Leser-Rezension zu „Die Lebküchnerin” von Sybille Schrödter
am 31.05.2010
Benedicta wird gegen ihren Willen von der Stiefmutter in ein Kloster abgeschoben, damit diese ihr Erbe kassieren kann. Scheinbar arrangiert sie sich mit dem Leben dort, jedoch als man ihr verwehrt, in der Küche beim Backen zu helfen und außerdem ein Mann ins Spiel kommt, ist es mit ihrer Demut vorbei. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam mit der Freundin Agnes zu fliehen. Sie schlagen sich bis Nürnberg durch.
Über das Leben der damaligen Zeit zu lesen ist sehr interessant und so begleitete ich Benedicta gerne auf ihrem Weg ins Ungewisse. Jedoch fesselte und begeisterte mich der Schreibstil Sybille Schroedters nicht. Auch wenn sie einige Wendungen in die sonst so vorhersehbare Handlung einbaute, verstand die Autorin es nicht, Spannung aufzubauen. Sie wählte schlichte einfach Worte und teilweise platte Redewendungen (...ihre Blicke verschmolzen miteinander, bis sich schließlich ihre Münder fanden ...). Auch konnte ich nicht so richtige Sympathie für Benedicta empfinden. Wirkte sie im Kloster gut erzogen, trat sie außerhalb der Mauern hochnäsig und schnippisch auf, was für mich sehr unglaubwürdig war. Mal zeigte sie sich wankelmütig, dann wieder scheinbar zielstrebig. Sie hatte nur Glück, dass die Autorin ihren Lesern die Grausamkeit der damaligen Zeit ersparen wollte, denn ich denke, dass sie mit ihrem Verhalten sehr schnell unter die Räder gekommen wäre. So aber musste Benedicta kaum ernstzunehmende Hürden überwinden, und tauchte doch mal eine Schwierigkeit auf, bewältigte sie diese im Handumdrehen.
Ich kann mir nicht denken, dass es den Frauen so leicht gemacht wurde. Alles in allem finde ich das gewählte Thema des Buches zwar hochinteressant, die Umsetzung war es aber nicht. Ich würde dieses Buch Liebhabern von historischen Romanen nicht empfehlen. Wer aber gerne leicht verdauliche, nicht gar so anspruchsvolle Literatur mag, wird hier nicht enttäuscht.
Für mich ist das Buch schnell gelesen und auch wieder vergessen.

