Rezension verfasst vor 1 Jahr
(10)
Frauen, die Mörder lieben
Der Begriff “Prison Groupies” war für mich neu. Er kommt aus dem amerikanischen und bezeichnet Frauen, die sich in Verbrecher hinter Gittern verlieben. Je schwerer und düsterer das Verbrechen, desto besser. Gerade Mördern und Psychopathen üben auf diese Frauen eine besondere Anziehung aus. Eine solche Beziehung und ihre gefährlichen Folgen hat Susanne Mischke in ihrem Roman “Liebeslänglich” beschrieben.
Mathilde findet ihr Leben perfekt. Mit 42 Jahren hat sie alles erreicht was ihr wichtig ist. Sie ist eine erfolgreiche Lehrerin an einer renommierten Privatschule. Ihr gehört eine repräsentative Altbauwohnung im besten Viertel Hannovers. Daneben besitzt Sie ein Haus, Aktien und Privatvermögen aus dem Nachlass ihrer Großmutter. Sie ist alleinstehend, hält sich aber mehrere Liebhaber. Eines Tages lernt Sie bei einer ärztlichen Routineuntersuchung den inhaftierten Mörder Lukas Feller kennen. Der kurze Wortwechsel im Wartezimmer reicht aus, um ihr Interesse und auch ihr Gefühl zu wecken. Aus brieflichem Kontakt werden Besuche im Gefängnis. Schließlich die Heirat hinter Gittern, bei der Mathilde davon ausgeht, dass ihr frisch angetrauter Frauenmörder noch einige Jahre abzusitzen hat. Zwei Wochen später steht Lukas jedoch vor ihrer Tür, vorzeitig entlassen. Mathildes vollkommenes Leben löst sich auf, bis Sie nur noch um das nackte Überleben kämpft.
Susanne Mischke hat ihren Kriminalroman sehr geschickt ein zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschreibt die Situation bis zur Heirat im Gefängnis. Der zweite Teil beginnt, als Lukas plötzlich vor Mathildes Tür steht. Ganz nachvollziehbar ist die Faszination die Mathilde dazu treibt den verurteilten Frauenmörder näher kennenlernen zu wollen nicht. Lukas wird zwar als intelligent, gutaussehend und kultiviert beschrieben. Allerdings erzählt er Mathilde bereits im ersten Teil von seinen abartigen Verbrechen. Trotzdem fühlt sie sich sowohl körperlich als auch geistig von ihm angezogen. Was wohl typisch für einen oben beschriebenen “Prison Groupie” ist. Allerdings wird dieses eigentümliche Verhalten am Beispiel Mathildes nur sehr oberflächlich beschrieben.
Nach der Entlassung enthüllt sich das ganze Ausmaß Lukas kranker Psyche. Gleichsam mit dem Wegfall der Gitter, bahnt sich die abnorme Persönlichkeit im Alltag ihren Weg. Innerhalb kürzester Zeit liegt Mathildes Existenz in Scherben. Allerdings fehlt auch hier der Nervenkitzel. Das Tempo ist zu gemächlich um einen echten Spannungsbogen zu erzeugen.
Susanne Mischkes Roman liest sich schnell, denn die Sprache ist flott und einfach. Die Figuren allerdings sind eher flach und wenig differenziert. Auf das Grund-Thema “Prison Groupies” wird nicht näher eingegangen. Was schade ist, denn ein genauerer Blick hinter die Kulissen hätte dem Spannungsbogen des Buches sicher gut getan.
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