemessen nähern zu können. Als ehemaligem Wissenschaftler gelingt es Baxter jedenfalls auch hier hervorragend, das Szenario einer zusammenbrechenden Weltordnung sowohl auf politischer wie ökologischer Ebene glaubhaft und äußerst interessant bis zum bitteren Ende zu inszenieren. Die Visionen des Autors von einer Welt, die mit zunehmendem Landverlust die Menschen in immer größere Höhen und in einen gnadenlosen Überlebenskampf treibt, bei dem nicht mehr politische Machthaber und deren Exekutiven, sondern Warlords und Superreiche die Fäden in der Hand halten, dürften gar nicht so weit her geholt sein. Die Hauptprotagonisten der Geschichte also solche sind zwar nicht sonderlich akzentuiert, aber der Autor gibt sich zumindest redliche Mühe, in der über fast vier Jahrzehnte spielenden Handlung deren Schicksale und Wechselwirkungen zueinander bestmöglich auszuarbeiten. Und was sich dort alles abspielt, ist wirklich lesenswert. Das mit etwa 750 Seiten recht lang geratene Buch ist in viele unterschiedlich lange Kapitel unterteilt, mit denen oft Jahre (und Pegelstandsverschiebungen) übersprungen werden, was dem Ganzen sehr viel Dynamik verleiht und den Leser bei der Stange hält.

Das Buch ist der Auftakt des „Ark“-Zyklus, dessen Folgeband „Die letzte Arche“ soeben erschienen ist. Aus meiner Sicht legt Baxter hier ein interessant und lesenswert geschriebenes Werk vor, das sich durch seine Eigenwilligkeit und seine ausgewogene Mischung aus Katastrophenberichterstattung und Spannungsgeschichte recht deutlich und positiv von den in den letzten Jahren ansonsten so publizierten Endzeitszenarien abhebt und mit dem er wieder an seinen früheren Qualitätslevel wie z. B. beim „Multiversum-Zyklus“ anknüpfen kann. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung, die Vorfreude auf die Lektüre des Folgebuches aufkommen lässt.

Unter Berücksichtigung leichter Abzüge bei der „Personenakzentuierung“ vergebe ich insgesamt gute vier Sterne bzw. acht Punkte auf der raVenport.ch-Skala.

 

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Die letzte Flut Die letzte Flut
Stephen Baxter

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von Stephen Baxter

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