- - - Story
1890-1907
Während einer tiefen Meditation an einem See steigt das Wasser eben dieses Sees an. Der neben dem See liegende und meditierende Rabbi ist so in Trance und bekommt dieses nicht mit. Durch den jahreszeitenbedingten Winter friert der Rabbi ein.
Entdeckt wird der Trabbi erst von dem bleichen und dümmlichen Sohn Salo eines Eis-Sägers (damals wurden Eisblöcke zum Frischhalten von Lebensmitteln gesägt).
Helle Aufregung im Ort, sollte der Rabbi ein Wunder sein?
Der Rabbi im Eisblock wird in einer Eishöhle aufgebahrt und als Boibiczer Wunder angepriesen. Da Salo eh zu nichts zu gebrauchen ist, sitzt dieser in der kalten Grotte und bewacht den Rabbi. Um ihn herum geht das Leben weiter.
Nun sind die Zeiten nicht so besonders, dass man unbedingt seinen Lebensabend n den eher ärmlichen Landen verbringen möchte und der kurze Zeit später folgende Pogrom in Polen veranlasst viele zur Flucht.
Eigentlich hat Salo alles verloren, alles bis auf einen klapperigen Gaul mit deftigen Blähungen, einen ebenso klapperigen Karren und diesen Eisblock samt Rabbi.
Ohne Recht zu wissen, was ihm der gefrorene Rabbi bringen soll, zieht Salo mit ihm durch die Lande. Im Laufe der Zeit heiratet Salo, bekommt zwei Söhne und eine Tochter. Das Ghettoleben ist nicht sonderlich angenehm. Salos Söhne haben sich schon längst abgesetzt. Seine hübsche Tochter wird eines Tages auf dem Rückweg vom Markt geschändet. Aus der darauf folgenden Fehde zwischen Salo und einem Zuhälter geht Salo als Toter hervor. Salos Frau stirbt an Einsamkeit. Seine Tochter hingegen flieht nach Amerika. Im kargen Reisegepäck: Der Rabbi im Eisklotz…
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1999
Der bleiche unförmige Bernie Karp kramt in der elterlichen Gefriertruhe nach einem Stück Fleisch – nicht um es zu essen, nein, er braucht es für andere Zwecke: So hatte er in einem skandalösen Roman seiner Eltern gelesen, dass der dortige Protagonist mit einem Stück Leber erotische Handlungen praktizierte … vielleicht ist das ja für Bernie eine Chance zur Luststeigerung, statt sich immer des Staubsaugers bedienen zu müssen?
Bei der Wühlerei in der Gefriertruhe entdeckt er den eingefrorenen Rabbi … er ist geschockt, erfährt aber beim Abendessen von seinen Eltern, dass der gefrorene Rabbi wie eine Art Tradition immer weiter gereicht wird …
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2001
Bernie hängt mal wieder auf der Couch vor der Glotze und lässt sich berieseln, in Lethargie versunken bekommt er nicht mit, dass der Strom ausfällt … er kommt erst wieder zu sich, als er Geräusche hört … aus der Gefriertruhe, er öffnet den Deckel und ihm fällt der Rabbi in die Arme. Gemeinsam knallen sie vor der Truhe auf den Boden …Das Schicksal nimmt seinen Lauf, und Bernie ist ganz vernarrt in seinen aufgetauten ledrigen Rabbi …
- - - Kritik
Ich gestehe, von den 495 Seiten samt Glossar der jiddischen Begriffe habe ich exakt 329 Seiten gelesen, und dann abgebrochen, denn mir wurde es echt zu dämlich, warum?
Nun, das möchte ich dann gerne begründen:
Mir gingen die Zeitsprünge auf die Nerven. Zwar sind die Kapitel mit den Jahreszahlen versehen, aber eben diese Kapitel springen von 1890 auf 1999, dann auf 1907 und 2001, dann wieder auf 1890 und so weiter. Jedes Kapitel bringt eine kleine Handlung mit sich, welche sich im Kontext um den gefrorenen Rabbi sowie einen immer stets dümmlich und nichtsnutzig dargestellten Jugendlichen dreht. Ferner tauchen immer wieder weitere dunkle Gestalten als Figur auf, auf die man sich aufgrund mangelnder Beziehungsansätze zu den schon agierenden Figuren keinen Reim bilden kann, weil eben die Zusammenhänge fehlen.
Davon aber mal abgesehen werden die Figuren zwar als ärmlich dargestellt, doch ihnen entspringt immer wieder, dass sie nichts Besseres zu tun haben, als sich stets eine neue Erfindung einfallen zu lassen und diese an einen gutgläubigen "Reichen" zu vermarkten.
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Was mich in diesem Zusammenhang auch noch Massiv gestört hat: Die Charakterzeichnung! Es werden viele Figuren in der Handlung verewigt, wobei gut 90% der Figuren als arm und um sich selbst bedacht dargestellte werden. Die knapp 10% an Figuren, die auch "andersdenkend" – ob nun gut oder Böse – dargestellt werden, wirken so aufgesetzt, klischeehaft und unglaubwürdig – vor allem im Zusammenhang mit den Umfeldbeschreibungen … Das ist aber noch nicht die Spitze meines Ärgers in puncto Charakterzeichnung: Nein, sondern die abfällige Wertschätzung der hier agierenden Jugendlichen. Alle Jugendlichen in der Handlung werden stets und ständig als Nichtsnutze, als fette und lethargische Jugendliche dargestellt – so als ob sie der Luft nicht wert wären, die sie atmen.
Das empfinde ich als menschenverachtend – es mag ja sein, dass dieses vielleicht eine fiktive Geschichte ist, aber in Bezug auf die Handlungszeit und den damaligen Ereignissen (Pogrom, Judenverfolgung etc.) kann man auch in fiktiven Handlungen ein wenig Fingerspitzengefühl walten lassen, und eben nicht die Jugend als Nichtsnutz, dumm oder schwabbelig-hässlich abstempeln. Solche Umschreibungen kann man galanter umschreiben, oder diese eben weglassen.
Beim Lesen keimte in mir eh der Gedanke auf, dass in dieser Handlung irgendwo auch die Lebensgeschichte des Autors mit eingeflossen ist, oder es sich teilweise sogar um seine Erlebnisse aus der Jugend handelt???
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Doch weiter: Der Rabbi wird hier als der "Überheilige" schlechthin dargestellt, Ja, nee ist klar, das geheiligte Amerika hat jahrelang nur darauf gewartet, dass eben dieser Rabbi auftaut und ihnen vom Pferd erzählend das Geld aus der Tasche zieht. Sollte dieses die angepriesene "scharfsinnige Gesellschaftssatire" sein? Ohweia, diese Praktik ist / war sei je her eine normale Begleiterscheinung unserer Gesellschaft, welche sich gerne durch scheinheilige Versprechen oder Werbungen verleiten lässt.
Hmpf, mir ist beim Lesen echt der Kamm geschwollen, je mehr ich gelesen habe. Apropos Lesen: Dieses gestaltet sich als schwierig, denn neben zahlreichen jiddischen, hebräischen, arabischen aber auch russischen Ausdrücken – deren Übersetzung im angehängten Glossar vermerkt ist – kommt ein polnisch-deutsches Kauderwelsch vor, welches sich trotz mehrmaligem Lesen nicht direkt übersetzen lässt, sodass einem schnell der Faden des Verständnisses abhandenkommt.
Ich hätte es mir gewünscht, dass diese teils gleichlautenden / gleich geschriebenen Fremdwörter mittels Fußnote gleich auf der Seite erläutert worden wären, sonst passiert es, dass man u.U. 5-6 Mal pro Seite zum Glossar blättern muss, um die jeweilige Übersetzung zu lesen.
In diesem Zusammenhang muss ich auch gleich den Schreibstil, den Spannungsaufbau und die eingeschlichenen Fehler bemängeln. Der Schreibstil ist ausufernd und in Hinblick auf das Gesamtbild auch nicht spannungsfördernd. So wird z. B. ein Schwall an Sätzen über ein klappriges Pferd verloren, warum denn dieses an Dauerblähungen leidet und dass eben diese Blähungen einen ekelerregenden Gestank mit sich bringen.
Es kann durchaus passieren, dass sich auch mal der eine oder andere Fehler einschleicht, das ist ja auch legitim, denn wir sind alles nur Menschen, aber wenn es sich dann summiert, und mal hier und mal dort ein Wort fehlt, oder Buchstabendreher drin ist … dann finde ich das nicht mehr so lesefördernd.
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- - - Gesamteindruck
Um endlich mal ein Ende zu finden: ich bin so froh, dass ich mir das Buch nur aus der örtlichen Bücherhalle ausgeliehen habe, so ist der Ärger nicht ganz so groß, obwohl ich mich nun schon darüber ärgere, Zeit verplempert zu haben. Der Ansatzgedanke für die Handlung ist ja nicht schlecht, wenn auch nicht neu, aber die Umsetzung ist in meinen Augen einfach total daneben.
Eine scharfsinnige Gesellschaftssatire sieht einfach anders aus .. und mein schon geäußerter Verdacht – dass es sich hier um die Lebensgeschichte des Autors handelt – konnte bis hierher nicht revidiert werden. Im Nachhinein habe ich noch die letzten Seiten quer gelesen, in der Hoffnung noch eine spannenden Passage zu finde, aber Fehlanzeige.
Nichts mit Spannung, Unterhaltung oder Satire … Sorry, Herr Stern, aber mehr als den 1 Pflichtstern habe ich nicht über.