Leser-Rezension zu „America” von T. C. Boyle
am 24.01.2011
Dieses Buch ist atemberaubend.
Es erzählt die Geschichte zweier Menschen, Mexikaner und Amerikaner, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder zufällig. Wir lernen, wie Rassenhass entsteht und zu welchen Mitteln Menschen bereit sind zu greifen, wenn sie sich durch, wie in diesem Fall, illegale Einwanderer gefährdet sehen. Dabei realisieren sie nicht, dass ihre Probleme im Vergleich zu denen der weniger priviligierten Schichten eigentlich keine Probleme sind, sondern hausgemacht, weil sie sich an ihr sonst makelloses Bilderbuchleben zu sehr gewöhnt haben. Im krassen Gegensatz dazu steht der Überlebenskampf besagter illegaler Immigranten. Ihr täglicher Einsatz für Nahrung, Obdach und Arbeit, denn sie alle sind auf der Suche nach der Erfüllung des amerikanischen Traums. In einem Land, dass durch Einwanderer groß geworden ist, sich aber anscheinend nicht mehr daran erinnern kann.
Es ist eine Schande und ich habe eigentlich pausenlos mit dem Kopf geschüttelt, während ich las, welche Maßnahmen zur Absicherung der weißen Siedlungen gegen vor allem Mexikaner getroffen wurden, und erkannte im gleichen Augenblick Parallelen zu Deutschland und anderen Ländern, denn das Geschehen hätte auch hier so stattfinden können. Am schockierendsten jedoch war es, zu wissen, dass die Geschichte durchaus realistisch ist und jeden Tag so passiert. Und das alles nur, weil es keinen wirklichen Dialog gibt zwischen beiden Parteien. Was wissen die Reichsten denn schon davon, wie die Ärmsten leben? In "America" unterstellen erstere letzteren pure Berechnung und Böswilligkeit, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was illegale Einwanderer dazu treibt, ihre Heimat zu verlassen und sich in Hoffnung auf ein besseres Leben in einem Land durchzuschlagen, das ihnen nur mit Hass und Ignoranz begegnet.
Ein sehr aufrüttelndes Werk!

