Leser-Rezension zu „Die Lebküchnerin” von Sybille Schrödter

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anushka anushka
Verfasst von anushka
am 2.01.2010
 

Mittelmäßige Mittelaltergeschichte

Benedicta wird als 12jährige von ihrer bösen Stiefmutter in ein Kloster abgeschoben, damit sie aus dem Weg ist und keinen Anspruch auf ihr Erbe erheben kann. Doch Benedicta ist für das Klosterleben nicht geschaffen. Immer wieder fällt sie durch Aufmüpfigkeit und Ungehorsam auf. Sie hilft lieber in der Küche beim Backen von Lebkuchen als sich in ihrer Zelle dem Gebet zu widmen. So hat sie sich auch mit der Klosterköchin Agnes angefreundet. Und ihr Herz schlägt zunehmend für den Fechtmeister Florian, den Neffen der Priorin des Klosters. Doch dann eskalieren Missgunst und Verleumdung und Benedicta und Florian müssen flüchten. Auch Agnes hat sich den beiden angeschlossen. Doch auf der Flucht wird Florian schwer verletzt und ihrer Freiheit zuliebe muss Benedicta ihn zurücklassen und mit Agnes allein weiterfliehen. Die beiden Frauen gehen nach Nürnberg, denn dort ist Agnes mit einem Bäckerssohn verlobt und sie stellt ihm Benedicta als ihre Schwester Brunhild vor. Doch Benedicta ist es nicht gewohnt, sich zurückhaltend und demütig zu verhalten. Und so fällt sie schnell auf und macht sich zahlreiche Feinde während die Häscher des Klosters nicht mehr weit sind, denn die Flucht aus dem Kloster und die körperliche Sünde stehen unter harter Strafe ...

Wem diese Inhaltsbeschreibung schon kitschig und klischeehaft erscheint, der hat bereits den Kern des Buches erkannt. Benedicta fällt überall durch ihr schnelles und lautes Mundwerk auf, da sie jedem ihre Meinung sagt und manchen damit überrollt. Dass man so nicht in Deckung leben kann, wird schnell deutlich, denn sie bemüht sich auch nicht, misstrauische Charaktere zu besänftigen. In der Mitte des Buches war ich irgendwann so genervt von den beiden Einfaltspinseln Agnes und Benedicta, dass ich das Buch am liebsten zur Seite gelegt hätte. Denn wer sich derart laut im Wald verhält, während er sich eigentlich auf der Flucht befindet, braucht sich nicht zu wundern. Zudem wurden mir Probleme viel zu schnell gelöst. Agnes' Verlobter ist Schwarzbäcker und ihm ist somit untersagt, Weißmehl zu benutzen. Doch wie Lebkuchen backen ohne Weißmehl? Die Lösung bietet sich in Form eines Geistesblitzes an. So wie eigentlich jede Lösung, wenn die Frauen mit ihrem Lebkuchenteig nicht weiter wissen. Dazu kommt, dass Benedicta einfach viel zu vertrauensselig ist und jedem, der halbwegs nett zu ihr ist, ihre Geschichte auf die Nase bindet. Dagegen sind die, die es nicht gut mit ihr meinen, abgrundtief böse. Die junge Frau von gegenüber, die eigentlich usprünglich Agnes' Verlobten heiraten sollte, greift sogar zu mörderischen Mitteln. Diese Wendung kam mir viel zu plötzlich, da das selbst mit dem schlechten Charakter, der der jungen Frau zugeschrieben wurde, so nicht vorhersehbar oder logisch folgend war.

Leider ist es der Autorin nicht gelungen, mich mit der Geschichte vollends zu packen und sie konnte mir keinen der Charaktere nahe bringen. Nicht einmal die verliebten Gefühle wirkten auf mich authentisch. Alles ging etwas drunter und drüber, die Geschichte hatte merkwürdige Wendungen und die Protagonistin belastete meine Nerven immer wieder. Außerdem strotzte die Geschichte vor Klischees und Kitsch. Allerdings habe ich mich auch hin und wieder unterhalten gefühlt, sodass ich dieses Buch als mittelmäßig einstufe. Vielleicht gelingt der Autorin im angedrohten zweiten Band ja eine ausgewogenere und glaubhaftere Geschichte.

 

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Die Lebküchnerin Die Lebküchnerin
Sybille Schrödter

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Die Lebküchnerin
von Sybille Schrödter

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