Rezension verfasst vor 10 Monaten
(10)
Fehlende Spannung und Belanglosigkeit bemängelten einige der Rezensenten vor mir an Pärchenabend forever. Nette Unterhaltung für zwischendurch, kann-man-lesen-muss-man-aber-nicht: Das waren in etwa die Quintessenzen einiger Rezensionen. Was mich ehrlich gesagt überrascht – und ich bin auch erstaunt, dass dieser Roman mehr Wertungen im 3-Sterne-Bereich und weniger hat als dass er für sehr gut bzw. überdurchschnittlich befunden wurde. Denn dafür halte ich ihn: für überdurchschnittlich – natürlich nur auf das Genre der Unterhaltungs-, Trivial-, Frauenliteratur (oder wie auch man sie nennen möchte) bezogen. Dort kenne ich mich wohl weniger als aus als manch anderes LovelyBooks-Mitglied und doch meines Erachtens genug, um sagen zu können: Susanne Klingner und Bastian Obermeyer haben einen frischen, kurzweiligen, lebendigen und realistischen Roman geschrieben.
Die beiden Perspektiven, aus denen die Geschichte um Una und Per, die zusammenziehen, erzählt wird, kam bei allen Rezensenten gut an – auch bei mir. Gerade aus der Tatsache, dass einige Situationen von beiden völlig unterschiedlich empfunden wurden und Worte unterschiedlich gemeint waren, ergibt sich ein Gros des leisen, unaufgeregten Humors, der sich durch das ganze Buch zieht – und wir lernen gerade in diesen Momenten Una und Per immer noch ein Stückchen besser kennen und erkennen uns wohl alle zuweilen in einem von beiden. Dass die Probleme, die die beiden im Laufe der Zeit nach dem Zusammenziehen haben, als klischeehaft und –beladen betitelt wurden, kann ich so nicht bejahen. Natürlich sind die Probleme weder besonders originell noch unvergleichlich außergewöhnlich – aber warum sollten sie das auch sein? Ein Mann und eine Frau Ende zwanzig ziehen nach einem Jahr Beziehung zusammen. Welche schwerwiegenden Probleme außer Streit um den Haushalt, Schwierigkeiten mit dem nicht-mehr-allein-sein, Dispute um Räumlichkeiten und Gestaltung und Aufteilung derselben sollen sich auch groß ergeben?
Mir ist schon des Öfteren aufgefallen, dass viele Menschen das Buch heute zu einer Ware verkommen lassen, die ihnen dann hauptsächlich dem Unterhaltungswert dient. Spannend soll es sein, so dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann, fantasiereich und trotzdem so, dass man sich mit den Figuren identifizieren kann, solide geschrieben, dass man keinen Satz vielleicht mal langsamer oder zweimal lesen muss, um ihn zu erfassen. Wo bleiben unser Kopf und das Denken? Ich will keine Bücher, die perfekt sind und ständig Neues erzählen. Nach über einem Jahrhundert, in dem Millionen Bücher für eine breite Masse zur Verfügung stehen, kann ich doch nicht ernsthaft immer erwarten, dass mir etwas absolut Innovatives und gigantisch Ausgefallenes in der Geschichte begegnet. Ich lese doch nicht nur, um in fremden Welten meinem eigenen Alltag zu entfliehen, sondern auch, um mich in anderen Alltagen selbst wiederzuerkennen und womöglich davon angefacht, zu reflektieren und daraus zu lernen.
Genau deshalb halte ich Pers und Unas Geschichte für absolut glaubwürdig, realistisch und authentisch. Beim Lesen kam bei mir niemals Langeweile auf, ich mochte den Sprachstil des Autorenduos und der Anspruch war meiner Meinung nach immer gleichwertig neben Witz und Situationskomik vertreten. Pärchenabend forever kann wohl gleichermaßen Männer und Frauen ansprechen – und dies ist in dem Genre der Unterhaltungsliteratur ja doch eher selten –, und ist schnell gelesen, ohne dass das Hirn im Leerlauf versackte. Einen Stern Abzug gibt es für das etwas zu abrupte Ende.
0 Kommentare