Die Frau schwängern und eine Familie gründen?
Nur wegen der WM-Fußballkarten, die der Chef für ein Kind in Aussicht gestellt hat.
Hart arbeiten und schuften, es ganz nach oben schaffen, um die geldliebende Frau zurückzugewinnen, die einen wegen einem reichen Mann verlassen hat?
Nur um ihr gleich nach der Heimkehr ein gemütliches Bett unter der Erde herzurichten.
Ein glückliches Paar auseinanderbringen, inklusive zweier Toter?
Aus purer Langeweile!
Als Verlierer aus einem Machtstreit im Büro hervorgehen?
Na, lieber gleich den Löffel abgeben …
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Berechnung, Hinterlist, Wahn, Rache, Versagen, Angst, Melancholie und hier und da ein schön organisierter Mord à la carte – das und noch vieles mehr erwartet einen in Susanne Henkes Kurgeschichtensammlung „Makellose Morde to go“.
Anfangs erfüllt von der Skepsis, dass eine Romanliebhaberin sicherlich wenig mit 24 höchstens sechs Seiten langen Erzählungen anfangen kann, hat mich Susanne Henke letztendlich doch vom Gegenteil überzeugt. Es geht tatsächlich und das sogar ausgesprochen gut, denn jede Geschichte zeugt von einer ganz und gar unvermuteten Sprachgewandtheit, die einen sofort in seinen Bann schlägt – jedoch auch zur absoluten Höchstleistung deiner Konzentrationsstärke zwingt.
Ich muss nämlich sagen, dass manche Geschichten an einigen Stellen sehr kompliziert zu lesen waren und manchmal auch ein wenig unübersichtlich wirkten, was wohl an dem häufigen Perspektivenwechsel lag, womit dieses Buch wider Erwarten weniger etwas für „mal schnell Zwischendurch“ ist. Man muss sich wirklich auf den Text einlassen und die verwirrenden Passagen vielleicht ein zweites Mal lesen, aber dann geht es und man entwickelt richtig Spaß dabei, die unterschiedlichen Protagonisten auf dem kurzen Stück Weg zu begleiten, welches die Autorin in ihren Geschichten beleuchtet.
Wenn man zu Beginn noch gewisse Bedenken hat, die daher rühren, dass man als Leser eigentlich keine Freude an literarisch vollzogenen Morden und heimtückischen Taten haben sollte, so ist es zum Schluss genau das, was man sich als Ausgang einer Geschichte wünscht. Leider sterben in manchen Fällen nicht die Personen, die man „lieber“ tot gesehen hätte – es kommt sogar vor, dass keiner stirbt, was die Boshaftigkeit der vorkommenden Menschen jedoch nicht mildert – doch letztendlich ist man mit dem Ende immer zufrieden, weil deine Erwartungen als Leser doch auf skurrile Weise erfüllt wurden.
Natürlich sind viele Ausgänge von vorneherein ersichtlich, andere dafür jedoch wieder überhaupt nicht, sodass eine gewisse Balance an Spannung, Überraschung und Vorhersehbarkeit besteht.
Mit einem untrüglichen Gespür für die Schwächen und Fehlerhaftigkeit der Menschen, wurde hier die Charakterzeichnung vorgenommen, sodass man als Leser, wenn auch durch die Kürze der Handlung und Personenbeleuchtung wenig Identifikationspotenzial vorhanden ist, jeden einzelnen Protagonisten versteht. Natürlich wurden die meisten auf die gewissen guten und/oder bösen Eigenschaften reduziert, welche tragend für die Geschichte und das entsprechende Agieren der Menschen sind, doch das stört hier weniger, da es in der Regel tatsächlich nur um die Eigenschaft und ihr Hervortreten und Auftreten an sich geht.
Ich kann also sagen, dass mir „Makellose Morde to go“ alles in allem sehr gut gefallen hat, weil hier verdeutlich wurde, dass jeder Mensch neben seinen guten auch immer schlechte Seiten hat und die Moral hinter dem eigenen Nutzen und Wohlbefinden doch öfters zurückbleibt, als einem lieb ist.
Insbesondere möchte ich die Kurzgeschichte „Pas de deux“ erwähnen, welche mir von allen am besten gefallen hat. In dieser geht es zwar nicht direkt um Mord, aber dennoch ist etwas in der Protagonistin mit dem Verlust ihrer Beine gestorben.
Sehr melancholisch unterbreiten sich hier einem die Gedanken dieser Frau und verdeutlichen vor allem einer Hobbytänzerin wie mir, wie wertvoll etwas sein kann, was man sonst immer als verständlich angesehen hat. Deswegen sollte man aufpassen, zu welchem Zeitpunkt man seiner hässlichen und aufbrausenden Wesensart Ausdruck verleiht, die sogar in einem ansonsten stets lebenrettenden Menschen steckt …