Zu Beginn muss ich sagen, dass ich "Heaven, Texas" nicht zu Ende gelesen habe, trotz guter Kritiken im Internet habe ich hier auf meinem Blog ja schon von anderen Bloggern gehört, dass ihnen "Heaven, Texas" nicht besonders gut gefallen hat und so ging es mir auch. Allein das Ersterscheinungsdatum 1995 hätte mich skeptisch machen müssen, obwohl ich früher nichts gegen so "alte" Liebesromane hatte und diese teilweise sehr gerne gelesen habe, so hat sich mein Geschmack über die Jahre doch etwas verändert. Es gibt sicherlich immer noch ein paar ältere Romane, dir mir auch noch heute gefallen, es wird sich dabei aber wahrscheinlich eher um die Minderheit der Romane handeln.
Nun ja, um wieder zu "Heaven, Texas" zurückzukommen, ich hatte gleich zu Beginn ein schlechtes Gefühl, da mich der Anfang der Geschichte doch ziemlich peinlich berührt hat. Ich wollte gar nicht weiterlesen, weil ich das Verhalten von Gracie und einfach die gesamte Szene einfach sehr unangenehm zu lesen fand. Wäre der Roman ein Film gewesen, hätte ich umgeschaltet und erst bei der nächsten Szene wieder zugeschaltet, um den peinlichen Moment zu umgehen. Das war einfach total unrealistisch, altmodisch und in meinen Augen lachhaft. Verdammt, von da an war mir klar, dass ich beim Kauf vielleicht einen Fehler gemacht habe und ich nicht nur auf die gute Kritiken hätte hören sollen.
Aber nun gut, auch eine altmodische Geschichte hätte mich fesseln und berühren können, hat "Heaven, Texas" aber nicht, weshalb ich die Geschichte nach 150 Seiten abgebrochen habe. Danach habe ich einige Szenen in der Mitte überflogen, also den ersten Fast-Sex, dann den ersten richtigen Sex und nun ja ein anderes Pärchen beim Sex. Interessant, man könnte fast meinen, der Mittelteil des Romans bestünde nur als prickelnder Erotik, aber keine Sorge, erstens war der Sex ziemlich lahm und zweitens hatte ich wohl nur ein gutes Händchen beim Überfliegen. Obwohl die Sexszenen waren vielleicht auch das Spannenste an der Geschichte, wer weiß. ;) Da ich dann wieder die letzten 80 Seiten mehr oder weniger komplett gelesen habe, weiß ich so im Großen und Ganzen worum es bei "Heaven, Texas" geht und was so passiert ist. Ich bin mir allerdings immer noch unsicher, ob ich den Roman nun ausgelesen oder abgebrochen habe, es war ja eine Mischung aus beidem.
Wer mich wirklich genervt hat war die nicht nur total klischeehafte, sondern auch total unzeitgemäße und unrealistische Geschichte. Okay, in den 90er Jahren war sie sicherlich hochmodern und auch modernere Romane nutzen dieses "Jungfrau ohne Erfahrung trifft sexy Kraftpaket"-Schema, mir persönlich entlockt es aber nur noch ein ungläubiges Kopfschütteln. Bei "Heaven, Texas" wird das Thema so verwurschtet:
Jüngfräuliche 30-jährige graue Maus ohne jegliche sexuelle Erfahrung trifft hier also reichen, sexy Ex-Footballer mit sexueller Unzufriedenheit, der sich natürlich gleich für sie interessiert. Sie benimmt sich natürlich wie ein unerfahrener Teenager, verliebt sich nach einer Woche Hals über Kopf in den Helden und ist so perfekt und ohne Fehler, dass es einem fast Zahnschmerzen bereitet. Natürlich wird sie am Anfang mit einer Stripperin verwechselt, bei ihrem scheinbar unterirdisch schlechten Klamottenstil sehr verwunderlich, und schafft es nicht ihre Klappe aufzubekommen, um dies auch zu sagen. Der Protagonist macht dabei auch keine gute Figur, sondern kommt eher etwas schleimig daher. Seinen Klamottensil habe ich in meiner Vorstellung übrigens ignoriert, weil der für mich eher auf einen alten, schnurrbarttragenden Cowboy gepasst hatte. Dies war übrigens die oben von mir erwähnte Szene!
Es ging dann relativ langeweilig weiter, fesselnd und spannend nenne ich anders. Ich spürte auch gar keine Chemie zwischen den Protagonisten, für mich waren die beiden einfach viel zu verschieden und das die beiden wirklich füreinander bestimmt sein sollten fand ich irgendwie unrealistisch. Natürlich gibt es immer wieder sehr interessante Paarungen in Liebesromanen, was ich eigentlich sehr gut finde, wenn ich als Leser wenigstens irgendetwas zwischen den beiden spüre. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ich wahrscheinlich auch nicht genug gelesen habe, um die beiden richtig einschätzen zu können. Trotzdem meiner Meinung darf ein Liebesroman nicht erst nach der Hälfte des Romans romantisch und fesselnd sein, sondern man muss schon relativ früh am Anfang die Emotionen spüren, sonst ist er einfach nicht gut (außer es ist kein reiner Liebesroman, was bei "Heaven, Texas" nicht der Fall ist).
Wenigstens hat sich der Humor mit der Zeit etwas verbessert, ich musste manchmal wirklich schmunzeln und fand manche Szenen zwar etwas gezwungen, aber witzig. Gerettet hat es den Roman jedoch nicht, weshalb ich dann auch irgendwann aufgegeben habe. Mittelmäßiger Humor reicht halt nicht!
Das Ende war gar nicht so schlecht, zumindest wenn man bedenkt, dass das Ende noch schlechter hätte sein können. Mal davon abgesehen, dass sich Bobby Tom (was für ein bekloppter Name!) sich wie ein Ars*h benommen hat und das Ganze sehr, sehr klischeehaft abgelaufen ist.
Er macht sie nieder. "Nein, ich liebe sie nicht!" Eine Sekunde später. Intelligenz setzt ein. "Oh, ich liebe sie und kann ohne sie nicht leben!" Er rennt ihr hinterher.
Das war einfach zu unrealistisch und dass Gracie ihm so schnell vergeben hat fand ich nicht richtig. Er hat sich wie ein Stück Sch... ähm Dreck benommen, sie verhöhnt und beleidigt, und sie nimmt ihn nach einer einfach Entschuldigung einfach so zurück? Ach ja stimmt, jetzt liebt sie ja wirklich und tut nicht nur so, was sie ihm natürlich wieder glaubt. Hat sie nichts aus ihren Fehlern gelernt? Scheinbar nicht, aber sie hat ja Glück, dass er es diesmal ernst meint. Wow, super. Typisches altmodisches Liebesromanende und scheinbar stehe ich nicht mehr darauf, dies war früher anders. Wie sich der Lesegeschmack innerhalb einiger Jahre doch ändern kann. Ach, habe ich oben erwähnt, dass das Ende doch gar nicht so schlecht war? Ich muss wohl von dem Ganzen Kitsch geistig umnebelt gewesen sein, wie mir gerade auffällt, war das Ende doch nicht so gut.
Die Sache mit den Kondom und den STDs fand ich übrigens bedenklich. Erst macht er sich Sorgen, dass sie ohne Kondom Sex haben könnte und sich dadurch eine Krankheit von irgendeinem Kerl einfangen könnte, weil sie zu gut gläubig und unerfahren ist und dann verhält sich Bobby Tom genau wie einer dieser Kerle vor denen er sie ja beschützen wollte. Nein, natürlich er war immer vorsichtig, ein Kondom ist also vollkommen unnötig. Und Gracie glaubt ihm selbstverständlich und macht damit genau das wovor Bobby Tom bei anderen Kerlen Angst hatte. So einen Typen wünscht sich Frau, schließlich haben immer nur die Anderen die gefährlichen Krankheiten, als ob denen ihre Gesundheit weniger wichtig wäre und die grundsätzlich mit STDs durch die Welt sexeln.
Fazit:
Eine altmodische Geschichte, die bei ihrem Erscheinen wahrscheinlich die Frauen begeistert hat und auch heute noch einige Fans finden wird. Wer eher auf moderne Liebesromane steht, wird mit "Heaven, Texas" aber eher keine Freude haben, ebenso wie ich.