Leser-Rezension zu „Drop City” von T. C. Boyle
am 23.02.2009
T.C. Boyle nimmt sich in »Drop City« der Hippiezeit an, und dies war wohl überfällig. Schließlich hat er jene bewegenden Jahre, die unsere Gesellschaft nicht unwesentlich veränderten, selber hautnah miterlebt; vielleicht sogar mehr, als ihm lieb war, wenn man mal einen Blick auf seine Biographie wirft. Deshalb scheint sich der Autor auch wie Zuhause zu fühlen, wenn er von den Prioritäten der Hippiegeneration schreibt, von der freien Liebe, von Drogenparties, vom Lebensgefühl und dem Soundtrack jener Zeit. Seine Sprache passt auf jeden Fall bestens zu diesem Thema, besser als zu jedem anderen Roman, den er bisher geschrieben hat. Althippies tendieren ja normalerweise dazu, ihre bewegende Jugend zu verklären. Boyle jedoch nicht, und das war wohl auch von vornherein nicht zu erwarten. Er lässt seine Protagonisten in gewohnter Manie durch die Geschichte stolpern, was dazu führt, dass weniger die positiven Grundgedanken und Ansätze, die die Hippiegeneration hatte, sichtbar werden, sondern vielmehr ihre naiven und selbstzerstörerischen Seiten. Wie schon der Klappentext des Buches verrät, lässt Boyle in »Drop City« zwei völlig verschiedene Welten aufeinanderklatschen: kalifornische Hippie-Pioniere und rustikale Einsiedler aus Alaska. Da ist das dicke Ende vorprogrammiert; ein Ende, das einem nicht im Regen stehen lässt, aber auch noch genug Freiraum für eigene Gedanken und Überlegungen bietet.

